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Balingen "Mehl ist das neue Statussymbol"

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In der Stingel-Mühle von Thomas Halter gibt es noch genügend Mehl-Vorräte.Foto: Reich Foto: Schwarzwälder Bote

Die Bilder sind mittlerweile Alltag: Leere Regale in den Läden, wo sich vor wenigen Wochen noch Mehlpackungen reihten. Hamsterkäufer haben die Verkaufsflächen gelichtet, Nachschub scheint nicht in Sicht. Ganz anders ist die Lage in der Stingel-Mühle in Dürrwangen. Dort gibt es Getreideprodukte satt.

Balingen-Dürrwangen. "Mehl, Hefe und Klopapier sind die neuen Statussymbole", sagt Martin Halter. Er ist der Besitzer der Stingel-Mühle in Dürrwangen. Seit mehr als 125 Jahren werden dort an der Eyach Weizenmehl und Dinkelmehl, Roggenmehl und Vollkornmehl gemahlen. Trieb ursprünglich ein Mühlrad die Mahlwerke an, produzieren seit mittlerweile 60 Jahren zwei Turbinen dafür notwendigen Strom.

Der wird zurzeit auch mehr denn je benötigt, denn seit Beginn der Corona-Krise bestürmen die Kunden den Mühleladen. Dieser ist zum Geheimtipp für all jene geworden, die im Supermarkt vergeblich Mehl kaufen wollten – was teilweise bizarre Formen annimmt: "Da sind anfangs Leute gekommen, die ich noch nie gesehen habe, und haben 50 Kilo Mehl rausgeschleppt", berichtet Halter.

Nicht nur aus dem Zollernalbkreis, sondern auch aus den Kreisen Tuttlingen, Sigmaringen und Reutlingen kämen die Käufer, erzählt der Müller. Aus ganz Deutschland kommen Anfragen, ob denn die Stingel-Mühle Mehl senden kann. "Aufgrund der massiven Nachfrage nach Mehl müssen wir vorübergehend den Shop schließen", heißt es inzwischen auf der Online-Handel-Seite des Unternehmens.

Dabei ist genügend Mehl auf Lager, die Mühle produziert zudem auf Hochtouren. Wird pro Woche normalerweise an zwei bis drei Tagen abgefüllt, läuft die Anlage jetzt an sechs Tagen. Drei zusätzliche Mitarbeiter hat Halter eingestellt, die in zwei Schichten arbeiten.

Teilweise wurde im Laden an einem Tag so viel verkauft wie normalerweise in einer Woche, sagt Halter, der auch Supermärkte und Hofläden in der Region beliefert. Dennoch: "Jeder der zu uns kommt, bekommt Mehl", versichert er.

Immer wieder klingelt das Telefon. "Habt Ihr noch Mehl? Ich fahr sofort los", heißt es dann oft. Dabei ist sich Thomas Halter nicht ganz sicher, was die Menschen mit ihren Vorräten wollen. "Mehl wird zu Hause nicht besser", weiß er.

Seine Befürchtung ist, dass wertvolle Lebensmittel früher oder später im Müll landen. Denn nicht jeder, der Mehl hortet, wird damit automatisch zum begabten Bäcker. "Mehl bringt natürlich Sicherheit", sagt Halter. Auch wenn nicht jeder etwas damit anfangen kann, gebe es doch das Gefühle: "Das hab ich."

Maximal drei Kunden dürfen sich gleichzeitig im Mühleladen aufhalten, der Rest muss draußen warten, bis er hereingerufen wird. "Mittlerweile akzeptieren es die Leute, dass sie ein bisschen warten", hat Halter festgestellt. Bezahlt wird per Karte oder mittels einer "Bargeld-Box".

Die Backkurse, die sonst regelmäßig in kleinen Gruppen abgehalten werden, sind für das erste Halbjahr komplett abgesagt worden. Wenn die Corona-Krise überwunden ist, ist Halter einerseits froh, dass seine Mitarbeiter – "Wir haben eine sehr gute Mannschaft zusammen" – wieder durchatmen können. Andererseits befürchtet er einen Umsatzrückgang, denn wer Vorräte für ein ganzes Jahr angelegt hat, braucht keinen Nachschub. Eines ist sich der Müller jedoch sicher: "Das Mehl geht nicht aus."

Ihre Redaktion vor Ort Balingen

Steffen Maier

Fax: 07433 901829

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