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Balingen Lehrer wegen vermeintlicher Beleidigungen vor Gericht

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Vor dem Balinger Amtsgericht wurde ein Lehrer freigesprochen. Foto: Archiv

Balingen - Freispruch für den Angeklagten: Der Vorwurf, der Sportlehrer habe eine elfjährige türkischstämmige Schülerin beleidigt, erweist sich als unbegründet. Zur Anklage haben eine unglückliche Äußerung des Lehrers und mehrere Missverständnisse geführt.

Als der 68-jährige pensionierte Sonderschullehrer 2017 die Vertretung für eine erkrankte Kollegin an der Balinger Sprachheilschule übernimmt, weiß er nicht, welch hohe Wellen eine unglückliche Bemerkung von ihm schlagen wird. Am Montag sitzt er im Verhandlungsraum des Amtsgerichts und muss sich wegen Beleidigung verantworten.

Im Sportunterricht soll er an einer Schülerin gerochen, die Nase gerümpft und gesagt haben, sie rieche nach Türke, lautet die Anklage. Das habe die Schülerin in ihrer Ehre gekränkt. Den Lehrer macht dieser Vorwurf fassungslos: "Ich habe nie etwas zum Geruch oder zur nationalen Herkunft dieser Schülerin gesagt."

Eine andere Situation habe es allerdings gegeben: "Ich habe mich einmal zu diesem Mädchen runtergebeugt und gesagt, ihre Mutter soll das Loch in ihrer Gymnastikhose stopfen." Diese Äußerung hat die Elfjährige falsch verstanden – und mit einer anderen unglücklichen Bemerkung des Lehrers verknüpft.

Im Laufe der Verhandlung wird klar, wie sich die Geschichte entwickelt hat. Die ganze Klasse hat eine Bemerkung des Sportlehrers falsch interpretiert – und nachdem sich die Eltern eingemischt haben, ist die Situation schnell eskaliert.

Was ist passiert? Ein Junge machte im Sportunterricht eine abfällige Bemerkung über seine türkischen Mitschüler, der Lehrer reagierte sofort. "Das geht gar nicht. Du kannst sie nicht beleidigen. Lass die Türken in Ruhe, sie haben genug Probleme. Sonst gibt’s noch einen Krieg wie bei Hitler", soll der Lehrer gesagt haben. Das war eine unglückliche Formulierung, gibt auch der Angeklagte zu. Zumal seine Schüler gewaltige Probleme beim Sprachverstehen haben. Doch der Lehrer ahnte nicht, welch eine Lawine von Beschuldigungen dieser Satz auslösen würde.

"Die Schüler waren an diesem Tag alle durcheinander. Sie sagten, der Sportlehrer habe die Türken beleidigt", erinnert sich die Klassenlehrerin. Nach Gesprächen mit der Klasse stand für sie fest: Jeder Schüler hat es anders verstanden und interpretiert. "Das Sprachniveau dieser Kinder ist extrem niedrig, der Wortschatz ist begrenzt", erklärt die Klassenlehrerin.

Schnell schlossen sich dann aber die Eltern von türkischstämmigen Schülern zusammen. Nach gemeinsamen nächtlichen Telefonaten wurden viele Vorwürfe laut – für den Sportlehrer kamen sie wie aus heiterem Himmel. In die Umkleidekabinen der Schülerinnen soll der Angeklagte gekommen sein. "Alle Türken sind Nazis", soll er gesagt und die Elfjährige als hässliche Türkin mit dunkler Haut beschimpft haben.

Obwohl das Mädchen zugab, das Ganze erfunden zu haben, machten die Eltern weiter Druck. Die Wogen schlugen hoch, es kamen immer mehr Vorwürfe dazu. Die Klassenlehrerin spricht von "fürchterlichen Beschuldigungen". Allerdings: Um den Vorwurf, der dann zur Anklage führte, sei es in der Diskussion nie gegangen. Auch die Schülerinnen selbst können sich im Gerichtssaal nicht mal ansatzweise an solche Bemerkungen erinnern.

Für die Staatsanwältin und den Verteidiger ist die Sache klar: Am Ende plädieren beide auf Freispruch. "Diese Bemerkung, um die es heute geht, diese angebliche Beleidigung, die gab es nicht", argumentiert die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. "Es wurde etwas zusammengereimt, was einen heute fassungslos macht."

Der Angeklagte wird freigesprochen, gibt aber am Ende der Verhandlung zu: "Das belastet mich sehr." Und: "Ich bin erschüttert darüber, was den Mädchen von ihren Eltern und von ihrem Umfeld angetan wurde."

Ihre Redaktion vor Ort Balingen

Steffen Maier

Fax: 07433 901829

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