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Balingen KZ Natzweiler bewirbt sich um Kulturerbesiegel

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Gedenkstätte auf dem "Pfad der Erinnerung" beim SchieferErlebnis Dormettingen: Schienenstücke und Lore erinnern an das wahnwitzige "Unternehmen Wüste". Foto: Visel

Zollernalbkreis - Das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler bewirbt sich mit seinen Außenlagern – darunter Erzingen, Frommern, Dormettingen, Dautmergen und Schörzingen – um das Europäische Kulturerbesiegel.

Mit dem Siegel zeichnet die Europäische Union Kulturdenkmale, Kulturlandschaften und Gedenkstätten von hohem symbolischen europäischen Wert aus. Die Voraussetzung: dass dort insbesondere für junge Menschen besondere Vermittlungsprojekte angeboten werden.

Das Hauptlager Natzweiler-Struthof ist das einzige große KZ aus der NS-Zeit, das heute auf französischen Boden liegt. Aber ohne die Außenlager in Baden-Württemberg ist eine KZ-Gedenkstätte nicht denkbar. Lediglich ein Drittel der rund 52.000 Häftlinge hat das Hauptlager jemals gesehen. Alle anderen wurden auf die Außenlager verteilt, die auch nach Auflösung des Hauptlagers im Herbst 1944 bis zum Frühjahr 1945 weiter bestanden. Daher sind an der Bewerbung um das Kulturerbesiegel neben dem Centre Européen du Résistant Déporté auch zwölf Gedenkstätten und Initiativen aus Baden-Württemberg beteiligt – darunter sieben Lager des "Unternehmens Wüste", die den Auftrag hatten, aus dem Ölschiefer der Schwäbischen Alb Treibstoff für die deutsche Kriegsmaschine zu gewinnen.

Trotz der unbefriedigenden Ergebnisse bis dahin durchgeführter Versuche ordnete Albert Speer, Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, im Rahmen des "Geilenberg-Programms" im Juli 1944 die Nutzung des Ölschiefervorkommens am Rand der Alb an. Unter dem Decknamen "Unternehmen Wüste" wurde der Bau von zehn Ölschieferwerken in Württemberg und Hohenzollern vorangetrieben.

Der Ölschiefer sollte auf einer Fläche von 110 Quadratkilometern von KZ-Häftlingen abgebaut werden. Beteiligt waren unter anderem die "Deutsche Ölschieferforschungs-Gesellschaft" in Berlin und Schömberg, die "Kohle-Öl-Union" in Schörzingen, die "LIAS-Forschungsgesellschaft" in Frommern, die SS-eigene "Deutsche Schieferöl GmbH" in Erzingen, die Organisation Todt, die SS und die Deutsche Bergwerks- und Hüttenbaugesellschaft.

Entlang der Bahnlinie Tübingen-Aulendorf und der Nebenstrecke Balingen-Rottweil wurden die sieben Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof gebaut. Für das "Unternehmen Wüste" stellte die SS mehr als 10 000 Häftlinge zur Verfügung, die als Arbeitskräfte in die Ölschieferwerke kamen. Unter unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen starben mindestens 3480 von ihnen.

Die Häftlingen galten nicht als Menschen, sondern als Ware: Die SS bekam pro Häftling und Arbeitstag zwischen vier und sechs Reichsmark "Tagesmiete". Werk neun war das "Bahnhofs-KZ" in Schömberg, Werk zehn wurde in Zepfenhan aufgebaut. Darin arbeiteten Häftlinge aus dem KZ Schörzingen.

Lediglich in vier von zehn Ölschieferwerken konnte bis Kriegsende die Produktion notdürftig anlaufen. Deren kriegswirtschaftlicher Nutzen war sehr gering: Um eine Tonne Mineralöl zu gewinnen, mussten 35 Tonnen Ölschiefer verschwelt werden. Bis Kriegsende wurden nur rund 1500 Tonnen minderwertiges Mineralöl gewonnen.

Bei der Arbeit am Antrag für das Europäische Kulturerbesiegel haben alle Beteiligten Neuland betreten. Historische Aufarbeitung und pädagogische Vermittlung sind Teil der Erinnerungskultur: Es gelte, die Ziele auch über Ländergrenzen in Europa hinweg zu verfolgen, sagt Sibylle Thelen, die an der "NS-Geschichte und Erinnerungskultur im deutschen Südwesten" mitgearbeitet hat. Besonders wichtig sei es, die Potenziale eines grenzübergreifenden Netzwerks von Erinnerungsstätten zu nutzen und zu fördern – in "Zeiten, in denen in manchen Mitgliedsstaaten eine Nationalgeschichte ohne Brüche beschworen wird, um sich abzugrenzen".

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Balingen

Steffen Maier

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