So sieht die Planung für den Weilstettener Lebensmittelmarkt mittlerweile aus: Das Obergeschoss kam dazu, dort könnten Wohnungen entstehen. Grundsätzlich fraglich ist allerdings weiterhin, ob das Gebäude überhaupt gebaut wird. Foto: Architekturbüro Link

Ortschaftsrat befasst sich erneut mit Lebensmittelmarkt im Zentrum Grauenstein. Zwischen Wunsch und Verzweiflung.

Balingen-Weilstetten - Erneut ihren unbedingten Willen, im Weilstettener Ortskern einen Netto-Lebensmittelmarkt anzusiedeln, haben die Ortschaftsräte am Dienstagabend formuliert. Die Interessen des Stadtteils müssten endlich Gehör finden.

Die Diskussion um den im Zentrum Grauenstein gewünschten und zum Greifen nahe scheinenden Netto-Lebensmitteldiscounter dauerte bis in den späten Abend. Deutlich wurde dabei erneut der dringende Wunsch der Weilstettener nach einem Markt – aber ebenso die Verzweiflung sowie die Unklarheit darüber, wie dieses Ziel erreichbar werden könnte.

Die Rahmenbedingungen, auf denen die Volksbank Hohenzollern-Balingen als Eigentümerin eines Teils der angedachten Baufläche in Weilstetten und Netto beharren, sind klar: Stand jetzt kommt die Weilstettener Niederlassung nur zusammen mit der Balinger Netto-Filiale.

Kommt das Thema erneut in Gemeinderat?

Der Balinger Standort an der Wilhelm-Kraut-Straße, der komplett in Volksbank-Hand ist, hatte allerdings im Mai im Gemeinderat keine Mehrheit gefunden, sodass auch der Weilstettener vom Tisch ist – vorerst zumindest, denn das Thema könnte nach sechs Monaten erneut im Gemeinderat behandelt werden. Wie das Stimmverhalten dann ausfällt? Unklar, völlig offen. Denkbar wäre, dass der eine oder andere Stadtrat nach den massiven Protesten und der Enttäuschung in Weilstetten über der Entscheidung im Mai seine Meinung überdenkt – und beide Projekte doch noch eine Mehrheit finden.

Auch um solche Gedankenspiele, Mutmaßungen und Spekulationen ist es in der Sitzung am Dienstagabend gegangen. Wobei das Weilstettener Gremium und die Volksbank derzeit, so scheint es, irgendwie weitermachen und weiterdenken, als hätte es den Gemeinderatsbeschluss im Mai gar nicht gegeben.

Das Balinger Architekturbüro Link hat im Auftrag des Geldhauses die Planungen für den Weilstettener Markt mittlerweile verändert: Diese sehen nun auf dem Gebäude des so innig gewünschten Lebensmittelmarkt ein Obergeschoss mit Wohnungen vor.

Volksbank und Supermarkt?

Sowohl die Volksbank wie auch Netto könnten sich das gut vorstellen, und auch im Gremium kam das gut an: Entstehen würde ein "ansprechendes Gebäude", sagte etwa Klaus Hahn. Genutzt werden könnte das Obergeschoss auch für andere Dinge, eine Arztpraxis etwa "würde prima passen", sagte Ortsvorsteher Wolfgang Schneider. Das Problem daran: Ein Mediziner, der in absehbarer Zeit in Weilstetten benötigt wird, sei derzeit nicht in Sicht.

Kritisch ging das Gremium hingegen mit der Volksbank ins Gericht. Ortsvorsteher Schneider zeigte Verständnis dafür, dass das Geldhaus beide Märkte realisieren will. Und interpretierte dies sogar als grundsätzliche Chance für Weilstetten: Das bringe nämlich eine Standortgarantie von mindestens 15 Jahren mit sich.

"Stadtverwaltung in der Pflicht, zu liefern"

Klaus Hahn und Peter Single dagegen hinterfragten, warum es auf Teufel komm’ raus beide Standorte sein müssten – und wieso nicht der Weilstettener auch ohne den Balinger gebaut werden könne. Das Beharren auf beiden Märkten sei nicht nachvollziehbar. Er sei sicher, sagte Hahn, dass der Lebensmittelmarkt im Zentrum Grauenstein angesichts der Größe Weilstettens auch alleine rentabel sei. Statt auf beiden Standorten zu bestehen, solle die Volksbank den Gemeinderatsbeschluss – Nein zum Balinger Standort, unbedingtes Ja zu Weilstetten – akzeptieren und für das Grundstück Wilhelm-Kraut-Straße eine andere Nutzung überlegen.

Die Debatte mündete in einen Beschluss: Jeweils einstimmig forderte der Ortschaftsrat die "umgehende Errichtung eines Lebensmittelmarkts" im Zentrum Grauenstein. Dafür sollen die Stadtverwaltung und der Gemeinderat die Voraussetzungen schaffen. Gerade die Stadtverwaltung seien in der Pflicht, so Peter Single, "für Weilstetten zu liefern" – und er ergänzte, dass er sich derzeit vom Gemeinderat verlassen fühle.

Ortsvorsteher Schneider betonte, die Weilstettener warteten seit 25 Jahren auf einen Lebensmittelmarkt – dieser dringende Wunsch müsse Wirklichkeit werden. Oft hätten, so Schneider weiter, die Interessen des Stadtteils hinter denen der Kernstadt zurückstehen müssen – dieses eine Mal aber müsse es andersherum sein.