Zu Gast bei Schwaben: Kaya Yanar nimmt das Publikum während seinem Auftritt in der Balinger Stadthalle auf eine wilde Riese durch die Kulturen mit. Foto: Ligresti

Komiker sorgt in Balingen mit seinem multikulturellen Humor für viele Lacher.

Balingen - Mit seinem Programm "Planet Deutschland" ist der deutsch-türkische Comedian Kaya Yanar am Freitagabend zu Gast in Balingen gewesen. Mit seinem unverwechselbaren Humor nahm Yanar verschiedene Kulturen und deren Eigenheiten aufs Korn ­– und biss sich am Ende auch noch an der schwäbischen Sprache die Zähne aus.

Die Vorfreude bei den Gästen in der Stadthalle war deutlich spürbar. Bereits 20 Minuten vor Beginn der Show musste man den Blick schon zweimal über die Reihen schweifen lassen, um leere Plätze zu finden. Seit vielen Jahren zählt der in Frankfurt am Main geborene Komiker Kaya Yanar zu den erfolgreichsten und beliebtesten Comedians Deutschlands. Während er in seinen bisherigen Programmen hauptsächlich mit Geschichten und Impressionen unterschiedlicher Kulturen überzeugte, dreht sich seine aktuelle Tour um seinen "Heimatplaneten" Deutschland.

Unterstützt von dem im Hintergrund hängenden Reichsadler ­– der jedoch mit dem Kopf des Comedians selbst und einem roten Herzen ausgestattet war –, brachte Yanar das Balinger Publikum ein ums andere Mal zum ausrasten. Zu Beginn der Show betrat zunächst Yanars Alter Ego "Hakan" die Bühne, um das Publikum über einige "Sicherheitsvorschriften" aufzuklären. Der Künstler hatte mit seinem ersten Witz, dass es sich bei der Nebelmaschine eigentlich um zwei kiffende Studenten handle, die Zuschauer von Anfang an in seinen Bann gezogen. So war also alles hergerichtet für den Beginn seines Programms, das aus einer Auswahl von türkischer und deutscher Volks- sowie moderner Technomusik eingeläutet wurde.

Tipp für alle Migranten: "Wander aus – dann wirst du Deutscher!"

Inhaltlich stieg Kaya mit Erzählungen aus seinem "neuen Leben" in der Schweiz ein. Seit er mit seiner Freundin in Zürich zusammengezogen ist, sei er auf einmal der Deutsche – und nicht mehr der Türke. Seine Devise also für alle Migranten, die sich in Deutschland nicht integriert fühlen: "Wander aus, dann wirst du Deutscher." Besonderes Augenmerk legte er bei seinen Vergleichen der Kulturen auf die Verkehrsregeln: "Tempolimit von 120 in der Schweiz? So parken wir hier in Deutschland doch rückwärts ein!"

Originell und schlagfertig arbeitete sich Yanar durch zahlreiche deutsche Klischees und Eigenarten und verglich sie mit denen der Schweizer, Türken und anderen Kulturen. Egal ob Mafiafilme auf Sächsisch, Bushido beim Eurovision Song Contest oder Bollywood-Tanzeinlagen beim Yoga-Unterricht – jeder erdenkliche Bereich des täglichen Lebens wurde von dem 44-Jährigen unter nicht enden wollendem Gelächter des Publikums abgedeckt. Und auch vor ernsteren Themen, wie der Verschleierung von Frauen und dem umstrittenen US-Präsident Donald Trump, schreckte Yanar nicht zurück.

Nach dem Ende des Programms wartete auf die Balinger Zuschauer noch ein ganz besonderer Leckerbissen: In der ersten Hälfte hatte Kaya das Publikum aufgefordert, ihm auf seinen Facebook-Kanal typisch schwäbische Worte und Redewendungen zu schreiben, anhand derer er den besonderen Dialekt würde erlernen können.

Als Zugabe durfte sich die Stadthalle dann darüber amüsieren, wie der Comedian "Gsälz", "Muggaseggele" und vieles mehr auszusprechen und zu übersetzen versuchte. Für viele Zuschauer war diese Schwäbisch-Stunde das i-Tüpfelchen auf dem gelungenen Abend.