Bei der Physiotherapeuten-Prüfung 2013 ist an der Plettenbergschule gemauschelt worden.(Archivfoto) Foto: Schnurr

Balinger Plettenberschule und Klägerin schließen vor Gericht Vergleich: "Null auf Null" nach Prüfungsbetrug.

Balingen - Mit einem Vergleich endete das zivilrechtliche Nachspiel um die Physiotherapeuten-Prüfung 2013 an der Plettenbergschule in Balingen.Das Regierungspräsidium Tübingen (RP) hatte die Prüfung aufgehoben. Es sah als erwiesen an, dass den Schülern die Fragen und die richtigen Antworten zuvor bekannt gewesen waren.

Amtsrichterin Veronika Kraft fand gestern deutliche Worte gegenüber Benjamin Haenle, dem Geschäftsführer der Plettenbergschule Bildungsgesellschaft gGmbH. Zahlreiche ehemalige Schüler waren zu den Vorwürfen nochmals vernommen worden und hatten die Version vom Prüfungsbetrug durch die Schulleiterin offensichtlich bestätigt. "Nach Aktenlage kann man davon ausgehen, dass der Vorwurf, den die Klägerin erhebt, zutrifft. Da ist einiges schiefgelaufen in Ihrem Haus, und das bringt eine gewisse Verantwortung mit sich", ermahnte sie Haenle. Kraft führte weiter aus, dass, sollte es nicht vorher zu einem Vergleich kommen, die Schüler alle noch einmal gehört werden würden.

Geklagt hatte eine ehemalige, mittlerweile 34-jährige Schülerin, die seinerzeit die fragwürdigen Methoden bei den Vorbereitungen zur Physiotherapeutenprüfung auffliegen ließ. Sie hatte sich ans Regierungspräsidium gewandt, Akten und E-Mails mit der Betreffzeile "Top-Secret" vorgelegt, die damals in Schülerkreisen kursierten und die Fragen und Antworten enthielten. Ihr Vorwurf: Inhaberin und Schulleiterin Birgit Schultheiß selbst habe im Vorbereitungsunterricht den Schülern die richtigen Antworten mitgeteilt.

Das Regierungspräsidium Tübingen hatte daraufhin die schriftliche Prüfung von 46 angehenden Physiotherapeuten für ungültig erklärt und die mündliche Prüfung abgesagt. Später wurde eine neue Prüfung anberaumt, unter neuen Bedingungen und unter Umgehung der Schulleitung. An dieser Prüfung nahm die 34-Jährige, die den Schwindel hatte auffliegen lassen, nicht mehr teil.

"Dort ihre Ausbildung zu beenden war für meine Mandantin unzumutbar. Das Vertrauensverhältnis war zerstört, und sie hätte auf keine objektive Bewertung ihrer Leistungen mehr hoffen können", hatte ihr Konstanzer Anwalt beim ersten Termin vor dem Amtsgericht Balingen vor mehr als einem Jahr argumentiert. Seine Mandantin forderte von der Plettenbergschule, der einzigen Ausbildungsstätte für Physiotherapeuten im Zollernalbkreis, Schadenersatz und die Rückzahlung der 700 Euro Prüfungsgebühren. Auch das Schulgeld für sechs Monate an einer anderen Schule, an der sie die Ausbildung zu beenden versuchte, wollte sie von der Plettenbergschule wieder haben.

Strittig zwischen der 34-Jährigen und der Plettenbergschule war auch, ob die Schülerin seinerzeit ein Stipendium hatte und in Balingen hätte Schulgeld zahlen müssen. Während Haenle und sein Anwalt Gerhard Mörschel die nicht eingegangenen Zahlungen mit einer "Stundung des Schulgelds" erklärten und dies im Rahmen des Prozesses in voller Höhe geltend machten , behauptete die 34-Jährige, einen Stipendiumsvertrag unterschrieben, davon aber nie eine Kopie bekommen zu haben.

Die Plettenbergschule und die Klägerin einigten sich im Vergleich darauf, die Forderungen gegeneinander Null auf Null aufzurechnen. Damit sind alle Ansprüche aus dem Ausbildungsverhältnis für beide Seiten erledigt.

Beim RP, das die Schulaufsicht über Privatschulen wie die Plettenbergschule hat, waren nicht nur Ermittlungen wegen des Prüfungsbetrugs geführt worden. Auch wegen der Kooperation mit der Europäischen Akademie in Chur in der Schweiz ist die Plettenbergschule aktenkundig. Denn in Chur hatte man 15 Schülern via Plettenbergschule und Prüfung vor dem Regierungspräsidium den Abschluss zum deutschen Physiotherapeuten versprochen und Schulgeld von ihnen kassiert. Zu Unrecht.

Schweizer Schülern, die sich über die Abzocke beim RP in Tübingen beklagten, konnte die Behörde nicht weiterhelfen. Und darüber, ob und welche Maßnahmen das Regierungspräsidium nach Abschluss seiner Ermittlungen gegen die Plettenbergschule und ihre Schulleiterin eingeleitet hat, wollte man nichts sagen: "Schulaufsichtliche Maßnahmen sind nichtöffentlich", beschied Pressesprecher Steffen Fink.

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