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Balingen Im Digitalen längst abgehängt – aber industriell weiterhin stark

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Weltpolitik in Balingen auf den Punkt gebracht hat Nicole Hoffmeister-Kraut (links. Die Wirtschaftsministerin referierte auf Einladung der Lionsclubs. Präsidentin Simone Mehrer (Mitte) und ihre Vize Uta Münch bedankten sich im Namen beider Clubs. Foto: Thiercy Foto: Schwarzwälder Bote

Balingen. "Das globale Herz der Automobilindustrie schlägt in Baden-Württemberg": Das hat Nicole Hoffmeister-Kraut nun beim Vortrag bei den Balinger Lions gesagt. Eine Garantie für die Zukunft sei das noch nicht, es gelte, jetzt die Weichen zu stellen, damit das Ländle weiter Wachstumschancen habe.Unprätentiös und entspannt trat die CDU-Wirtschaftsministerin auf. Die Balingerin genoss das Treffen mit vielen langjährigen Weggefährten sichtlich. Eingeladen zum Vortrag hatten die beiden Clubpräsidenten, Simone Mehrer und Joachim Calmbach. "Das Auto wird zum zweiten Mal erfunden", so die Überschrift des Vortrags. Dabei hatte die Ministerin auch jede Menge brandaktuelle Infos aus dem landespolitischen Nähkästchen mitgebracht. Und aus China.

Hoffmeister-Kraut ist quasi erst wieder im Ländle gelandet nach der Delegationsreise ins Reich der Mitte. Die Handelszölle ("Das ist ein Tabubruch von Trump") machen auch vielen chinesischen Mittelständlern zu schaffen. Das Wachstum schwäche sich ab. Aber: Die chinesische Regierung habe ein Milliardenpaket an staatlicher Förderung für den Aufbruch ins digitale Zeitalter ausgeschüttet. "Die Chinesen haben die WeChat-App auf dem Handy", berichtet die Ministerin. Damit werde bezahlt, damit würden Termine beim Arzt vereinbart oder der Tisch im Restaurant gebucht. Praktisch für den Nutzer – umgekehrt habe die App die Kontrolle über eine Milliarde Anwender. "Wir sind in Sachen Google und Amazon längst abgehängt", meinte Hoffmeister-Kraut. Aufholen könne man in diesem Bereich im Ländle nicht mehr, sagt sie realistisch. Aber es gelte, finanzielle Mittel für die Unternehmen zur Verfügung zu stellen, um die hiesigen Kernkompetenzen zu stärken.

Baden-Württemberg sei noch immer ein starkes Industrieland, zu dem China aufblicke. Anders als dort gebe es im Ländle keine großen Metropolen. Viele weltweit agierenden Firmen versteckten sich in kleinen Orten. Von dort aus gehe die Digitalisierung hinaus, wenngleich die Ministerin auch einräumen musste, dass es mit dem Breitbandausbau so einfach nicht sei. Wolle man zum Beispiel Albstadt flächendeckend verkabeln, würde dies 80 Millionen Euro kosten. Die Alternative wären Mobilfunkmasten. Aber da sei es wie mit der Windkraft: "Jeder will das, aber keiner will einen Mast bei sich."

Ideen hat die Balingerin. Den Soli abschaffen zum Beispiel, und die Gelder in die Zukunftsförderung stecken. Die sieht sie zum Beispiel in der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Das Land unterstütze die Unternehmen bereits: "Hier sind wir an führender Position unterwegs." Die Welt sortiere sich gerade neu. Auch in Sachen Auto: "Mir ist nicht bang, dass Baden-Württemberg den elektrischen Antrieb erfolgreich auf den Markt bringt." Die Bauwirtschaft boome, dem Handwerk gehe es gut.

Aber in einem Bundesland, in dem jeder dritte Job vom Export abhänge, berge die Welt auch Risiken – Stichwort Brexit. Den 29. März hat Hoffmeister-Kraut sich freigehalten: "Ich glaube aber nicht, dass dieses Datum gehalten werden kann."

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