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Balingen/Horb Nazi-Bilder auf Facebook gepostet: Geldstrafe

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Nicht zum ersten Mal hat sich ein Mann vor Gericht verantworten müssen – diesmal wegen Nazi-Symbolen. Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Balingen/Horb - Das Balinger Amtsgericht hat einen 39-jährigen Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte im Frühjahr 2017 dreimal Nazifahnen, Hitlerbilder und Hakenkreuze auf seiner öffentlich zugänglichen Facebook-Seite gepostet.

Ein Foto von Adolf Hitler in Uniform, darunter die Titelseite von "Mein Kampf". So hatte ein heute 39-Jähriger seine Facebook-Seite bebildert. Er wurde angezeigt und musste sich am Donnerstag vor dem Balinger Amtsgericht wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten. In der Verhandlung konnte der Angeklagte, der in Horb wohnt, jedoch glaubhaft machen, dass er keine rechtsradikale Gesinnung hat. Vielmehr habe er die Bilder im Rausch eingestellt. In dieser Zeit habe er mehrmals wöchentlich zwischen zwei und drei Flaschen Wodka getrunken.

Von Anfang an schwieriges Leben

Der Mann hatte ein schwieriges Leben. Als Sohn eines prügelnden Alkoholikers aufgewachsen, wurde bei ihm in der Schule eine Lese- und Rechtschreibschwäche diagnostiziert. Die Schule beendete er mit einem Förderabschluss. Eine Kochlehre musste er wegen eines Nasen- und Rachenkrebses abbrechen.

Es folgten Krankenhaus- und Kuraufenthalte, irgendwann begann er zu trinken. Unzählige Mal war er in Kliniken zum Entzug, immer wieder wurde er rückfällig. Seine Tat begründete er mit seiner Sucht. "Ich wusste nicht mehr, was ich tat. Mit dem nationalsozialistischen Stuss habe ich mir ein Eigentor geschossen", zeigte er sich reuig.

Überhaupt wiederholte er während der ganzen Verhandlung immer wieder glaubhaft, wie leid es ihm tue, dass er so etwas nie wieder machen würde, und dass er ein neues Leben begonnen habe. Seit einem halben Jahr habe er eine Anstellung als Koch, mit seiner Freundin wolle er zusammenziehen.

Hotelgäste informierten die Polizei

Zur Anzeige kamen seine Nazibilder, weil er sich in seinem Facebook-Profil als Koch in einem bekannten Tuttlinger Hotel ausgegeben hatte. Tatsächlich absolvierte er lediglich während seiner Ausbildung dort vor Jahren ein zweiwöchiges Praktikum. Gäste und Angestellte des Hotels waren auf seine Facebook-Seite aufmerksam geworden und wollten verständlicherweise nicht mit der Nazi-Symbolik in Verbindung gebracht werden. Deshalb wurde die Polizei informiert.

In der Gerichtsverhandlung analysierte ein psychiatrischer Gutachter nun den Angeklagten. Neben dessen Alkoholsucht, die der Mann wohl seit seiner letzten Entziehungskur im September vergangenen Jahres überwunden hat, attestierte er ihm narzisstische Züge. Er fühle sich gedemütigt und unterdrückt, schlecht behandelt. Deswegen neige er dazu, sich durch unwahre Geschichten in ein besseres Licht zu stellen. Auch in der Verhandlung behauptete er, sechs Fremdsprachen zu beherrschen, fließend Türkisch sprechen und schreiben zu können.

Der Angeklagte, der mehrfach vorbestraft ist, unter anderem wegen Diebstahls, versuchtem Betrug und Körperverletzung, flehte das Gericht an: "Bitte lassen Sie mich in Freiheit." Letztendlich schloss sich die Richterin den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung an und verurteilte den Mann zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten.

Zudem muss der Mann, der monatlich 800 Euro netto verdient, 750 Euro an den Balinger Verein "Huckleberry & Pippilotta" zahlen, der sich um Kinder, Jugendliche und Eltern aus suchtbelasteten Familien kümmert. "Das ist sehr gut", kommentierte dies der 39-Jährige in Hinblick auf seine eigene Kindheit.

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