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Dotternhausen Hoffnung: Verhandlungen lenken Plettenberg-Streit in friedliche Bahn

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Die Abbaufläche auf dem Plettenberg: Um die Erweiterung gibt es Streit. Dieser könnte nun mit dem Dialogverfahren gelöst werden. Foto: Visel Foto: Schwarzwälder-Bote

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Dotternhausen (mai). Rund 60 Dotternhausener haben am Samstag in der Festhalle am zweiten Teil des Dialogverfahrens teilgenommen, mit dem der in der Öffentlichkeit mitunter heftig ausgetragene Streit innerhalb der Gemeinde um den Kalksteinabbau auf dem Plettenberg in friedliche Bahnen gelenkt werden sollte.

Deutlich wurde, dass wohl alle dieses Verfahren akzeptiert haben. So sagte Günter Schäfer, Vertreter der Bürgerinitiative für den verträglichen Kalksteinabbau, anerkennend, dass die von Holcim beauftragten Mediatoren "ihre Arbeit sehr gut gemacht" hätten. Bis die "tiefen Wunden" in der Gemeinde geschlossen seien, müssten aber noch viele Gespräche geführt werden – genau diese könnten nun folgen. Die heftigste Kritik musste sich – in Abwesenheit – am Samstag das Landratsamt gefallen lassen: Es sei enttäuschend, dass kein Vertreter gekommen sei, um die auch an diese Behörde gerichteten Fragen persönlich zu beantworten.

Roland Fritz und Piet Sellke als Vertreter des von Holcim mit dem Dialogverfahren beauftragten Unternehmens Adribo werteten die Veranstaltung als Erfolg: Erstes Zielsei gewesen, die Akteure ins Gespräch zu bringen – das sei gelungen. Ebenso habe man durch die Antworten, die am Samstag auf zahlreiche Fragen zu Holcim und zum Kalksteinabbau geliefert wurden, eine "gemeinsame Faktenbasis" geschaffen, auf deren Grundlage nun weiterdiskutiert werden könne.

Beantwortet wurden am Samstag in der Festhalle zahlreiche Fragen rund um den Kalksteinabbau auf dem Plettenberg, die bei der ersten Dialogveranstaltung im Juli formuliert worden waren. So machte Hermann Nordsieck vom Umweltinstitut Bifa deutlich, dass die Standards und die Grenzwerte für die Reinigung der Emmissionen des Zementwerks im Vergleich zu Müllverbrennungsanlagen grundsätzlich gleich seien, aufgrund der Art des Betriebs allerdings Unterschiede bestünden: Zwar würden im Zementwerk auch "Ersatzbrennstoffe" verbrannt, jedoch unter ganz anderen Bedingungen – und dieser "Abfall" werde nicht einfach verbrannt, sondern sei wiederum Teil des Produktionsprozesses. Gerald Massini von Holcim erklärte, das Werk sei filtertechnisch auf dem neuesten Stand der Technik: Die Emmissionen würden mittels einer sogenannten SNCR-Anlage gereinigt. Die von der Bürgerinitiative regelmäßig als angeblich bessere Alternative vorgebrachte SCR-Anlage sei zwar grundsätzlich ebenso möglich, hätte aufgrund der speziellen Gegebenheiten im Werk allerdings eine deutliche Mehrbelastung mit Schadstoffen für Dotternhausen zur Folge. Massini: "Beide Techniken sind zulässig – für Dotternhausen ist SNCR die beste."

Die Grenzwerte der Immissionen, das sagten Andrea Bär und Ute Maier vom Regierungspräsidium Tübingen, würden regelmäßig überprüft. Es gebe ständige Messeinrichtungen, dazu sei Holcim als Betreiber der Anlage verpflichtet. Überschreitungen der Grenzwerte müsse das Unternehmen umgehend melden. Darauf wies auch Markus Knobelspieß hin, der Umweltbeauftragte von Holcim in Dotternhausen. Mit Blick auf die Emmissionen und damit die Frage, wie stark die Emmissionen den Boden rund um das Werk und in der Rehgion belasten, werde ein Monitoring vorbereitet, sagte RP-Vertreterin Maier.

Sorgen bereitet – vor allem den Ost-Anliegern des Plettenbergs in Ratshausen und Hausen am Tann – das Thema Hochwasserschutz. Durch den Abbau werden Flächen versiegelt, das Wasser sucht sich oft seinen Weg. Andreas Junginger, Leiter Gewinnungsbetriebe von Holcim, sagte dazu, dass sich durch den Abbau die Gefahr eines Hochwassers nicht erhöhe. Auch würden die Trinkwasserquellen nicht negativ beeinträchtigt.

Zum Thema Sprenglärm sagte Junginger, dass es durch die geplante Erweiterung der Abbaufläche keine Verschlechterungen geben werde; Messergebnisse zeigten, dass der Lärm der Explosionen deutlich unterhalb des zulässigen Grenzwerts liege. Allerdings meinen viele Bewohner insbesondere von Hausen am Tann, dass die Situation heute schon recht schlecht sei: Die regelmäßigen Sprengungen – in der Regel zwei pro Woche – seien deutlich zu hören.

Bürgermeister Heiko Lebherz schilderte ein persönliches Erlebnis, als er unlängst eine Jubilarin zum Geburtstag besucht habe: Plötzlich habe es so laut gedonnert und in der Folge gewackelt, dass die Gäser im Schrank geklirrt hätten und die ältere Dame überzeugt gewesen sei, dass sich ein Erdbeben ereignet habe. Auch diesbezüglich trug das Dialogverfahren Früchte: Holcim-Werksleiter Dieter Schillo und Bürgermeister Lebherz verabredeten sich zu Gesprächen.

Die Dotternhausener Bürgermeisterin Monique Adrian sagte zu den Befürchtungen, Häuser und Grundstücke in Dotternhausen würden wegen des Abbaus und der Immissionen des Zementwerks an Wert verlieren, dass aufgrund aktueller Daten gerade das Gegenteil zutreffe: Bauland in der Gemeinde sei stark nachgefragt, die Preise dafür entwickelten sich nach oben, Häuser wechselten zu "Höchstpreisen" den Eigentümer.

  Das Dialogverfahren ist mit der zweiten Veranstaltung in der Festhalle vorerst beendet. Abschließend wird, wie Roland Fritz und Piet Sellke sagten, "schnellstmöglich" das Abschlussdokument mit den Antworten auf alle Fragen rund ums Zementwerk und den Kalksteinabbau erstellt. Dieses werde in einigen Tagen online unter www.dot ternhausen.adribo.de verfügbar sein.

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