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Balingen Historikerin empört über Murschel-Hexen

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Die Maske der Murschel-Hexen – Ingrid Helber findet sie ausgesprochen hässlich. Foto: Verein

Balingen - "Das darf doch wohl nicht wahr sein": Über die Gründung der neuen Fasnets-Gruppe der Murschel-Hexen in Engstlatt ist die Balinger Historikerin Ingrid Helber empört. Insbesondere sieht sie den Namen von Anna Murschel posthum entehrt, wie sie gegenüber unserer Zeitung deutlich macht.

Die neue Hexengruppe hat sich unlängst neu zusammengefunden (wir berichteten). Helber meint dazu, dass der Verein mit "aufgesetztem schwäbisch-alemannischem 'Touch'" gegründet worden sei – unter Verwendung eines Personennamens und ohne jegliche Recherche, beispielsweise anhand des Aufsatzes der Hexenforscherin Anna Raith, der im Buch "750 Jahre Stadt Balingen" nachzulesen sei. Die Hexen-Fasnet an sich werde von Historikern generell kritisch betrachtet, so Helber, da sich die Gruppen und Vereine auf der Grundlage eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte amüsieren. "Doch der neue Engstlatter Verein schlägt hier dem Fass den Boden aus", schreibt Helber: Was dort geschehe, sei "pietätlos und makaber".

Mit einer "ausgesprochen hässlichen Maske", so Helber weiter, verbinde der Verein den Namen einer Frau, die von ihren Mitbürgern denunziert, eingesperrt und gefoltert worden sei. Da gehe der Fasnetsspaß zu Lasten von Anna Murschel, der ehrbaren Witwe des verstorbenen Balinger Bürgermeisters (heute Stadtkämmerer), die in den Jahren 1598 bis 1600 um ihr Leben kämpfen musste. Sohn und Schwiegersohn, beide Pfarrer, organisierten damals den Rechtsbeistand. Zwar sei im evangelischen Württemberg die Hexenverfolgung vom Landesherrn betont niedergehalten worden, doch habe sich die Bevölkerung wie in Balingen von der allgemeinen Stimmung aufhetzen lassen. Immerhin führte in Württemberg etwa ein Drittel der Prozesse zur Verurteilung und Vollstreckung der Todesstrafe. Das alles sei kein Spaß gewesen, so Helber, insbesondere kein Fasnetsspaß.

Wer wissen wolle, wie Anna Murschel wirklich ausgesehen habe, der solle einmal in den Chor der Stadtkirche gehen und sich das von Simon Schweizer geschaffene Denkmal der Familie anschauen. Anna Murschel befinde sich dort seit mehr als 400 Jahren im Schutze der Kirche. Der Schutz in Engstlatt, wohin sich die geschändete Frau nach der Freisprechung zu einem ihrer Söhne begeben hatte, sei ihr durch die Gründung der neuen Engstlatter Gruppe posthum genommen worden, meint Helber. Nun werde ihr Name "verunglimpft". Die ehrbare Familie Murschel habe zahlreiche bedeutende Männer hervorgebracht wie beispielsweise den verstorbenen Balinger Stadtchronisten Eugen Gröner.

Seit Jahren kämpfe sie als Historikerin für ein Gedenkzeichen für die vielen unschuldig der Hexerei Angeklagten in Balingen, sagt Helber. Spätestens seit der Aufklärung wisse man, dass es keine Hexen gegeben habe. In Balingen habe sie bereits ein Denkmal für die vielen unschuldig Verfolgten gefordert, zum Beispiel bei der Neuanlage des Mühltorplatzes.

 
 

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Steffen Maier

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