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Balingen Heinzlenstraße: Fronten weiter verhärtet

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Anstoß der Debatte: Dieser Plan lag auf dem Tisch im Gasthof Lang, er zeigt die Gartenschau-Planungen nahe dem Zollernschloss (rechts). Darüber diskutierten die Anlieger der Heinzlenstraße mit Vertretern des Bauamts. Foto: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

An einem Tisch, aber weit voneinander entfernt: Über die Gartenschauplanungen und deren Konsequenzen im Bereich Heinzlenstraße/Roßnägele haben sich am Donnerstag Anlieger und Vertreter des Balinger Bauamts ausgetauscht. Die Fronten sind weiter verhärtet.

Balingen. Gegenüber standen sich dabei von Seiten der Anlieger Margarete Lang-Murmann, Inhaberin des Gasthofs, Veit Jochen Helber-Runge, Inhaber der Physiotherapiepraxis, Anneliese Bussmann, Eigentümerin einer Wohnung an der Heinzlenstraße 1, sowie Sigrid Kuhnle, Mutter von Amarill und Isabell Kuhnle, die eine Praxis für naturheilkundliche Medizin betreiben. Von Seiten der Stadt nahmen der Baudezernent Michael Wagner sowie die Stadtplanerin Annette Stiehle teil, eine der beiden Geschäftsführerinnen des Eigenbetriebs Gartenschau.

"Planung von oben herab"

Das Grünprojekt ist der Auslöser des Ärgers der Anlieger, die sich so einfach nicht beschwichtigen lassen: Vorgesehen sind in der Heinzlenstraße, wie mehrfach berichtet, der Abriss der auch für Autos und Lastwagen befahrbaren Brücke und der Neubau eines Fußgänger- und Radfahrerstegs über die Eyach, zudem der sogenannte ›Stadtbalkon" auf der derzeit als Parkplatz genutzten, geschotterten Fläche direkt angrenzend an die Brücke.

Auf der gegenüberliegenden Eyach-Seite soll ein Uferweg angelegt werden, außerdem sogenannte "Wassergärten", die die Besucher im Gartenschaujahr und die Balinger auf lange Sicht erfreuen sollen. Schlussendlich ist auf einem Teil des Freibadparkplatzes der Bau des neuen Stadtarchivs vorgesehen, samt kleinem Vorplatz.

Die Debatte um die Vorhaben an der Heinzlenstraße kann man als Paradebeispiel einer Diskussion sehen, wie sie landauf, landab immer wieder aufflammt: Es geht um Veränderungen, die Bürger mehr oder weniger unvorbereitet unmittelbar betreffen, es geht um Stadtplanung, die angeblich aus dem Rathaus "von oben herab" an den Bürgern vorbei betrieben wird.

Die Anlieger der Heinzlen­straße stören sich vor allem daran, dass die Brücke künftig nicht mehr für Autos befahrbar ist und dass durch die Anlage des Stadtbalkons und den Bau des Archivs Parkplätze wegfallen – Plätze, die für den Gasthof und die Praxen dringend benötigt würden: Man schneide ihr durch den Wegfall der Autobrücke eine "Lebensader" ab, sagte Lang-Murmann. Helber-Runge verwies darauf, dass seine Patienten auf praxisnahe Parkplätze angewiesen seien. Die Gastronomin und der Physiotherapeut meldeten zudem Zweifel daran an, dass Lastwagen in der künftigen Sackgasse wenden können.

Keine Beschwichtigung brachte der Umstand, dass die Parkplätze entlang der Heinzlenstraße nun doch, anders als ursprünglich geplant, erhalten bleiben (wir berichteten); ebensowenig wie der Vorschlag Wagners, vor dem "Lang" an der Wilhelm-Kraut-Straße wieder Stellplätze auszuweisen: Das sei nicht genug, die Plätze auf dem Freibadparkplatz, wo das Archiv gebaut wird, fehlten dennoch und seien eben nicht mehr direkt anfahrbar. Dass die Brücke künftig nicht mehr für Autos befahrbar sei, sei schlicht "Unsinn", hieß es. Und der neue Stadtbalkon gegenüber dem Zollernschloss werde wohl zum Treff für Jugendliche – damit seien Lärm, Vermüllung und Ärger garantiert. Überhaupt, so Helber-Runge: Dieser ganze Umbau "nur für ein Jahr", das Jahr der Gartenschau, für deren Besucher – das sei doch "Wahnsinn".

Wagner und Stiehle versuchten vergeblich, diese Bedenken zu beschwichtigen und Sichtweisen zu widerlegen. Sie verwiesen auf das große Ganze, dass die Planung nicht nur im Jahr der Gartenschau, sondern darüberhinaus für alle Balinger auf lange Sicht einen großen Mehrwert bedeuteten.

Der Abriss der bestehenden Brücke und der Bau des neuen Stegs sei notwendig, um den Eyach-Uferweg darunterdurch führen zu können – das sei mit der jetzigen Brücke nicht machbar. Zudem wolle man den Bereich rund um den Zusammenfluss von Eyach und Steinach bewusst "verkehrsberuhigen" und dadurch die Aufenthaltsqualität dort auf Dauer steigern. Den Stadtbalkon könne man auch nicht näher an die Steinach verlegen und so dort einige Parkplätze erhalten, weil das mit geltendem Recht nicht vereinbar sei – Stichwort: Gewässerrandstreifen.

Es geht auch um Gefühle

Parkplätze, so Wagner und Stiehle, gebe es auch künftig in der und rund um die Heinzlenstraße genügend, etwa auf dem Freibadparkplatz: Aktuell seien es 130, durch das Archiv fielen etwa zehn weg – und in der Balinger City und damit in der Nähe gebe es weitere rund 3600 kostenlose Stellplätze. Auf den Hinweis von Bussmann und Helber-Runge, dass sie für das Gebäude Parkplätze ablösen mussten, sagte Wagner, dass diese Ablösungen keinen Rechtsanspruch auf Plätze direkt vor dem Haus bedeuteten.

Bedenken, dass Lastwagen und damit der Anlieferverkehr für das "Lang" oder auch Müllautos in der künftigen Sackgasse Heinzlenstraße nicht mehr wenden könnten, wies Stiehle zurück: Das könne über einen Teil des Stadtbalkons erfolgen, man habe dies genau errechnet. Und auch die Sorge, dass die Feuerwehr künftig nicht mehr durch die Heinzlenstraße direkt ins Roßnägele fahren könne, teilten Stiehle und Wagner nicht: Man habe die Wehr dazu angehört, Bedenken seien nicht geäußert worden – die Floriansjünger würden eben über die Eckenfelderstraße anfahren.

Aber wie das bisweilen so ist in Diskussionen: Argumente zählen nicht, oft geht es auch um Gefühle. Und die Heinzlenstraßen-Anlieger meinen, massiv benachteiligt zu werden. Daran hat sich wenig geändert nach diesem Gespräch – das nach rund einer Stunde dann auch recht abrupt zu Ende ging. Als Helber-Runge konstatierte, das Balinger Bauamt sei "geistig wenig flexibel", sagten der Baudezernent und die Stadtplanerin ganz schnell Adieu.

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