Balinger Journalist und Buchautor meint in Berichten über Norwegen-Massaker Ungereimtheiten entdeckt zu haben

Von Gert Ungureanu

Balingen. "Ich glaube, dies ist der letzte Eintrag, den ich schreibe. Es ist jetzt Freitag, der 22. Juli, 12.51 Uhr." Es ist der letzte Facebook-Eintrag von Anders Behring Breivik. Zwei Stunden später explodiert die Bombe im Regierungsviertel von Oslo, kurz nach 17 Uhr beginnt das Massaker auf der Ferieninsel Utöya. Einige Stunden später sind 76 Menschen tot. Die meisten von ihnen sind Jugendliche. Die Welt steht unter Schock.

Der Balinger Journalist und Buchautor Guido Grandt ("Logenmord Jörg Haider", "11.3. – Amoklauf von Winnenden Hintergründe, Widersprüche und Vertuschungen") will nicht glauben, dass es sich um einen geisteskranken Einzeltäter handelt und hat Nachforschungen angestellt für eine neue Enthüllungs-Doku. Das Massaker sei von langer Hand geplant, ist er überzeugt. Er meint darin Verbindungen zur Freimaurerei zu erkennen, deren Vermächtnis auf die Tempelritter zurückzuführen sei. Ein Bild im Manifest von Breivik zeige ihn mit dem Freimaurer-Schurz und den Insignien der Logenbrüder. "Meiner Meinung nach müsste geprüft werden, zu wecher Loge er gehört", sagt Grandt.

Eine Verschwörungstheorie? Grandt verweist aufs 1516 Seiten starke Manifest, das der Massenmörder in lupenreinem Englisch verfasst hat. Darin werden die Tempelritter erwähnt: "ein souveräner militärischer Orden mit Zellen in ganz Europa", der sich übrigens vom Anschlag distanziert habe.

Breivik sei unter dem Codenamen Sigurd Jorsalfar – der Name eines norwegischen Königs aus dem 12. Jahrhundert – Mitglied in einem Geheimbund, der 2002 von einem Norweger, zwei Engländern, einem Franzosen, einem Deutschen, einem Holländer, einem Griechen, einem Russen und einem Serben in London gegründet worden sei.

Die Uniform, in der Breivik in der Öffentlichkeit aussagen wollte, sei keineswegs eine "Fantasieuniform", sondern die Uniform jenes Ordens. "Jeder Orden hat eine Bedeutung, die er ja auch erläutert", sagt Grandt. Der Schädel mit dem Märtyrerkreuz weise die Symbole von Islam (Halbmond), Kommunismus (Hammer und Sichel) sowie Faschismus (Hakenkreuz) auf.

Schlussfolgerung von Grandt: "Die Behauptung, Breivik sei rechtsextrem, sollte hinterfragt werden. Der Anschlag galt nicht dem Kommunismus, sondern allen Ideologien." Brejvik spreche sich auch in seinem Manifest gegen Islam, Multikulturalismus und Nazismus aus.

Einen Beweis für die Verschwörungstheorie meint Grandt darin zu erkennen, dass Breivik bis 18.27 Uhr für seine blutige Tat Zeit hatte. "Anderthalb Stunden hat es gedauert, bis die Polizei vor Ort war", sagt Grandt. Das Argument, dass kein Hubschrauber zur Verfügung gewesen sei, akzeptiert er nicht: "Journalistenkollegen haben den Killer bei der Arbeit fotografiert, von einem Hubschrauber aus."

Warum habe die Polizei gezögert und wertvolle Zeit verloren?, fragt Grandt. Auffallend erscheint ihm, dass die norwegische Regierung zwei Tage vor dem Attentat erklärt habe, Norwegen wolle Palästina als eigenen Staat anerkennen. "Da ist hohe Politik im Spiel", meint Grandt.

Oslos Polizeichef Anstein Gjengedal sagte, die Anti-Terror-Einheit sei sofort nach dem Alarmruf in Richtung Jugendlager in Gang gesetzt worden: "Wir waren schnell da."

Nach Angaben des norwegischen Geheimdiensts hatte Breivik auf eigene Faust gehandelt. Für seine Behauptung, gewaltbereite Komplizen in Norwegen und im Ausland zu haben, fehle jeder Beweis, heißt es. Ein Geistes- kranker? Geheimdienst-Che- fin Janne Kristiansen ist überzeugt, dass er "völlig normal" ist und "total böse".

Guido Grandt hingegen ist überzeugt: "Breivik ist ein Bauernopfer. Er wurde instrumentalisiert. Und es wird verhindert, dass Geheimdienstinformationen an die Öffentlichkeit gelangen."

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