Augenarzt aus Bangladesch informiert am Eine-Welt-Tag der evangelischen Kirche über humanitäres Klinik-Projekt
Von Gert Ungureanu
Balingen. "Im Land des Hungers sieht die Sonne aus wie ein Brot." Der, der das sagt, weiß, wovon er spricht. Der Augenarzt Akhter Uddin Murad, Leiter des Gisela-Hospitals, einer privaten Augenklinik in Habiganj im Hinterland von Bangladesch, behandelt seit über zehn Jahren die Ärmsten der Armen kostenlos. Am Samstag und Sonntag, 13. und 14. März, ist er zu Gast beim Eine-Welt-Tag der evangelischen Kirchengemeinde Balingen. Im Mittelpunkt steht Bangladesch.
Vorgestellt wird das Land selbst, es wird über Kinderarbeit informiert und über das Hilfsprojekt der Balinger Ärztin Gisela Swoboda. Sie hat in ganz Deutschland an unzählige Türen geklopft, Ärzte und Apotheker angesprochen und fleißig Spenden gesammelt für den Bau des Krankenhauses, das jetzt ihren Namen trägt. Er habe sie gefragt, ob sie einverstanden sei, das Haus "Gisela-Hospital" zu nennen, erzählt Murad lächelnd. Es habe mehr als einen Monat gedauert, bis sie einwilligte.
Über Armut und Kinderarbeit kann er viel erzählen. Letztere werde von der Regierung Bangladeschs zwar verboten, sei aber vielerorts noch anzutreffen. Normalerweise beende man die Schule mit zwölf Jahren. Danach habe man die Wahl, zu arbeiten oder zu heiraten, sagt er. Und fügt hinzu: "Sie führen hier ein gutes, sicheres Leben, von hier aus ist es schwer, sich vorzustellen, wie man dort lebt."
Der Kontakt zur Balinger Ärztin kam über Internet zustande. Über die Plattform www.betterplace.org hat Murad vor etwa drei Jahren vom Projekt "Reiten mit Handicap" der Balinger Medizinerin erfahren, und erste Kontakte kamen zustande.
Auch er selbst engagierte sich ehrenamtlich: Der 52-Jährige, dessen Vater schon Arzt war, ist einer der führenden Augenchirurgen in seinem Land. In der Hauptstadt Dhaka war er an der Uniklinik tätig, fuhr jeden Freitag, wenn er frei hatte, auf eigene Kosten ins Hinterland, um Bedürftige kostenlos zu behandeln. Ausdrücklich betont der gläubige Muslim, dass sein Projekt "non-political" und "non-religious" sei, weder politisch noch religiös, rein humanitär.
Schließlich konnte dank der Spenden die kleine Klinik gebaut werden. Was noch fehlte, war die Ausstattung. Vom Zollernalb-Klinikum und von anderen Krankenhäusern und Ärzten wurden gebrauchte Geräte für Augenheilkunde und chirurgisches Besteck gesammelt. In den nächsten Tagen geht ein Container von Frommern nach Bangladesch auf die Reise. Noch fehlt es an Geld. Etwa, um das Grundstück zu kaufen, auf dem das Krankenhaus steht. Und um die Gehälter von Ärzten und Personal zu finanzieren. "Wir suchen Spender und Sponsoren", sagt Gisela Swoboda.
Der Eine-Welt-Tag beginnt am Samstag, 13. April, um 19 Uhr mit Musik aus Bangladesch – Minhaz Dipon (Gesang) und Manjur Ahmed (Tabla) entführen mit ihren Klängen in das kleine Land zwischen Himalaya und Golf von Bengalen; Mirjiam Dubbert (Aktion Brot für die Welt) informiert über Kinderarbeit, und Akhter Murad und Gisela Swoboda erzählen von ihrem Projekt. Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst um 10 Uhr, danach gibt es weitere Informationen über Bangladesch, und im Anschluss ein gemeinsames Essen im Gemeindehaus – mit Speisen aus Bangladesch.
Weitere Informationen: www.giselahospital.de