Froh, wieder daheim auf der Alb zu sein: Anke Traber ist die neue Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Balingen. Foto: Ungureanu Foto: Schwarzwälder Bote

Porträt: 55-jährige hat bei der Agentur für Arbeit in Balingen die Nachfolge von Georg Link als Chefin angetreten

Ihr Markenzeichen ist die rote Mähne, und in der Arbeitsagentur ist sie bestens bekannt: Anke Traber ist nun die neue Chefin der Agentur für Arbeit in Balingen. Für die Balingerin ist die Möglichkeit, an ihrem Wohnort zu arbeiten, "wie ein Sechser im Lotto".

Balingen. Traber ist damit die Nachfolgerin von Christine van den Berg, die im Juli die Nachfolge des langjährigen Leiters Georg Link angetreten – allerdings nach wenigen Wochen Balingen wieder verlassen hatte. Als die Stelle wieder offen wurde, war das Trabers Chance.

Kürzlich war die 55-Jährige bereits als "Vorsitzendes Mitglied der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen" vorgestellt worden. Aber dazu sei es nicht mehr gekommen. Als die Stelle in Balingen ausgeschrieben worden sei, habe sie sofort zugegriffen. Die Agentur Rottweil-Villingen-Schwenningen sei zwar etwas größer. Aber in Balingen habe sie nun mal den "Heimvorteil". Nicht nur, weil sie als frühere Geschäftsführerin operativ und davor schon, seit 1992, in verschiedenen Funktionen in der Balinger Arbeitsagentur tätig gewesen war und daher die meisten Mitarbeiter und auch die meisten Unternehmen in der Region kenne. Sondern auch weil sie gerne dort arbeite, "wo andere Urlaub machen".

Die Zeit im Ruhrgebiet, wo sie zwischen 2017 und 2019 Geschäftsführerin der dortigen Arbeitsagentur gewesen ist, bereut sie nicht. "Es war interessant, zu erfahren, wie die Beschäftigung in einer anderen Region tickt, im Ruhrgebiet, wo die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch ist wie in Baden-Württemberg." Und die Leute dort seien offen, freundlich, "und sie reden Tacheles".

Als sie in Recklinghausen angefangen habe, sei die Arbeitslosenquote bei 10,4 Prozent gelegen. Kein Wunder, denn für den Bergbau gebe es keine Weiterentwicklung. "Eine Ära ist zu Ende gegangen." 4000 bis 7000 Menschen hätten in einer Zeche gearbeitet, sie seien praktisch von heute auf morgen arbeitslos geworden. Derzeit betrage die Quote in Recklinghausen immer noch 7,8 Prozent, "und das ist eine der besten im Ruhrgebiet".

Im Zollernalbkreis habe man seinerzeit, mit der Textilindustrie, ähnliche Erfahrungen gemacht. Es habe zwar Jahre gedauert, aber es sei gelungen, zu kompensieren, es gehe weiter, vor allem im Bereich der technischen Textilien. "Verglichen mit dem Ruhrpott haben wir fast Vollbeschäftigung."

Textilindustrie? Eine attraktive Branche mit Zukunft, für die man von Seiten der Agentur verstärkt werben möchte. Vielleicht, wie schon einmal, mit einer Informations- und Ausbildungsbörse der Textilunternehmen. Da gehe es längst nicht nur, wie landläufig vermutet, "um Schlüpfer".

Kleine und Kleinstunternehmen seien die Stärke der hiesigen Region: "Wir haben starke Arbeitgeber, keinen Versandhandel und keine Energieriesen. Die kleinen und Kleinstunternehmen stehen für das Produkt und sind vor Ort." Als sie Recklinghausen verlassen habe, habe sie den Bürgermeistern in der stärkstbesiedelten Region in Deutschland versprechen müssen, für den Ruhrpott zu werben: "Es gibt dort attraktive Standortflächen und traumhafte Gebäude, die nach der Schließung der Zechen leer stehen", sagt sie. "Und es gibt nicht nur unzählige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung in einer grünen Region, sondern auch jede Menge Arbeitskräfte mit Qualifizierungspotenzial. Dort ist einfach Leben in der Bude."

Was macht die Diplom-Verwaltungswirtin Anke Traber, wenn sie mal nicht in der Arbeitsagentur ist? Sie fahre leidenschaftlich gerne Mountainbike, gesteht sie. In Recklinghausen im Ruhrgebiet "gab’s nun mal ein Problem mit den Mountains". Noch ein Heimvorteil für Anke Traber: Sie geht gerne joggen. Und hat die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihren Eltern zu verbringen, die in Albstadt leben. Zudem möge sie alles, was mit Kultur zusammenhängt: Musik, Theater und Literatur. Ihr Lieblingsautor, verrät sie, sei Bodo Kirchhoff.

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