Eugen Wetsch. Foto: Maier.

Endinger wird von Ministerpräsident für sein beherztes Eingreifen bei Unfall ausgezeichnet. Verhalten ist vorbildlich.

Balingen-Endingen - Der 8. Juni 2013 war für Familie Wetsch aus Endingen ein schöner Tag. Gefeiert wurde die Firmung der Enkeltochter in Memmingen. Auf der Heimfahrt am frühen Abend geschah etwas Schreckliches. Und Eugen Wetsch rettete mit seinen bloßen Händen ein Leben.

Zu fünft saßen sie im Auto, erinnert sich der 60-jährige Eugen Wetsch. Mit ihm seine Frau Rosa, Tochter Viktoria, dazu Sohn Johannes mit seiner Freundin Anette. Sie seien gerade aus Memmingen herausgefahren, hätten den kleinen Vorort Egelsee im Landkreis Biberach hinter sich gelassen, als ein Motorradfahrer sie überholte. "Der ist aber schnell", habe er sich gedacht, sagt Eugen Wetsch.

Kaum war ihm das durch den Kopf gegangen, stürzte der Motorradfahrer etwa 50 Meter vor ihnen in einer Kurve und rutschte unter der Leitplanke hindurch. Das war die Situation, in der Eugen Wetsch zum Lebensretter wurde. Für seinen Einsatz wird er nun vom baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann geehrt. Die Auszeichnung überreicht ihm der Balinger Oberbürgermeister Helmut Reitemann in der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 19. November (17 Uhr, Stadthalle Balingen).

Sofort nach dem Unfall trat Sohn Johannes Wetsch auf die Bremse. Alle im Auto hätten nach vorn und nach hinten geschaut, beobachtet, ob noch mehr Verkehr kommt. Es kam keiner. Eugen Wetsch öffnete die Tür und rannte zu dem Verunglückten. Der Anblick war schlimm: Der 40-jährige Motorradfahrer war bei dem Sturz mit dem Bein gegen einen Pfosten der Leitplanke geprallt. Dieser war zwar mit Styropor ummantelt, das hatte aber nicht viel geholfen: Dem Mann hatte es das Bein knapp unterhalb des Knies abgerissen; der Unterschenkel steckte im Stiefel und lag auf der Wiese. Aus der Wunde schoss Blut, "wie aus einem Schlauch", erinnert sich Eugen Wetsch: "Das war schrecklich". Der Motorradfahrer, ein Familienvater aus Laupheim, war bei Bewusstsein und unter Schock: "Er wollte aufstehen, ich habe ihn angeschrien: Bleib liegen!".

Eugen Wetsch tat in dieser Situation das einzig richtige: Er packte zu, buchstäblich. Mit seinen beiden Händen nahm er das Knie und drückte zu, zwischendurch nahm er dem Motorradfahrer den Gürtel ab, um den Oberschenkel abzubinden und den Blutstrom zu stoppen. Seine Familie alarmierte derweil das Rote Kreuz. Etwa 10 bis 15 Minuten habe es gedauert, bis der Krankenwagen da war, so Eugen Wetsch. Die Sanitäter verpassten dem Verunglückten Infusionen. Wetsch drückte weiter, bis nach etwa 10 weiteren Minuten der Rettungshubschrauber vor Ort war. Der Notarzt versorgte die Wunde mit einer Bandage, der Mann wurde ins Krankenhaus geflogen.

Für das Bein konnten die Ärzte nichts mehr tun, der 40-Jährige hat es verloren. Dass er am Leben blieb, verdankt er Eugen Wetsch: "Durch die lebensrettenden Sofortmaßnahmen konnte verhindert werden, dass der Mann verblutete", so heißt es in der Begründung, warum der 60-Jährige nun vom Land Baden-Württemberg ausgezeichnet wird. Die Auszeichnung soll Ausdruck der "Hochachtung für das vorbildliche und uneigennützige Verhalten" sein.

Eugen Wetsch freut sich über die Auszeichnung, klar. Er habe am 8. Juni zum ersten Mal in seinem Leben bei einem Verkehrsunfall geholfen. Überlegt, was zu tun sei, habe er damals nicht, und das ist auch sein Tipp für alle anderen: "Wenn etwas passiert, darf man nicht lange fackeln, man muss etwas tun."