Dem Künstler beim Schaffen über die Schulter schauen – das geht noch bis zum kommenden Sonntag. So lange lässt Lorenz Bögle die Pforten der Pop-Up-Galerie an der Balinger Bahnhofstraße geöffnet. Zur Finissage am Freitag ab 17 Uhr erwartet er zahlreiche namhafte Künstler. Foto: Silke Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Lorenz Bögle holt namhafte Künstler / Freitag Finissage des "Feldversuchs" an der Bahnhofstraße

Balingen. Dem Künstler bei der Arbeit über die Schulter schauen: Das geht noch bis kommenden Sonntag im ehemaligen Bettenhaus Prinz in der Balinger Bahnhofstraße. Dort hat der Künstler Lorenz Bögle eine Pop-Up-Galerie am Start und zeigt unter anderem Werke von Yoko Ono oder Jörg Immendorff.

Die Zeit, wenn keine Besucher da sind, nutzt Lorenz Bögle kreativ. Entweder gestaltet er wieder und wieder die Ausstellung um, hängt neu dazu gekommene Werke auf und füllt die Lücken an den Plätzen, an denen verkaufte Bilder hingen. Oder er zeichnet. Filigrane Gesichter auf Kellnerblöcken.

Kurz vor dem Endspurt ist es Zeit für Bögle, Bilanz zu ziehen. An manchen Tagen sagt er, hätten weit über 20 sehr interessierte Kunstfreunde den Weg in die Ausstellung gefunden. An anderen, wie am vergangenen Sonntag, eher weniger. Ob es am miesen Wetter lag? Er weiß es nicht, stellt aber fest: "Viele bleiben ganz lang vor dem Schaufenster stehen."

Ob die Hemmschwelle zu hoch ist, um die Pop-Up Galerie zu betreten? Auch darauf findet der staatlich anerkannte Künstler keine Antwort. Sicher aber ist, dass einige der Kunstwerke neue Besitzer gefunden haben. "Auch bei Leuten, die sonst nichts mit Kunst am Hut haben", wie Bögle sich freut. Da sei etwa ein Mann gewesen, zufällig vorbeigekommen, der die Werke angeschaut habe. Ein paar Tage später war er wieder da. Und hat ein Bild gekauft. Einfach, weil es ihm gefallen hat.

Am kommenden Freitag, 20. Dezember, steigt ab 17 Uhr die Finissage. Am Konzept des Abends tüfteln die Künstler noch. Sicher ist: Freunde aus Karlsruhe, Köln und Baden-Baden, die ebenfalls in Balingen ausstellen, werden kommen. Und sich, wie die Besucher, Zeit nehmen. Für Gespräche. Die hatte auch Bögle in den vergangenen Wochen reichlich. "Ich wusste gar nicht, wie viele Künstler es in Balingen gibt", bekennt der Wahl-Kölner, der die Galerie in den Räumen seiner Großmutter, Besitzerin des Gebäudes, betreibt.

Mit ihnen habe er lange, intensiv und kreativ gesprochen. Auch darüber, dass die meisten der ausgestellten Werke nicht dekorativ gemeint seien, sondern mit Botschaft. "Hier wird alles aufgegriffen, was die Kunstwelt international bewegt", sagt der junge Künstler und verweist auf die Nagelskulpturen aus Afrika oder einen Künstler aus Südamerika, der einen Bub mit Maschinengewehr gemalt hat. "Flüchtlinge, die Heimatfrage", fasst Bögle zusammen.

Die Ausstellung in Balingen ist für ihn ein "künstlerischer Feldversuch". Die Spielwiese in der Kunststadt könnte nicht besser gewählt sein. Und wenn sich kein Nachmieter für die Verkaufsräume findet, dann kann Bögle sich durchaus eine Wiederholung vorstellen. Parallel zur Rizzi-Ausstellung im kommenden Jahr vielleicht. Vielleicht aber auch nicht und vielleicht auch ganz anders.

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