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Balingen Eine ganz besondere, intime Stimmung

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Trauern in Corona-Zeiten ist nicht einfach. Aber die Anstrengungen unter anderem von Ulrike Erath sind groß, dass es den Angehörigen dennoch ermöglicht wird, in Würde von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen. Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

Von Birgit Müller

Abstand halten – das Gebot, das vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen soll, gilt auch beim Abschiednehmen von Sterbenden und Toten. Was bedeutet das für trauernde Angehörige?

Balingen. Wer während der Corona-Pandemie Abschied von einem geliebten Menschen nehmen muss, hat es durch die Einschränkungen zum Infektionsschutz noch schwerer. Denn zwar gelten seit gut zwei Wochen auch in diesem Fall gelockerte Regelungen, denn es dürfen mittlerweile 50 Personen an einer Trauerfeier teilnehmen, unabhängig von deren verwandtschaftlichen Beziehung zum Verstorbenen. Doch bekannte Rituale fallen nach wie vor weg: Ein Trauergottesdienst mit gemeinsamem Singen beispielsweise, und, in manchen Fällen, am offenen Sarg vom Verstorbenen Abschied nehmen. Denn, das schreibt das Infektionsschutzgesetz vor, wer an einer infektiösen Krankheit wie Covid-19 verstirbt, darf nicht aufgebahrt werden.

Die Angst, sich vor dem Tod eines geliebten Familienmitgliedes nicht mehr verabschieden zu können, sitzt in vielen Angehörigen jetzt besonders tief. Das nimmt auch Marlies Kempka, Hausdirektorin der Balinger Seniorenresidenz an der Eyach, wahr. Zeichnet sich ab, dass ein Bewohner bald stirbt, werden immer sofort die Angehörigen informiert. Das sei auch während des Besuchsverbots in Alten- und Pflegeheimen so gewesen.

Anders ist durch das Virus nun aber, dass sich die Angehörigen auch beim letzten Besuch an die strengen, gesetzlich vorgegebenen Hygienemaßnahmen halten müssen – heißt bei einer nachgewiesenen Corona-Infektion des Sterbenden: Handschuhe, virusabweisende Maske und Schutzkittel. "Wir versuchen zu tun, was uns möglich ist", sagt Kempka. Die meisten Angehörigen seien dankbar, noch Abschied nehmen zu können, auch wenn sie ihrer Mutter, ihrem Vater nur noch mit einem Handschuh auf der Hand über die Wange streichen dürfen. "Die Nähe, die wir vor der Pandemie hatten, ist zurzeit einfach nicht mehr so geboten", so Kempka. Strenge Hygieneregeln schafften eine Distanz, ausgerechnet in einem Moment, in dem für viele Angehörige ohnehin alles aus den gewohnten Bahnen läuft.

Kann Trauernden da wirklich Trost gespendet werden? "Das ist die Herausforderung", sagt Patrick Brobeil von Wizemann Bestattungen in Balingen. Als Bestatter umarme man die Hinterbliebenen natürlich eher weniger. "Aber auch ein tröstender Händedruck fällt leider bei uns zur Zeit weg", sagt er. Beratungsgespräche versuche er momentan vorzugsweise telefonisch zu führen, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Möchte doch jemand vor Ort beraten werden, trenne eine Scheibe aus Plexiglas Bestatter und Angehörige.

"Wenn jemand trauert, braucht man einfach eine gewisse Nähe", sagt Ulrike Erath. Die Pastoralreferentin ist unter anderem Krankenhausseelsorgerin im Zollernalb Klinikum Balingen und zuständig für Trauerseelsorge und Beerdigungsdienst. Sie begleitet Sterbende und deren Angehörige im Klinikum, führt Trauergespräche, hält Trauerfeiern. Die Gespräche versuche sie daher nach wie vor persönlich zu führen, bei den Angehörigen Zuhause – jetzt eben mit Mund-Nasen-Maske und Sicherheitsabstand. "Ich würde Sie so gerne umarmen. Aber ich weiß, dass ich das nicht darf", habe eine Hinterbliebene neulich zu ihr gesagt.

Und eben dieser Sicherheitsabstand ist auch bei Trauerfeiern Pflicht: eineinhalb Meter zu Personen, die nicht im selben Haushalt leben. So können Kinder keine trauernden Eltern, Enkel keine trauernden Großeltern in den Arm nehmen. Nähe versucht Erath jetzt erst recht durch eine möglichst persönliche Trauerrede zu erzeugen. Und weil besonders gefährdete Personen sich nicht immer trauen, an der Trauerfeier teilzunehmen, bestärke sie auch zu manchmal ungewöhnlichen Schritten: Fotos und Videoaufnahmen von der Zeremonie zu machen, beispielsweise. "Das stört mich nicht", sagt die Pastoralreferentin.

Manche Familien gingen zurzeit auch einen ganz anderen Weg und verschieben die Trauerfeier auf einen späteren Zeitpunkt. "Weil sie wissen, dass der Verstorbene gerne eine große Trauerfeier hätte haben wollen", so Erath. Nach einer Einäscherung sei dies durchaus möglich.

Für viele Angehörigen sei es aber auch sehr tröstlich zu sehen, dass alle Seiten erst recht einen großen Aufwand betreiben, um dem Sterbenden, für den Verstorbenen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Auch Trauerfeiern, die in den vergangenen Wochen ausschließlich unter freiem Himmel gefeiert werden durften, hatten oft eine ganz besondere, eine intime Stimmung, sagt Ulrike Erath: "Ich könnte mir vorstellen, dass es auch in Zukunft solche geben wird."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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