Weiteren Zeugen im "Mühlengeist"-Prozess können nicht klären, wie es zum Kirchenbrand kam.
Hechingen/Balingen - Was ist in der Nacht zum 13. März in Frommern geschehen? Fest steht nur, dass ein Feuer die St.-Paulus-Kirche völlig zerstört hat. Weitere Zeugen, die gestern im "Mühlengeist"-Prozess aussagten, konnten kein Licht ins Dunkel bringen.
Der 21-jährige Stiefsohn des mitangeklagten Bruders des "Mühlengeist"-Wirts sagte, was er bereits bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte: Er sei zur fraglichen Zeit im McDonald's oder im Top 10 gewesen. Warum sich sein Handy in Frommern ins Netz eingeloggt hatte, könne er nicht erklären.
Ein 20-Jähriger, der mit dem Sohn des Hauptangeklagten befreundet ist, stützte dessen Aussage, dass er in jener Nacht nach Mannheim gefahren sei. Zum Liebesleben des Freundes befragt, beteuerte der 20-Jährige so lange, dass er sich an nichts erinnern könne, bis Richter Herbert Anderer stichelte: "Sie wissen aber wirklich wenig." Ob der Sohn des "Mühlengeist"- Wirts denn jähzornig sei? "Ein bisschen schon", räumte der Zeuge schließlich ein.
Eine 21-Jährige, mit der der Sohn des Wirts eine kurze Affäre gehabt hatte und die er am fraglichen Abend, ehe er nach Mannheim fuhr, aufgesucht hatte, schilderte ihn als "völlig normal, eher lustig, ein lebensfroher Mensch". Sie habe einen "freundschaftlichen Kontakt" zu ihm gehabt. Sex? "Ein bisschen vielleicht, ich weiß nicht, wie weit Sie es meinen." Ob sie mit ihm geschlafen habe? "Ja." Später habe sie ihn seltener gesehen, er habe sich mit seiner Ex-Freundin wieder versöhnt.
"...außerdem hab ich die Kirche in Frommern angezündet", lautete eine SMS, die ein 21-Jähriger an die Tante seiner Kumpels geschrieben hatte, um ihr Angst zu machen. Klarer Fall für die Ermittler. Leider stellte sich heraus, dass der junge Mann bis spät in die Nacht hinein in Ostdorf gegrillt hatte und danach noch mit Freunden in Balingen unterwegs gewesen war. "Haben Sie mit dem Brand der Kirche zu tun?", fragte der Richter beiläufig. "Nein", beteuerte der 21-Jährige.
Die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Paulus wurde in Zusammenhang mit dem 22-jährigen Pfadfinder-Vorstand, der auch Mitglied im Kirchengemeinderat ist, befragt. Er war ins Visier der Ermittler geraten, weil er vor Jahren wegen einer Amok-Drohung an der Frommerner Schule aufgefallen und Zeugen zufolge wegen eines Mädchens frustriert gewesen war. Sein Vater, der gestern ebenfalls aussagte, lieferte ein hieb- und stichfestes Alibi: Sein Sohn sei kurz vor 1 Uhr zu Hause gewesen, da habe er, der Vater, noch TV geguckt. Das Licht sei angegangen, er habe ihn die Treppe hochgehen gehört.
Die Aussage des Sohns war deckungsgleich: Im Wohnzimmer habe noch Licht gebrannt, als er heimgekommen sei. Warum er bei der polizeilichen Vernehmung behauptet hatte, seine Eltern hätten bereits fest geschlafen, bleibt unklar – genau wie die Frage, warum der junge Mann bei der ersten Vernehmung gesagt hatte, er sei gleich ins Bett gegangen, bei der zweiten hingegen, er habe noch den Fernseher eingeschaltet und sei auf dem Sofa eingeschlafen. Seltsam fand der Richter zudem, dass den 22-Jährigen, der ja Mitglied im Kirchengemeinderat ist, nicht die Neugier gepackt habe und er zur Kirche gefahren sei, als er vom Brand erfuhr. "Ich bin nicht so neugierig wie andere Leute", sagte der 22-Jährige.
Die Verhandlung wird am Montag, 15. April, ab 10 Uhr fortgesetzt. Dann soll die Beweisaufnahme geschlossen werden. Am Mittwoch, 18. April, sind ab 8.30 Uhr die Plädoyers vorgesehen.