Rechtzeitig vor dem Konzert von Dieter Thomas Kuhn und seiner Kapelle hört es auf zu regnen. Foto: Frank Engelhardt

Konzert auf dem Balinger Marktplatz. Musiker zeigen pure Freude an der Musik.

Balingen - Als am Freitag kurz vor 18 Uhr ein ohrenbetäubender Knall die Balinger Innenstadt erschüttert, hat es längst begonnen wie aus Kübeln zu schütten. Dunkle Wolken, Blitz, Donner und jede Menge Regen beenden jäh die Hitze auf dem Marktplatz. Doch rechtzeitig vor dem Konzert von Dieter Thomas Kuhn und seiner Kapelle hat der Himmel ein Einsehen und schließt seine Schleusen. "Dieter Thomas Kuhn hat mit seinem Föhn die Wolken verjagt", meint ein Fan und lacht.

Bei den Klängen des Titels "Musik ist Trumpf" betreten die Musiker von Dieter Thomas Kuhn die Bühne, sie schwingen dabei nur leicht ihre Hüften, das reicht aber bereits aus, um die Besucher zu Jubelstürmen zu bewegen. Denn sie wissen, gleich betritt auch Dieter Thomas Kuhn das Rampenlicht. Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen und in einem seiner unnachahmlichen Anzügen tänzelt er auf die Bühne – und nimmt fortan sein Publikum mit auf eine Reise ins Schlagerland.

Pure Freude an der Musik

Doch nicht nur das Liedgut ist es, das seine Fans seit Jahrzehnten an dem Schlagerbarden aus Tübingen schätzen. Es ist die pure Freude an der Musik einer längst vergangenen Zeit. Als er beispielsweise den Song "Die kleine Kneipe" von Peter Alexander anspielen lässt, fängt gefühlt der ganze Markplatz an zu schunkeln, Menschen jeglichen Alters singen die Zeilen mit, als ob es das Natürlichste der Welt wäre. Davor hat er eine seiner beliebten Anekdoten zum Besten gegeben: "Vor der Kirche, da habe ich mein Abschlussfoto von der Massageschule gemacht. Im Bären habe ich in der Mittagspause immer zwei Weizen gezogen." Bereits ganz am Anfang seines Konzertes hatte er seine besondere Beziehung zu Balingen thematisiert und dafür johlenden Applaus geerntet.

Aber nicht nur Vergangenes spricht er an, sondern auch aktuelle Themen. Als ein BH aus dem Publikum auf die Bühne geworfen wird, nimmt er ihn auf und präsentiert ihn stolz. Wenig später philosophiert er darüber, ob das eigentlich auch schon unter die #metoo-Debatte fallen könnte. "Wenn ihr uns heute irgendwo trefft, dann fasst uns an, bedient euch", sagt er in seiner charmanten Art und mit einem Augenzwinkern. Und er freue sich auch, dass seine Lieblingsfilialleiterin von dm in Tübingen, wo er immer sein Toilettenpapier kaufe, heute da sei. Mit einem weiteren Song von Peter Alexander geht es dann weiter: "Komm und bedien dich".

Punkt 21 Uhr, als sich die Dämmerung langsam über die Stadt senkt und die Lichter der Bühne immer besser zur Geltung kommen, stimmt Kuhn "Wunder gibt es immer wieder an". Gänsehaut pur, als der Klassiker von Katja Ebstein aus über 4000 Kehlen erklingt. Und so geht es weiter, bis nach einigen Zugaben die Bühnenlichter ausgehen.

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