Kultur: Ausstellung von Renata Tumarova im "Kunstblick"
Balingen. Das Berliner Atelier ist leer, Galeristin Heidrun Bucher-Schlichtenberger musste Renata Tumarova die in der Balinger Galerie Kunstblick seit Sonntag ausgestellten Bilder regelrecht abtrotzen. Denn die 1979 in Sankt Petersburg geborene Malerin ist längst ein Star in der Szene. Auch in der Eyachstadt. Zwei Mal musste die Ausstellung verschoben worden, ehe Heidrun Bucher-Schlichtenberger Kunstfreunde und eingefleischte Tumarova-Fans in der Galerie Kunstblick begrüßen konnte. Nicht, weil die in Berlin lebende Künstlerin keine Lust gehabt hätte, zum fünften Mal in Balingen auszustellen. Sie hatte schlichtweg keine Werke, die hätten gezeigt werden können. Und viele der neuen sind auch schon weg: Die Vernissage in Balingen war noch nicht mal im Gange, da klebten unter zahlreichen Werken schon die roten Kaufpunkte.
Zwischen der Art Miami, die zweitgrößten Kunstmesse der Welt, und Balingen hat sie gemalt, gemalt und gemalt. Was sie gemeinsam mit ihrem Mann Stefan nach Balingen mitgebracht hat, sind allesamt Gemälde, die laut Galeristin Heidrun Bucher-Schlichtenberger zum Tagträumen einladen. Die Bilder zeigen flüchtige Augenblicke, Momentaufnahmen und feiern das Leben. Das Verschwommene ist gewollt, die Reduzierung auf Momentaufnahmen erfordert großes künstlerisches Können.
Das hat Renata Tumarova zunächst in Sankt Petersburg gelernt. Von der Pike auf ging es ums Malen und Zeichnen, den handwerklichen Grundstock. Aber, so die Wahl-Berlinerin: Ihr fehlte in Russland die Freiheit des künstlerischen Arbeitens. Sie studierte in der deutschen Hauptstadt, fand keine Grenzen, aber ihren eigenen Malstil.
Heidrun Bucher-Schlichtenberger und die Malerin verbindet eine Freundschaft. Und so hat die Galeristin ganz genau die Entwicklung der Künstlerin im Blick. Wo bei der ersten Ausstellung 2010 noch düstere Farben dominierten, leuchtet heute die "Nicht-Farbe" Weiß. Diese richtig einzusetzen ist eine der größten Herausforderungen in der Malerei. "Das muss man können", so die Galeristin. Tumarova kann es, spielt mit Licht, mit Farben.
Auch die Motive haben einen Wandel erfahren. In den Frühwerken warf Tumarova Spotlights auf das Leben in der Großstadt. In Balingen sind jetzt viele Strandbilder zu sehen. Ob sie großstadt-müde geworden ist? "Nein, ich liebe ganz einfach den Süden. Dort sind die Farben ganz andere."
Und worin liegt der weltweite, enorme Erfolg der Russin? Mit dem sie nach eigenen Worten noch gar nicht ganz zurechtkommt? Vielleicht liegt es darin, dass sie andeutet. Raum lässt für eigene Tagträume, dass vieles im Nebulösen bleibt. "Ich möchte, dass die Betrachter sich inspirieren lassen und etwas Eigenes im Bild finden."
Die zweimalige Verschiebung der Ausstellung nahm Galeristin Bucher-Schlichtenberger sportlich. Immerhin habe sie deswegen brandneue Werke bekommen, die außer den Balingern noch keiner rund um den Globus kennt.
Die Ausstellung "A new day" ist bis zum 25. April in Balingen in der Galerie Kunstblick, Neue Straße 44 zu sehen.