Für Walter Sieber (links), Präsident des Narrenfreundschaftsrings Zollern-Alb, ist klar: Veranstaltungen wie das Ringtreffen in Geislingen wird es 2021 nicht geben. Archivfoto: Engelhardt Foto: Schwarzwälder Bote

Brauchtum: Roland Wehrle hält nichts von frühzeitigen Verboten / Verantwortliches Handeln gefragt

In irgendeiner Form werde es die Fasnet auch im kommenden Jahr geben, ist sich Roland Wehrle sicher. Die Frage sei nur, in welcher. Von einer generellen Absage der Narretei hält der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) nichts.

Zollernalbkreis. Als ob die hochsommerlichen Temperaturen nicht schon schweißtreibend genug wären, hat sich in den vergangenen Tagen auch eine teils hitzig geführte Debatte um die Fasnet entwickelt. Allerdings sehen es viele Narren, allen voran Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), derzeit zumeist noch recht gelassen. "Die Fasnacht kann man nicht einfach absagen, man kann nur Veranstaltungen in deren Rahmen absagen", sagt Wehrle. Es sei an den Verbänden und der Politik, den passenden Rahmen für die Narretei in diesen besonderen Zeiten festzuzurren.

"Aus unserer Sicht ist ein generelles Verbot für jegliche Veranstaltungen zu diesem Zeitpunkt nicht nur verfrüht, sondern letztlich auch unsinnig", sagt Wehrle. Die fünfte Jahreszeit starte zwar am 11. November, viele Veranstaltungen seien allerdings erst im Januar oder in den letzten Wochen vor Aschermittwoch. Allerdings stellt der VSAN-Präsident auch unmissverständlich klar: "Die Fasnet 2021 wird anders sein." Ganz große Veranstaltung könne er sich bei der derzeitigen Situation in Deutschland nicht vorstellen. "Wir haben eine soziale und gesellschaftliche Verantwortung, derer wir uns nicht nur bewusst sind, sondern die wir auch gerne übernehmen."

Roland Wehrle plädiert für einen differenzierteren Blick auf die Traditionen im ganzen Land. Karneval, Fasnacht oder Fasnet – in Deutschland werde ganz unterschiedlich gefeiert. "Wir haben den Vorteil, dass wir auch relativ spontan Umzüge oder Ähnliches auf die Beine stellen können – oder auch absagen können", meint Wehrle. "Wieso sollte beispielsweise der Umzug in Wilflingen mit 100 Hästrägern und gefühlt 50 Zuschauern am Straßenrand unter gewissen Umständen nicht auch 2021 stattfinden können", gibt der Präsident zu bedenken.

Eine ganz andere Hausnummer sei dagegen das Narrentreiben in Villingen, wo 10 000 Hästräger und 25 000 Zuschauer aufeinander treffen könnten. "So eine Großveranstaltung kann ich mir nach aktuellem Stand nicht vorstellen", sagt Wehrle und betont: "Einen zweiten Lockdown aufgrund von Corona können wir uns nicht leisten – weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich."

Ein generelles Verbot halte er aber genauso für problematisch, das würde nur zu unnötigen Frustrationen führen. "Für viele Menschen ist die Fasnet etwas ganz besonderes, die Traditionen und das Brauchtum ein wichtiger Teil ihres Lebens", meint Wehrle. Selbst 1991, als aufgrund des Golfkrieges generell alles abgesagt worden sei, habe es dann doch vereinzelt Aktionen gegeben, da sich die Situation wieder etwas entspannt habe.

Der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und die Narrenfreiheit zu nutzen, sei ein nicht zu unterschätzendes Narrenrecht. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass man nicht vorschnell handeln und die Situation ganz genau verfolgen sollte. "Ich finde es von der Politik unklug und unverständlich, so früh schon über ein generelles Verbot nachzudenken", betont der VSAN-Präsident.

Wie es weitergehen könnte, werden Narren am 30. September erstmals diskutieren. Dann treffen sich nämlich die Ringpräsidenten im Fastnachtsmuseum Narrenschopf in Bad Dürrheim. Ein zweiter Termin ist bereits für den 16. Oktober vorgesehen. "Die Situation ist derart dynamisch, dass das, was wir Ende September besprechen, Mitte Oktober schon wieder Makulatur sein kann", meint Wehrle.

Bei den Besprechungen mit am Tisch wird unter anderem auch Walter Sieber sitzen. "Die aktuelle Lage macht alle Planungen über mögliche Veranstaltungen natürlich überaus schwierig", sagt der Präsident des Narrenfreundschaftsrings Zollern-Alb. Früh sei allerdings schon klar gewesen, dass es 2021 kein Ringtreffen geben werde. "Der Narrenrat der Narrenzunft Alte Germanen Benzingen hat Ende Juni einstimmig beschlossen, das für 2021 geplante 43. Ringtreffen des Narrenfreundschaftsringes Zollern-Alb in Benzingen vom 22. bis 24. Januar 2021 aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchzuführen", erklärt Sieber. Eine solche Großveranstaltung sei logistisch wie finanziell einfach nicht kurzfristig handhabbar.

Ein anderes Thema sei dagegen die Ortsfasnet. "Umzüge wie beispielsweise in Bisingen könnte ich mir dagegen unter bestimmten Umständen schon vorstellen", meint Walter Sieber. Denn je nach aktueller Lage könnten solche Fasnetsveranstaltungen auch kurzfristig anberaumt oder abgesagt werden. "Was Anfang kommenden Jahres allerdings alles möglich sein wird, das wissen wir heute aber nicht", sagt Sieber und betont: "Die Gesundheit geht natürlich immer vor und wir werden uns stets an die gesetzlichen Vorgaben halten, das steht außer Frage."

In der Fasnet 2021 sei mehr noch denn je Spontanität gefragt, so Wehrle. "Was spricht dagegen, dass Kinder in Kindergarten oder Schule am Schmotzigen Donnerstag verkleidet kommen", sagt Wehrle. Auch kleinere Kinderumzüge seien durchaus denkbar – vielleicht auch mit Mundschutz. "Wir können dann zeigen, wie kreativ wir sind", meint der VSAN-Präsident. Bis dato könnte die Entwicklung der Corona-Pandemie nur verfolgt und mögliche Konzepte für die Sicherheit entwickelt werden.