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Balingen Die Corona-Krise kann als Weckruf zur Umkehr dienen

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Beatus Widmann ist Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Balingen.Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Balingen. Die Corona-Krise ist nicht zuletzt auch eine Anfrage an unseren christlichen Glauben. Denn in ihr zeigt sich unsere große Verwundbarkeit, unsere Ohnmacht, aber auch unsere Verantwortung. Sie offenbart zudem die Abhängigkeit voneinander und von der Natur. Und so wächst je länger je mehr die Sehnsucht nach Halt, nach Orientierung und nach Hoffnung.

Für uns Christen stellen sich in der gegenwärtigen Krise auch alte und neue Fragen nach Gott und seiner Schöpfung, nach Heilung und Erlösung und nach dem, was Hoffnung gibt für die Zukunft.

Eine Frage, die in Predigten und Andachten zurzeit häufig gestellt wird, ist die Frage nach dem Sinn der Corona-Krise. Ist sie eine Strafe Gottes? Gehört sie zu den Kennzeichen einer "gefallenen Schöpfung"? Wie verträgt sie sich mit dem Glauben an Gottes Liebe und Fürsorge?

Der Glaube an Gottes Schöpfermacht und Liebe kann in Zeiten wie diesen einen Riss bekommen, denn wir erleben, dass vieles, was gerade geschieht, nicht Gottes Willen entspricht. Glaube und Erfahrung treten hier schmerzhaft auseinander.

Wie viele andere, so glaube auch ich nicht, dass die Corona-Krise eine Strafe Gottes ist. Dass Gott weder Krankheit noch Tod will, zeigt sich schon in den Geschichten des Neuen Testaments, in denen Jesus Menschen von ihren Krankheiten heilte und Tote auferweckte. In diesen Heilungsgeschichten weist Jesus einen ursächlichen Zusammenhang von Sünde und Krankheit unmissverständlich zurück. Und dennoch gibt es Mächte, die das Leben in Frage stellen und zerstören können.

Schöpfung haben wir als einen Prozess zu verstehen gelernt, in dem Gott nicht nur am Anfang die Welt aus dem Nichts erschafft, sondern sie auch unter Mühen gegen die Mächte der Lebensverneinung erhält und schließlich mit der Auferstehung Jesu damit beginnt, sie neu zu erschaffen. Gott ist also nicht als der jenseitige Herrscher – als "Puppenspieler" – zu verstehen, der über irdischem Leid steht, sondern als einer, der aus Liebe zu seiner Schöpfung in Jesus Christus in die von Nichtigkeit bedrohte Schöpfung eingeht, mit ihr leidet, mit ihr gegen die Nichtigkeit ankämpft und durch Leid und Tod hindurch die Schöpfung neu erschafft.

Ich sehe in der Corona-Krise einen Weckruf zur Umkehr. Ich glaube, dass Gott uns trotz der Erfahrung von Leid und Tod nicht zugrunde richten, sondern uns aufrichten und zu Recht bringen will. Die Welt könnte sich nach der Krise wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch und sozial zum Positiven verändern.

Schon jetzt spüren wir an einigen Punkten, wie uns die erzwungene Einkehr vieles neu entdecken und wertschätzen lässt, was wir vorher zu wenig wahrgenommen haben, wie etwa die hohe Bedeutung von alltäglicher Nachbarschaftshilfe und gesellschaftlicher Solidarität. Als systemrelevant erscheinen nun Menschen, die in den Krankenhäusern, den Pflegestationen, den Lebensmittelgeschäften oder anderswo in der Daseinsfürsorge ihren wichtigen Dienst tun. Regionale Wirtschaftskreisläufe und kurze Lieferketten gewinnen angesichts der aktuellen Lieferengpässe wichtiger Güter viel mehr an Plausibilität als die komplexen, nur an der Wirtschaftlichkeit orientierten globalisierten Wirtschaftsstrukturen und Lieferketten.

Auch der Glaube an die neue Schöpfung Gottes, die mit der Auferstehung Jesu begonnen hat, kann uns die Kraft geben, die Hoffnung für die Zukunft nicht zu verlieren, weil der Glaube uns eine Vision von der Fülle des Lebens gibt, die Gott für seine Schöpfung will. Wer nur aus apokalyptischer Angst die Vernichtung der Welt erwartet, verleugnet die Schöpferkraft Gottes, denn der Glaube erwartet nicht den Untergang, sondern die Verwandlung der Welt, ihre Neuschöpfung nach Offenbarung 21, 5: "Siehe, ich mache alles neu!"

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