"Eins, zwei, drei, Oberkörper frei": Die Chippendales bringen so die Damen in der volksbankmesse zum Kreischen. Foto: Thiercy

Durchtrainierte Stripper singen, tanzen - und machen sich nackig. Stimmung auf Siedepunkt.

Balingen - Wenn Männer reihenweise T-Shirts zerreißen und die Frauen verzückt kreischen, dann sind die Chippendales in der Stadt. Am Donnerstagabend füllten die tanzenden Stripper – oder strippenden Tänzer – die Messehalle in Balingen. Und die Sehnsuchtsdepots des weiblichen Publikums gelangten zum zum Siedepunkt.

 

Sie heißen Joey, Chris oder Corey und sind Teil der Chippendales-Familie. Die singenden, tanzenden und strippenden Herren sind seit 1979 von Amerika aus am Start. Und versprachen den Ladies die beste Nacht ihres Lebens.

Die allermeisten Damen hatten sich bestens vorbereitet und im heimischen Badezimmer geschminkt, gepudert und toupiert, was die Kosmetik so hergibt. Wie frau das eben macht, wenn sie ein Date hat mit einem sexy Typen. Oder, im Fall der Chippendales, gleich mit einem Dutzend.

Dieses Dutzend ist durchtrainiert bis zum Anschlag, sieht aus der jeweiligen Warte mal aus wie Barbies Ken oder ein wilder Rockstar und kann tanzen. Manche auch singen. Alle aber wissen besser als Elvis, wie man lasziv mit der Hüfte wackelt, den Popöter schwingt und sich immer wieder an die ganz intime Stelle fasst. Das ist es schließlich, was die Damenwelt von den Chippendales erwartet. Und schon beim ersten Auftritt bekommt, wenn die Herren sich auf dem Boden wälzen, als würden sie soeben tun, was Paare nun mal tun.

Gelegentlich taten sie das auch paarweise, pickten sich Mädels aus dem Publikum und bauten die in die durchgetaktete Choreografie ein. Nicht jede ließ sich so "get loose" – also ungehemmt – gehen, wie vom Moderator angekündigt. Die meisten hielten die Hände vors Gesicht, wenn ein Chippendale die zarte Damenhand nahm und an jene Körperregionen führte, die auf der anderen Seite des dann doch für alle im Saal sichtbaren nackten Hinterns liegt.

Pilot oder Bauarbeiter?

Cowboy, Pilot oder Bauarbeiter? Die Truppe ließ kein Klischee aus, wovon Frauen scheinbar träumen. Es kam an: Die Zuschauerinnen kreischten in den höchsten Tönen. Das schafft sonst nur eine Spinne in der Badewanne.

Gute Musik, auch ein Hauch von Romantik, wenn einer blutjungen Zuschauerin von einem sich langsam aus der Uniform blätternden Offizier und Gentleman der Hof gemacht wird. Dazu eine furiose Lightshow und wummernde Bässe. Tatsächlich ein Abend für alle Sinne, wie vom Veranstalter versprochen. Lustig war es auch.

Bei der "Chipp Shot"-Show traten vier Damen mit jeweils einem nur mit einer Hose bekleideten Tänzer um den Sieg an. Dabei galt es, seinem Chippendale so schnell als möglich die für die Truppe zum Markenzeichen gewordenen Fliegen und Manschetten anzulegen, ein (Kreisch!) pinkfarbenes Verhüterli auf eine Banane aufzuziehen und (Kreisch!) gemeinsam mit dem gestählten Akteur die wildeste Paarungs-Position zu finden. Am Ende siegte "Team Pink". Die Gewinnerin durfte einen Chippendale-Kalender für das kommende Jahr mit nach Hause nehmen. So schön.

Aber auch all jene Damen, die nicht wie ihre Kolleginnen immer wieder aus dem Publikum gepickt wurden, konnten sich mit den Traumtypen verewigen lassen. Nach der Show standen Chris, Corey und Kollegen für Fotos parat. Wer kein zerrissenes T-Shirt abbekommen hatte, um es aufs heimische Kopfkissen zu legen, konnte sich am Devotionalienstand eindecken.

Charmantes Detail: Auf den Stühlen lagen pinkfarbene Schleifen zum Anstecken ans am Donnerstag bei den meisten Damen tief ausgeschnittene Dekolletee. Plus Postkarten, auf denen die strippenden Sänger und Tänzer für die bundesweite Kampagne für mehr Aufmerksamkeit für Brustkrebs werben.