Sanierungen von Realschule und Gymnasium aufwendiger als gedacht. Rat spricht von Pfusch am Bau vor 40 Jahren.
Balingen - Bei der Sanierung der Balinger Realschule gab es bereits böse Überraschungen in Form von zusätzlichen Maßnahmen und, damit verbunden, höheren Baukosten. Bei der Sichelschule und beim Gymnasium ist es nicht anders.
Zur Balinger Sichelschule: Zwei Bauabschnitte wurden teurer als geplant, der vierte wurde vorgezogen, der dritte wird nun angegangen – die Umbau-, Sanierungs- und Renovierungsarbeiten halten Verwaltung und Gemeinderat auf Trab, und das noch längere Zeit. In seiner Sitzung am Dienstag stimmte der Gemeinderat zu, Mehrkosten, die bei den Bauabschnitten eins und zwei zusammengekommen waren, zu genehmigen. 1,6 Millionen Euro waren bewilligt gewesen, 1,8 Millionen Euro mussten schließlich bezahlt werden. Die Beseitigung von Betonschäden sowie zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen und Baukostensteigerungen werden vom Hochbauamt dafür unter anderem verantwortlich gemacht.
Weil es sich aus "bauablauftechnischen und wirtschaftlichen Gründen" angeboten hatte, Maßnahmen, die für den Bauabschnitt vier vorgesehen waren, teilweise vorzuziehen, sind Kosten von 206.000 Euro entstanden. Nach dem Ja des Gemeinderats werden sie über den aktuellen Haushalt finanziert.
Schließlich beschloss das Gremium, dass in diesem Jahr der dritte Bauabschnitt angegangen wird. Geplant ist unter anderem, vom Zeichensaal über der Turnhalle einen zweiten Rettungsweg herzustellen, Beton- und Brandschutzmaßnahmen vorzunehmen sowie vier Klassenzimmer zu richten. Die Kosten sind auf 550.000 Euro veranschlagt.
Vor der Sommerpause will sich der Gemeinderat noch einmal mit der Sichelschule befassen. Die Verwaltung soll bis dahin ausarbeiten, ob über die geplanten Maßnahmen hinaus weitere notwendig sind. Zudem soll der Zeitplan nochmals überarbeitet werden, weil sich die Bauzeit aufgrund der Mehrleistungen verlängern könnte.
Zum Balinger Gymnasium: Auch dort fallen zusätzlichen Arbeiten und Mehrkosten an. Wie der Leiter des Hochbauamts, Frieder Theurer, mitteilte, würden im so genannten B-Bau Klassenzimmer saniert und Brandschutzmaßnahmen vorgenommen. Nun aber das: Nach dem Entfernen von Holzverschalungen kamen Schäden an der Betonkonstruktion zum Vorschein. "Zeitnah" soll die Sanierung angegangen werden, weshalb die Arbeiten bereits ausgeschrieben seien. In der nächsten Sitzung seien die Vergaben geplant. Schüler und Lehrer müssten sich aber auf eine längere Bautätigkeit an der Schule einstellen. Und es sei davon auszugehen, dass Mehrkosten von rund 750.000 Euro anfallen.
Baudezernent Ernst Steidle erklärte, dass in einem 46 Jahre alten Gebäude "solche Dinge vorkommen können". "Handwerkliche Schlechtleistungen" in einem Abschnitt müssten aber nicht bedeuten, dass im ganzen Gebäude Schäden zu erwarten seien. "Aber mit Sicherheit ist dies nicht auszuschließen", so Steidle.
Während Peter Seifert (Grüne) von "Pfusch am Bau" sprach, schlugen Dietmar Foth (FDP) und Angela Godawa (SPD) vor, das Gymnasium und auch schon einmal das Schulgebäude Auf Schmiden genau zu untersuchen, die etwa gleich alt seien. Klaus Hahn (CDU) riet aber augenzwinkernd davon ab, entsprechend dem Motto: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß." Zunächst seien die aktuellen Aufgaben zu erledigen, bevor neue angegangen werden.