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Balingen Bang Your Head: Fahrer verteidigen Vince Neil

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Vince Neil eine Diva? Nein, sagen zwei, die längere Zeit mit ihm verbracht haben. Foto: Klebitz/Engelhardt

Balingen - Sein Auftritt am späten Freitagabend beim Bang-Your-Head-Festival in Balingen wird von Musikkennern kontrovers diskutiert, viele empfanden ihn als enttäuschend. Veranstalter Horst Franz entschuldigte sich sogar dafür bei den vielen Metal-Fans. Zudem ließ sein Gebaren hinter der Bühne viele den Kopf schütteln: Vince Neil, US-amerikanischer Musiker und früherer Sänger der Band Mötley Crüe, hat beim "Bang Your Head" 2017, vorsichtig formuliert, gemischte Gefühle ausgelöst. Zwei Balinger, die am vergangenen Wochenende intensiv mit Neil Kontakt hatten, brechen nun eine Lanze für ihn: Der 56-Jährige selbst sei alles andere als eine selbstverliebte, arrogante und eitle Diva – sondern ein "Mensch wie du und ich". Dass während der Balinger Festivaltage ein anderer Eindruck entstanden sein könnte, sei allein die Schuld von Neils Management, sagen Christian Stumpp und Nadja Zunzer.

Stumpp und Zunzer müssen es wissen, sie waren während der Bang-Your-Head-Zeit so intensiv mit Neil auf engstem Raum zusammen wie sonst wohl nur dessen Partnerin: im Auto nämlich.

Vorgabe: nicht ansprechen und Radio ausschalten

Stumpp und Zunzer fungierten während zwei Tagen als Fahrer des US-Amerikaners. Sie holten ihn und dessen Partnerin Rain am Flughafen Stuttgart ab, brachten sie ins Hotel, nach Balingen und alles wieder retour.

Vor Beginn dieses Jobs hatten sie selbst ein wenig die Stirn gerunzelt – dies wegen der Bestimmungen, die für den Transport von Vince Neil gelten sollten: Als Fahrer – ausdrücklich gefordert waren ein Mann und eine Frau – sollten sie den Musiker im Auto nicht ansprechen, das Radio sollte während der Fahrt ausgeschaltet bleiben. Stumpp kam zu dem Job überhaupt nur, weil Neil angeblich nur in einer seinem Stardasein entsprechenden Limousine chauffiert werden wollte, eine solche aber kurzfristig nicht verfügbar war – und der 45-Jährige Balinger, früherer Schlagzeuger von "Parmesan", von Beginn an beim "Bang" als Techniker dabei, einen passenden Geschäftswagen beisteuern konnte.

Mit dem Auto von der Umkleide an die Bühne? Das fand selbst der US-Sänger "lächerlich"

Nadja Zunzer dagegen hat eine langjährige Erfahrung als "Fahrerin der Rockstars". Bestimmungen, wie sie für Neil galten, hat sie schon oft erlebt. Allzu eng sieht sie diese nie, insbesondere das "Sprecht-ihn-nicht-an-Gebot". Dazu sagt die 42-Jährige nur: "Mir wurde Anstand beigebracht, selbstverständlich sage ich ›Guten Tag‹ und gebe Menschen, selbst Rockstars, die Hand." Klar, sagt Zunzer: Man merke schnell, ob jemand in Ruhe gelassen werden wolle. Über die Jahre habe sie dafür ein recht gutes Gespür entwickelt. Auch, ob jemand eine Diva sei oder nicht. Vince Neil, sagt Zunzer, sei definitiv keine Diva – im Gegenteil.

Als Zunzer ihm sagte, dass sie aufgrund schriftlicher Bestimmungen eigentlich nicht ihm mit sprechen dürfe, habe er fast schon entgeistert reagiert: "Was, wo steht das?" Da sei ihr und Stumpp schnell klar gewesen: Das ist ein Normalo, der nur aufgrund von Bestimmungen seines Managements als Diva wahrgenommen wird.

Während den Fahrten unterhielten sich Zunzer und Stumpp angeregt mit Vince Neil und dessen Partnerin, über Gott und die Welt, das Rockstar-Leben, frühere Auftritte, Deutschland im allgemeinen und das Schwabenland im speziellen. Neil zeigte den Fahrern Fotos von seinem Anwesen in Nevada, von seinen Pferden dort. Sie fuhren an der Burg Hohenzollern vorbei, Neil fand es schade, sagen Zunzer und Stumpp, dass er keine Zeit habe, das majestätische Gemäuer zu besuchen. Sympathischer Smalltalk. Alles ganz unkompliziert.

Kompliziert wurde es erst, als Vince Neil auf dem Festivalgelände in Balingen ankam. Sofort hätten ihn seine Manager abgeschirmt und in die Umkleide gelotst. Zunzer und Stumpp erhielten die Vorgabe, um 21.15 Uhr am Freitagabend, kurz vor dem Auftritt also, mit laufendem Motor auf Neil und dessen Band zu warten, um ihn – Luftlinie 50 Meter – zur Bühne zu fahren. Das habe Neil selbst als "lächerlich" bezeichnet, sagen Stumpp und Zunzer: "Ich kann doch laufen!" habe er gesagt. Aber keine Chance: Auch nach dem Auftritt wurde er von seinem Management – "Sicherheitsgründe" – ins Auto gedrückt und zurück zur Umkleide gefahren.

Nach der Show, auf der Fahrt zurück nach Stuttgart, sei der Amerikaner wegen der Reaktionen richtig niedergeschlagen gewesen, sagen dessen Fahrer. Er habe ihnen das Konzept des Auftritts erläutert: Demnach sei er – was viele kritisierten – bewusst in den Hintergrund gegangen, damit nicht er, sondern seine hervorragende Band im Mittelpunkt stehe und sich den Applaus abhole, den sie verdient habe. Während der Rückfahrt signierte Neil noch Autogramme für die Kinder von Nadja Zunzer und Christian Stumpp, mit persönlichen Grüßen. Am Hotel angekommen, verabschiedete sich der Amerikaner mit festen Umarmungen von seinen Fahrern.

Auf den Menschen Vince Neil lassen Nadja Zunzer und Christian Stumpp unisono nichts kommen. Den Musiker und dessen Show bewerten sie, wie viele "Bang-Your-Head"-Besucher, ganz unterschiedlich: Stumpp fand Neil selbst schwach, dessen Band aber "saugut". Zunzer fand den Auftritt insgesamt "super": "Ich habe alle Lieder gehört, die ich hören wollte."

Mehr zum Bang Your Head in unserem Special.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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