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Balingen Aus Flüchtlingen werden Freunde

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Sie tragen die Botschaft der vielköpfigen Skulptur vor der Arbeitsagentur mit: "Frieden, Gemeinschaft, Miteinander". Von links: Jean-Claude Canoine, Erwin Feucht, Berthild Fechner und Wolfgang Strasser vom Balinger Arbeitskreis Asyl. Foto: Ungureanu Foto: Schwarzwälder Bote

Sie organisieren Feste, geben Sprachunterricht, sammeln alte Fahrräder, helfen bei Behördengängen und beim Ausfüllen von Formularen: Die 20 bis 25 Mitglieder des Balinger Arbeitskreises Asyl haben in der Beckstraße zusammengefunden.

Balingen. "Die Gemeinschaftsunterkunft in der Beckstraße ist unser Zuhause", sagt Wolfgang Strasser. Auch bei der katholischen Kirche sei man mit offenen Armen aufgenommen worden: Das Café Asyl, das jeden Mittwoch ab 16 Uhr geöffnet ist, ist zur Dauereinrichtung geworden.

Seit fünf Jahren seien sie in der jetzigen Konstellation aktiv, erzählt Erwin Feucht. Aber der Arbeitskreis stoße an seine Grenzen: Zwar habe Balingen durch das Lea-Privileg Glück gehabt und sei zu Spitzenzeiten der Flüchtlingskrise nicht so stark betroffen gewesen. "Heute kommen weniger Flüchtlinge, aber die Unterkunft in der Beckstraße ist nach wie vor voll. Und zu vielen, die neu ankommen, haben wir keinen Draht mehr, weil uns zu wenige unterstützen."

Schön wäre es, wenn sich ein paar Neue finden würden, "die offen sind und helfen wollen", meint Feucht. Wolfgang Strasser fügt hinzu, dass auch eine Patenschaft übernommen werden könne, etwa, "wenn man jemandem Deutsch beibringen will".

Viele würden ins Café Asyl kommen und um Hilfe bitten, weiß Jean-Claude Canoine. "Auch Leute aus Albstadt und Hechingen." Ursprünglich, erinnert sich Berthild Fechner, sei auch regelmäßig Kinder- und Hausaufgabenbetreuung angeboten worden, zudem Spiele. Das sei durch die Angebote an der Sichelschule weniger geworden. Nach wie vor sei mittwochs ab 19 Uhr die Fahrradwerkstatt in der Beckstraße geöffnet. Und nach wie vor suche man Fahrräder – hauptsächlich für Kinder, aber auch für Erwachsene. Gegen einen kleinen Obolus erhalte ein Flüchtling ein Fahrrad.

Weiterhin werde Deutsch-Unterricht gegeben, und zwar von Anfang an. Denn auf einen Integrationskurs müsse man zuweilen monatelang warten, weiß Berthild Fechner.

Der Arbeitskreis versuche zudem, Ferienaktivitäten anzubieten. Dafür gebe es Unterstützung vom Landkreis, von der Stadt und von der Stiftung Mensch der Sparkasse. In diesem Jahr geht es nach Löffingen in den Tierpark, ins "SchieferErlebnis" nach Dormettingen und zu einer Wanderung auf die Schwäbische Alb. Selbstverständlich seien bei diesen Aktivitäten nicht nur willkommen, fügt Canoine hinzu, sondern auch Kinder aus benachteiligten deutschen Familien.

Auch in diesem Jahr wird am letzten Ferienwochenende das Sommerfest in der Beckstraße gefeiert, und im September gibt es eine interkulturelle Woche mit Spezialitäten aus aller Herren Länder.

Den Kontakt halte man auch dann noch zu den Leuten, wenn sie seit Jahren in Balingen leben, ihre Ausbildung abgeschlossen haben und hier arbeiten, sagt Canoine: "Anfangs waren es Flüchtlinge, inzwischen sind es Freunde geworden." Ein Paar werde in diesem Monat heiraten, ein anderes im August. Die, die Fuß gefasst hätten, seien auch wichtig für die, die neu ankommen.

Doch auch die "Alten" brauchten zuweilen noch Hilfe: "Sie haben jetzt andere Probleme. Zum Beispiel mit der Steuererklärung."

Die Initiative "Sichere Häfen", an der deutschlandweit 50 größere Städte teilnehmen, habe Symbolkraft, sagen die Helfer. Vielleicht wäre das auch eine Option für Balingen oder für den Landkreis. Dabei erkläre man sich bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, die übers Mittelmeer gekommen sind: "Wir können die Menschen nicht ertrinken lassen."

Weitere Informationen: www.ak-asyl-balingen.de

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