Sieht erst einmal weiter so aus, wie er aussieht: der hintere Kirchplatz in Balingen. Der Gemeinderat hat die Entscheidung zur Sanierung und betreffend zweier Neubauten (vor der Bücherei, also vorne im Bild, und anstelle des Hauses genau gegenüber) vertagt. Rechts oben fliegt eine Taube davon. Foto: Maier

Nach Gemeinderatsbeschluss wohl kein Baubeginn mehr in diesem Jahr. Info-Veranstaltung ist abgesagt.

Balingen - Ein Beschluss und seine Folgen: Von Vertretern des Balinger Bürgervereins gab es am Dienstag Applaus, nachdem der Gemeinderat die Entscheidung zum hinteren Kirchplatz vertagt hatte. Baudezernent Ernst Steidle dagegen bewertet den Vorgang als "herben Rückschlag".

Wie berichtet, lag dem Gremium der Grundsatzbeschluss betreffend die Sanierung des Kirchplatzes sowie der Bebauungsplan zur Billigung vor, mit dem der Neubau eines großen Geschäfts- und Wohnhauses an der Ecke Adler-/Wilhelmstraße vorangetrieben werden sollte.

Beide Vorhaben hängen eng miteinander zusammen. Die Stadträte vertagten die Entscheidung – mit der Konsequenz, so Steidle gestern, dass in diesem Bereich, in dem städtebaulich "dringend etwas geschehen" müsse, nun wohl mindestens ein Jahr lang wieder nichts vorankomme. Es herrscht dort nun Eiszeit, auch über den Winter hinaus.

Geplant war, dass die Gebäude an der Ecke Adler-/Wilhelmstraße noch in diesem Frühjahr abgerissen und vom Sommer an der Neubau entstehen sollte. Die Entscheidung, den Beschluss auf voraussichtlich Mai zu verschieben, habe indes die Folge, so Steidle, dass sich das gesamte Verfahren bis zum Vorliegen des Bebauungsplans und der Baugenehmigung wohl in den Herbst hineinzieht.

Damit sei eigentlich heute schon sicher, so Steidle weiter, dass in diesem Jahr an dieser Häuserecke wohl überhaupt gar nichts mehr angepackt wird. Und so werde auch der Kirchplatz nicht wie geplant im nächsten, sondern erst im übernächsten Jahr hübsch gemacht und frühestens 2016 eingeweiht.

Die spannende Frage jetzt: Bleibt der Bauherr bei der Stange?

Es wird berteits seit zehn Jahren geplant

All das freilich unter der Voraussetzung, dass der Bauherr des Gebäudes Adler-/Wilhelmstraße bei der Stange bleibt – falls nicht, ist das gesamte Kirchplatz-Projekt gestorben. Steidle will sich mit dem Bauherrn demnächst treffen und die neue Sachlage "in Ruhe" erörtern, wie er gestern unserer Zeitung sagte.

Für den Baudezernenten ist die Entscheidung des Gemeinderats ein Rückschlag, der Beschluss kam, wie er sagt, auch "völlig überraschend". Seit zehn Jahren sei die Stadt planerisch am Kirchplatz dran, die aktuellen Planungen habe man dem Gemeinderat vorgestellt. Nach den nichtöffentlichen Vorgesprächen habe alles darauf hingedeutet, dass der Billigungsbeschluss für den Bebauungsplan, wie von der Stadtverwaltung formuliert, getroffen werden würde.

Zugleich sei klar gewesen, dass es vor dem endgültigen Satzungsbeschluss noch Gesprächsbedarf geben würde, besprochen und ausgemacht sei indes gewesen, dass dieser während der öffentlichen Anhörungsphase befriedigt werden könnte.

Deswegen ist nun auch die für Montag, 11. März, im Rathaus geplante Info-Veranstaltung abgesagt – eine öffentliche Anhörung ist mangels Beschluss nun nicht mehr dringend notwendig.

Wie schon am Dienstag im Gemeinderat machte Steidle gestern erneut deutlich, dass der hintere Kirchplatz aus stadtplanerischer Sicht "dringend" angegangen werden sollte. Durch die beiden geplanten Neubauten – an der Ecke Adler-/Wilhelmstraße (viergeschossig) sowie vor der Bücherei in Verlängerung zur Gaststätte Paulaner (dreigeschossig) – würde die "klassizistische Blockstruktur" der Balinger Innenstadt an dieser Stelle hergestellt und zugleich der hintere Kirchplatz seitlich "klar definiert".

Bedenken, dass die Neubauten die Stadtkirche, deren Schiff und den Platz erdrücken könnten, teilt Steidle nicht, im Gegenteil: Der Kirchplatz sei groß genug, und er sei breit genug für eine solche Bebauung. Viel breiter sogar als die Friedrichstraße, wo ebenfalls so hohe Gebäude stehen – wo aber niemand das Gefühl habe, von diesen Gebäuden erdrückt zu werden.