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Balingen Appell an die Vernunft und für Qualität

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Standen beim Bürgerdialog zum Thema "Besserer Umgang mit Müll – weniger ist mehr" Rede und Antwort (von links): Friedrich Scholte-Reh, Günther-Martin Pauli und Ulrich Kohaupt.Foto: Landratsamt Foto: Schwarzwälder Bote

Ein bisschen philosophisch ging’s beim letzten Bürgerdialog vor der Sommerpause zu. Landrat Pauli hatte Ulrich Kohaupt (Grüne) und den Leiter des Abfallwirtschaftsamts Friedrich Scholte-Reh zu Gast.

Balingen. Das Thema lautete "Besserer Umgang mit Müll – weniger Abfall ist mehr". Denn Abfall nützlich und umweltfreundlich zu entsorgen, das ist die eine Herausforderung, um des Problems Herr zu werden.

Die andere "Lösung" des Problems ist, das Dilemma gleich durch Müllvermeidung beim Einkauf an der Wurzel zu packen – und sich zu fragen: "Macht konsumieren denn glücklich? Oder sind es vielleicht ganz andere Dinge, die Lebensqualität schaffen?" Diese Fragen stellte Ulrich Kohaupt mit bedächtiger Eindringlichkeit in den Raum. Und Friedrich Scholte-Reh untermauerte mit schockierenden Zahlen und Fakten, wie rasant der Müllberg in Wohlstandsländern in den letzten Jahren gewachsen ist.

Beispiel textiler Müll: "Die Textil-Produktion hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt", sagte Scholte-Reh. Man muss kein großer Mathematikus sein, um zu begreifen, wieviel dann letztendlich entsorgt werden muss. Jedenfalls fragte Scholte-Reh dazu weiter: "Geht es beim Einkaufen nur noch um den Akt des Shoppens, und wird dabei gar nicht mehr auf Langlebigkeit, also die Qualität der Produkte, geachtet?" Nicht wegwerfen sei das Motto, sondern wertschätzen, was man hat. Da sei jeder Einzelne in der Pflicht.

Oder das Thema Hausmüll: "Je größer der sogenannte Wohlstand, desto größer auch die Müllberge." Mit 600 Kilogramm Hausmüll pro Jahr und Kopf sei Deutschland Spitzenreiter mit Ländern wie der Schweiz und den USA (700 Kilogramm).

Warum geht Plastik ins Ausland und ins Meer?

Ein Zuseher wollte dann wissen: "Warum wird unser Plastikmüll immer noch ins Ausland geschafft, um dann letztendlich in den Weltmeeren zu landen?" Hier sei das Duale System Deutschlands (DSD, Gelbe Säcke) in der Pflicht. "Das DSD muss dafür sorgen, dass Plastikmüll nicht mehr exportiert wird", sagte Kohaupt. Wirtschaftlich schwachen Ländern wie Malaysia dürfe kein finanzieller Anreiz mehr gegeben werden, diesen Müll zu "entsorgen". Hier müsse die Bundespolitik eine anständige CO2-Bepreisung einführen, sodass "frisches Verpackungsplastik" für den Hersteller teuerer ist als recyceltes. Ebenso seien Länder und Bund in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass es sich ökonomisch und ökologisch auch lohnt, Plastik zu recyceln.

Im Laufe des Dialogs kam das Gespräch auf ein weiteres "Müllproblem", das allerdings ganz allein von manchen Bürgern verursacht wird: die Verdreckung und Vermüllung von Glas-Container-Standorten. "Im Zollernalbkreis gibt es mindestens zehn Container-Standorte, darunter in Balingen, Albstadt und Hechingen, die so vermüllt sind, "dass man gar nicht mehr mit dem Aufräumen hinterherkommt", so Scholte-Reh. Ein Container-Standort in Albstadt soll deswegen sogar abgeschafft werden. Denn: "Wenn die Vernunft bei den Menschen nicht mehr da ist, müssen wir reagieren", sagte der Leiter des Abfallwirtschaftsamts.

Deponielehrpfad bietet viele Einblicke

Und Landrat Günther-Martin Pauli mahnte: "Je mehr Geld wir für das Aufräumen von Müll ausgeben müssen, desto weniger Geld steht uns für andere Dinge zur Verfügung."

Weitere Fragen von Zusehern wurden diskutiert. Darunter auch "Was tun gegen überfüllte Mülleimer und wilde Müllentsorgung auf dem Lochen?", "Warum kann man ein Bobby-Car nicht im Gelben Sack entsorgen?", "Wie geht es weiter mit der Mülldeponie in Haigerloch?" sowie die Vor- und Nachteil einer Gelben Tonne im Vergleich zum Gelben Sack. Friedrich Scholte-Reh warb gegen Ende des Dialogs, der auf der Facebook-Seite des Landratsamtes und Instagram übertragen wird, für den Deponie-Lehrpfad in Hechingen, der über moderne Abfallwirtschaft informiert.

Günther-Martin Pauli verabschiedete den Bürgerdialog dann in die Sommerpause. Im September – ein genaues Datum oder Thema nannte Pauli nicht – soll es dann mit der 16. Ausgabe des Formats weitergehen.

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