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Balingen Angeklagter zieht Geständnis zurück

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Die Fahrzeuge der Polizeibeamten waren im Hof des Balinger Amtsgerichts abgestellt. Foto: Hauser

Balingen - Wegen Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung und Trunkenheitsfahrten steht ein Mann vor dem Amtsgericht. Nachdem er zu Prozessbeginn zunächst alle Vorwürfe eingeräumt hat, zieht er kurz vor dem Urteil sein Geständnis zurück.

"Unbeugsam" steht auf dem T-Shirt des Angeklagten. Auf der Rückseite prangt der Schriftzug "Mein Leben. Meine Regeln". Genauso geht der 60-Jährige durch sein Leben, und genauso benimmt er sich auch vor Gericht.

Die Anklagepunkte gleichen sich in den meisten Fällen: Der Mann hört in seiner Wohnung überlaut Schlagermusik. Die genervten Nachbarn rufen die Polizei. Die wird bei ihrem Eintreffen von dem 60-Jährigen von seinem Balkon herab als "Drecksbullen", "Wichser" und "Arschlöcher" beleidigt. "Ihr seid tot", droht ihnen der stämmige Mann, und: "Ich töte eure Kinder". Die Polizisten hat er auch von seinem Balkon aus gefilmt und das Video vom Einsatz auf Facebook veröffentlicht. Was folgt, sind immer wieder Strafanzeigen und Geldbußen.

Jetzt hatte sich der Mann am Montag und Dienstag vor dem Balinger Amtsgericht für weitere Taten zu verantworten. Neben den Beleidigungen gegen die Beamten stehen auch diverse Trunkenheitsfahrten zur Verhandlung, außerdem Unfallflucht und Körperverletzung.

So ist er mit 1,4 Promille ohne Führerschein mit mehr als 100 Stundenkilometern vor einer Polizeistreife in seinem BMW durch die Balinger Innenstadt geflohen, hat dabei eine rote Ampel ignoriert und eine Straßenlaterne demoliert. In mehreren Fällen hat er in Kneipen in Balingen und Dotternhausen randaliert und die alarmierten Polizisten beleidigt, geschlagen und getreten.

Beim Motorradtreffen im Juli 2018 in Geislingen hat er einen anderen Mann aus heiterem Himmel von hinten auf den Kopf geschlagen und an den Haaren gezogen. Der hatte ihn eine Woche zuvor von einem anderen Fest verwiesen, weil er rumgepöbelt hatte.

Rumgepöbelt hat er auch am Rande des Bang Your Head-Festivals, wo er betrunken mit seinem Elektroroller vorgefahren war. Als Polizisten ihm den Rollerschlüssel abnehmen wollten hat er sie als "Schwuchteln" tituliert und nach ihnen geschlagen. Den stellvertretenden Leiter der AOK in Balingen hat er telefonisch bedroht.

Die Monologe gleiten ins Wirre ab

Vor Gericht zeigt sich der Angeklagte völlig uneinsichtig, redet permanent dazwischen, verliert sich in Monologen, die meist ins Wirre abgleiten, kann keinen Gedanken zu Ende bringen. Er ist jähzornig und aufbrausend. Seinen Pflichtverteidiger, der ihn immer wieder davon abhalten will, die Richterin zu unterbrechen, herrscht er an: "Du hältst deine Gosch, wenn ich rede."

Der Mann hat ein Problem mit Autoritäten, speziell mit jungen Polizisten. Die sind für ihn "Grünschnäbel" und "Seicher". Das sei in seiner "Rockerzeit" entstanden, gibt er an. Und der Mann hat psychische Probleme, war bereits in stationärer Behandlung, hat auch schon Psychopharmaka verschrieben bekommen, ist erwerbsunfähig. Die Probleme habe er vor zwei Jahren bekommen, als seine Mutter gestorben sei, sagt der Mann vor Gericht.

"Manische Schübe" attestiert ihm der psychiatrische Gutachter. Die seien auch maßgeblich für seine Ausraster ursächlich, schlussfolgert der Psychiater. Der Oberstaatsanwalt spricht von einer "schiefen Phase", in die der Mann immer wieder gleite.

Eine ganze Reihe von Zeugen sind geladen, darunter viele Polizisten, die bei ihren Einsätzen mit dem Angeklagten zu tun hatten. Er ist im Balinger Revier bekannt. Sie berichten unter anderem davon, dass der Mann in der Gewahrsamszelle die ganze Nacht Selbstgespräche geführt habe. In kruden Reden habe er zudem Hitler und Erdogan gelobt. "Das ist mein Freund", unterbricht der 60-Jährige den Zeugen.

Ein anderer Beamter berichtet davon, dass der Mann aus einem Wald mitten in der Nacht per Notruf die Polizei gerufen habe. Vor Ort fanden sie das leere Auto vor, aus dem laute Musik dröhnte. Der Mann lag ein Stück weiter in einem Gebüsch. "Ich hatte den Eindruck, dass er Angst hat", sagt der Zeuge.

Kurz bevor Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten wollen, zieht der Angeklagte plötzlich sein ursprüngliches Geständnis zurück. Der Grund: Er ärgert sich, dass der Oberstaatsanwalt beantragen will, seine Fahrzeuge einzuziehen.

Jetzt wird der Fall am Dienstag, 13. August, ab 8.30 Uhr neu aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, dass sie auf keine Bewährungsstrafe plädieren wird.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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