Die Alten werden auch auf der Zollernalb immer älter, Kinder und Jugendliche sind laut Prognose bald nur noch eine Minderheit. Symbol-Foto: Dedert Foto: Schwarzwälder-Bote

Demografie: Jugendhilfe sieht in der demografischen Entwicklung der kommenden Jahrzehnte eine große Herausforderung

Von Gert Ungureanu

Kinder und Jugendliche werden in einer alternden Gesellschaft ein zunehmend "knappes Gut". Auch im Zollernalbkreis wird das bemerkbar: Die Zahl der unter 21-Jährigen wird bis 2030 voraussichtlich um 11,7 Prozent zurückgehen.

Zollernalbkreis. Die für das Jahr 2060 erwartete Einwohnerzahl wird sich nach Hochrechnung des Statistischen Landesamts auf das Niveau von 1990 einpendeln. An sich klingt das nicht dramatisch. Was aber eine besondere Herausforderung mit sich bringt, ist die Tatsache, dass es bedeutende Verschiebungen in den einzelnen Altersgruppen geben wird. In eine einfache Formel gefasst: Je jünger die Altersgruppe, desto höher die Verluste – und umgekehrt, je älter die Altersgruppe, desto höher die Zuwächse.

Der Anteil der unter 21-Jährigen wird sich von 20,8 Prozent im Jahr 1012 auf 17,4 Prozent im Jahr 2016 verringern. Das entspricht einem Verlust von 21 Prozent. Der stärkste Verlust wird in der Zeitspanne bis 2020 prognostiziert. Das laufende Jahrzehnt wird als das "kritische Jahrzehnt in der Kinder- und Jugendhilfe" gesehen.

Schrumpfen wird auch die Altersgruppe der 21- bis 65-Jährigen, also der Haupterwerbsfähigen: Das Statistische Landesamt geht von einem Rückgang um 18 Prozent aus. Hingegen legt die Altersgruppe der 65- bis 85-Jährigen im Vergleichszeitraum mit 47 Prozent kräftig zu.

Die Gruppe der über 85-Jährigen wird voraussichtlich auf 7,6 Prozent im Jahr 2060 anwachsen. Im Vergleichsjahr 2012 hatte diese Bevölkerungsgruppe lediglich 2,4 Prozent der Gesamtbevölkerung ausgemacht.

Die demografische Entwicklung bedeutet, dass Kinder, Jugendliche und ihre Familien zunehmend in eine Minderheiten-Rolle gedrängt werden könnten: Ihre Interessen und Bedürfnisse sind dann in mancher Hinsicht nicht mehr deckungsgleich mit denen der anderen Altersgruppen, heißt es im Bericht des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, der am kommenden Montag, 18. April, ab 17 Uhr im Jugendhilfeausschuss im Diasporahaus in Rangendingen vorgestellt wird. Darin wird deutlich gemacht, dass Familien mit Kindern eine besondere Lobby brauchen – in Kommunalpolitik und Gesellschaft. Unter anderem dürften die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in keiner Weise an deren soziale Herkunft gekoppelt sein. Das sei aber gerade in Baden-Württemberg noch besonders deutlich zu spüren. Demnach gelte es jetzt, gezielt in die Bildung der nachwachsenden Generation zu investieren – und damit auch in der Kinder- und Jugendhilfe.

Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Hilfen zur Erziehung gewinnen damit zunehmend an Bedeutung.

Als Beispiel wird der Anteil der ganztagsbetreuten Kindergartenkinder genannt: In Stuttgart machen sie in der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen 53,5 Prozent aus, in Heidelberg sogar 60,4 Prozent. Der Zollernalbkreis steht mit 10,2 Prozent schlecht da. Schlusslicht bildet der Landkreis Rottweil mit gerade mal 6,8 Prozent.

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