Oliver Schäffer (links) und Medira-Geschäftsführer Thomas Bogenschütz kontrollieren eine Prüfreihe.Foto: Reich Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Die Firma Medira entwickelt in Weilstetten eine besondere Form der Medizintechnik

Seit Oktober hat das Start-up-Medizintechnikunternehmen Medira seinen Sitz in Weilstetten. Dort werden minimalinvasive Herzklappen entwickelt und produziert.

Balingen-Weilstetten. Bei den Produkten, welche die Firma Medira herstellt, handelt es sich um metallverstärkte Hülsen, die um das erkrankte Blutgefäß im Herzen platziert werden und die Aufgabe der Herzklappe, also die Kontrolle über den Blutstrom, übernehmen. Dabei konzentriert sich Medira nicht auf die große Aortenklappe, da es für diesen Bereich bereits ein größere Anzahl von Produkten gibt, sondern auf zwei kleinere der insgesamt vier Herzklappen. Interventionelle Herzchirurgen und Kardiologen zählen zur Zielgruppe des Unternehmens.

Medira bietet schon heute einen besonderen Service für schwer erkrankte Patienten an, die mit den verfügbaren Mitteln nicht ausreichend behandelt werden können. Nach Vorgaben des behandelnden Arztes wird ein auf die individuelle Anatomie angefertigtes Implantat gefertigt: Per Computertomografie wird dazu das Gefäßsystem analysiert und dann von Hand ein maßgeschneidertes Implantat erstellt. Dieses wird dann komprimiert vom Kardiologen per Katheter über den Leistenkanal zum Herz geführt und dort entfaltet. Von diesem schonenden Eingriff – im Gegensatz zum klassischen Öffnen des Brustkorbes – profitieren besonders ältere Patienten.

Medira hat nach der Gründung im Februar 2020 im Oktober sein 1300 Quadratmeter großes neu gebautes Firmengebäude in Weilstetten bezogen. Momentan entsteht dort zusätzlich ein Reinraum, in dem die Luft besonders sauber gehalten wird. Medira ist auch Teil des Netzwerks Medical Valley Hechingen.

16 Ingenieure, Biologen, Techniker und Betriebswirte arbeiten momentan am Medira-Standort Weilstetten, 30 sollen es bis Jahresende sein, strebt Geschäftsführer Thomas Bogenschütz an. Er ist seit Jahrzehnten in der Medizintechnik tätig, hat in der ganzen Welt gearbeitet. "Der Gedanke, durch Innovationen Lebensqualität zu verbessern und Leben zu retten, treibt uns an", sagt er.

Bis die ersten Produkte in den Herzzentren zum Einsatz kommen, wird jedoch noch einige Zeit vergehen, denn das Zulassungs-Prozedere ist kompliziert, Labortests müssen durchlaufen und Studien gemacht werden. Sechs Jahre dauere es, bis das Unternehmen auf dem Markt verkaufen kann, schätzt Bogenschütz. Erst dann zeige sich, ob sich die Entwicklung rechne. "Man muss Mut haben", sagt der Geschäftsführer.

Darum arbeitet Medira mit einem Team aus Investoren und einem Management, das bereits in der Vergangenheit Medizintechnikunternehmen aufgebaut und geführt hat.

"Für uns ist es eine wahre Herzensangelegenheit und Lebensaufgabe, die wir mit ganzer Kraft und Leidenschaft wahrnehmen", sagt Thomas Bogenschütz.

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