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Balingen "Acht Tage am Strand wären nichts"

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Hermann Dietrich aus Kaiserslautern verbringt seinen "Kurzurlaub" bei der Sommerakademie in Balingen. Mit Keramik kreiert er Schalen, die er für seine Sammlung mit nach Hause nimmt. Fotos: Smaoui Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Sommerakademie der Balinger Volkshochschule geht in die vierte Runde: Eine Woche lang leben sich etwa 20 Kunstschaffende mit Druck, Malen und Keramik aus.

Balingen-Weilstetten. Dienstagmorgen, 10.30 Uhr. Immer wieder kratzt Alice Schäfer die weiße Farbe wie Butter aus der Schale und streicht sie auf die schwarze Keramikplatte. "Eigentlich wollte ich lieber den Holzbildhauerei-Kurs machen", sagt sie. Der sei jedoch wegen zu geringer Beteiligung ausgefallen, wie auch drei weitere von insgesamt sieben Angebotenen. Kurzerhand setzt sie sich mit "gebauten Kostbarkeiten aus Ton" auseinander. Theoretisch und praktisch. "Aber ich muss sagen: Ich bin sehr froh, dass ich diesen Kurs besuchen kann."

In dem großen, hellen Raum, der an den Kunstunterricht in einer Schule erinnert, arbeiten neben ihr noch sechs andere Teilnehmer – konzentriert und ruhig. "Jeder ist hier sehr für sich", sagt Renée Reichenbach. Die freischaffende Künstlerin aus Halle leitet den Kurs. Das Thema habe sie grob vorgegeben – "Artefakte". "Aber oft ist es so, dass jeder schnell seine eigenen Vorstellungen entwickelt." So wie Alice Schäfer: "Mal schauen was dabei herauskommt", sagt die Seniorin aus Überlingen. "Ich probiere mich jetzt einfach mal aus."

Hinter ihr sitzt Hermann Dietrich. "Mal schauen, was es wird", das ist nichts für den pensionierten Kunstlehrer aus Kaiserslautern. Mit klaren Vorstellungen macht er sich an seine dritte Keramikplatte. Zuhause hat er Hunderte – eine Sammlung aus den vergangenen 40 Jahren. "Die zwei habe ich gestern schon gemacht", sagt er und hebt vorsichtig die Tücher von den kreativ geformten Keramikschüsseln. "Ich muss immer etwas zu tun haben", sagt er. "Acht Tage am Strand zu liegen, das wäre nichts für mich."

30 Minuten später, ein Stockwerk höher, im Kurs des freischaffenden Künstlers Albrecht Weckmann: "Vom Zeichnen zum Drucken". Stefan Küblers Malkurs von nebenan ist am Vormittag ausgeflogen. Er lasse sich Impulse in der Kirchner-Ausstellung geben, sagt Weckmann.

Claudia Gassner streicht ihren weißen Kittel glatt und lässt die Augen über den Tisch wandern: Tasse Kaffee, Flasche Wasser und zahlreiche wild durcheinander gemalte Striche. Beziehungsweise: Wild durcheinandergemalte Striche sind es für Laien, für Gassner: die Kunst, sich intensiv mit ihrem eigenen Ausdruck auseinanderzusetzen.

Die Freiburgerin hat als Lehrerin beruflich wenig mit Kunst zu tun, privat dafür umso mehr: "Beim Malen taucht man konzentriert in etwas ein", sagt sie. "Man kann experimentieren und kreativ sein. Das gefällt mir sehr gut." Für sie sei Kunst und das künstlerische Werken außerdem ein Ausgleich zum Alltag. Auch vielen anderen geht es so. "Man denkt gar nichts", sagt eine Teilnehmerin. "Man konzentriert sich nur auf das Malen und lässt alles fließen."

Die meisten Teilnehmer der Sommerakademie kommen nicht aus Balingen, sondern aus Esslingen, vom Bodensee, aus Freiburg, Heidelberg oder Kaiserslautern. "Viele Leute sind bereit zu reisen", sagt Weckmann. "Sie schauen nicht danach, was in der Nähe angeboten wird, sondern welche Bilder oder Themen sie ansprechen." Claudia Gassner, Hermann Dietrich, Alice Schäfer – alle drei haben sich Ferienwohnungen oder Hotelzimmer für die Woche gemietet. "Das ist wie ein Kurzurlaub", sagt Schäfer. "Einen, den man für sich allein macht", ergänzt Gassner.

Das Besondere an der Balinger Sommerakademie sei darüber hinaus der Zugang zu allen Kursen. "Man hat sich zwar für einen entschieden", sagt Weckmann. "Aber viele Teilnehmer laufen auch mal in die anderen Räume und schauen sich die Arbeiten an."

Man treffe viele interessante Menschen, auf anregende Werke und habe den Raum, sich auszutauschen, sagt Gassner. "Das ist das Spannende daran und bereichert einen wirklich sehr."

Bis Freitag dauert die Sommerakademie der Volkshochschule in den Räumen in Weilstetten noch. Dann gibt es eine kleine Werkschau aller Kunstwerke, der Bilder, der Keramikobjekte, der Drucke, bevor der Kurzurlaub für die Teilnehmer zu Ende geht.

 

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