Das Strasser-Areal (vorne) auf einer Aufnahme von 1970 – die ehemaligen Fabrikgebäude werden bald abgerissen. Foto: Stadtarchiv

Demnächst werden die Bagger anrücken. Anwohner äußern Widerspruch.

Balingen - Später als ursprünglich geplant, aber sie kommen: Auf dem Strasser-Areal in Balingen rücken demnächst die Abrissbagger an. Der Gemeinderat hat den Auftrag mit einem Volumen von 186 000 Euro gestern an das Unternehmen Hipp+Strassenburg (Nehren) vergeben. Der Abbruch soll Platz schaffen für die Eyach-Arkaden, einem großflächigen Handels-, Dienstleistungs- und Wohnzentrum.

 

In einem ersten Schritt werden bis Mitte März das ehemalige Wohngebäude an der Stingstraße und der dahinterliegende Schuppen plattgemacht – in diesem Bereich wird dann der bisher quer unter dem Gelände verlaufende Kanal parallel zur Eyach hin verlegt. Sobald er verbuddelt ist, beginnt der Abriss der ehemaligen großen Fabrikgebäude; das soll laut Stadtplaner Michael Wagner im ersten Halbjahr 2013 erledigt sein. Anschließend kann der Neubau entstehen.

Das gesamte ehemalige Industrie-Ensemble sollte ursprünglich schon in diesen Tagen abgerissen sein – der Auftrag war bereits im September 2012 ausgeschrieben worden. Dann aber kamen der Bebauungsplan und die Baugenehmigung ins Stocken; beidem letztendlich zu stimmte der Gemeinderat erst im Dezember. Vor diesem Beschluss wollte die Stadt "aus Gründen des Stadtbildes" (Michael Wagner) nichts abreißen – sonst hätte monatelang eine offene Baugrube mitten in der Stadt geklafft.

"Solange es keinen Baustopp gibt, reißen wir ab"

Derweil ist die Rechtskräftigkeit der Baugenehmigung für die Eyach-Arkaden in Frage gestellt: Stefan Burghard hat, wie er es bereits im Dezember ankündigte, dagegen Widerspruch eingelegt. Diesem will er zudem einen Eilantrag auf vorläufigen Rechtsschutz beim Verwaltungsgericht Sigmaringen folgen lassen, einen Normen- kontrollantrag gegen den Bebauungsplan werde er "prüfen", so Burghard.

Burghard wohnt mit Familie an der Straße Im Roßnägele und damit unmittelbar hinter dem geplanten Neubau: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite seines Wohnhauses wird, wenn die Planungen wie derzeit vorgesehen umgesetzt werden, eine zwischen 17 und 18 Metern hohe und rund 120 Meter lange Wand errichtet. Sein Ziel sei es, die massive Bauweise der Eyach-Arkaden weniger erdrückend ausfallen zu lassen. "Ich werde nicht hinnehmen", so Burghard, "dass ich künftig buchstäblich auf der Schattenseite dieser Konsumwelt leben muss." Ohnehin wundere es ihn, dass von der anderen Eyach-Seite keine Einwände gegen das Vorhaben laut werden: Die Bewohner Klein-Venedigs hätten künftig allein die Arkaden im Blick; unmittelbar nach dem Eyach-Ufer gehe der Gebäudekomplex "gnadenlos rauf" auf bis zu 19 Metern Höhe.

Das Stadtplanungsamt will den Abbruch derweil unabhängig vom anhängigen Rechtsverfahren ausführen lassen. "Solange es keinen Baustopp gibt, reißen wir ab", sagte Michael Wagner. Befürchtungen, dass wegen des Widerspruches eine offene Baugrube drohe, habe er nicht, so Wagner weiter: "Wir sind optimistisch und gehen davon aus, dass die Baugenehmigung und der Bebauungsplan Bestand haben werden." In beiden Verfahren habe das städtische Bauamt "so gründlich wie wahrscheinlich noch nie" gearbeitet.