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Balingen 747 Schuss Munition im Safe vergessen?

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Für den Besitz von Munition ist ein Balinger vom Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Foto: Bigwuschel - stock.adobe.com

Balingen/Hechingen - Ehrlichkeit wird bestraft: Diese Lehre nimmt ein 66-Jähriger vom Hechinger Landgericht mit auf den Weg. Weil er den Waffenkontrolleuren des Balinger Ordnungsamts freimütig eröffnet hatte, dass er noch Munition habe, die er abgeben wolle, wurde er zu 25 Tagessätzen à 45 Euro verurteilt. Die Begründung: Er habe fahrlässig gehandelt.

Was war geschehen? Der ehemalige Unternehmer, der seit einem Jahr im Ruhestand ist, hatte von seinem Vater mehrere, darunter auch historische Schusswaffen geerbt. Er hatte sie registrieren lassen und bewahrte sie in einem Waffenschrank in seinem Haus ordnungsgemäß auf. Das hatten mehrere Kontrollen durch die Behörde bestätigt.

Mann klagt gegen Strafbefehl

Das Problem: Im Panzerschrank im Büro des Unternehmens lagen noch 747 Schuss Munition. Zum Teil handelte es sich um Platzpatronen, zum Teil auch um historische Geschosse unterschiedlichen Fabrikats, die zu den Waffen passten. Von den Kontrolleuren wurde er nicht nach etwaiger Munition gefragt, doch irgendwann fiel ihm ein, was im Tresor des Unternehmens lag. Er holte die Munition mit seinem Privatauto ab, brachte sie nach Hause, meldete es dem Ordnungsamt. Ein Abholtermin wurde vereinbart.

Er habe sich dabei keine Gedanken gemacht, er wisse aus der Zeitung, dass es strafbar sei, Munition zu besitzen, sagte er vor Gericht. Diese sei dann auch von zwei Herren in Empfang genommen worden mit der Bemerkung, man werde sich bei ihm melden.

Ein paar Tage später flatterte ihm ein Strafbefehl ins Haus: 1000 Euro sollte er wegen unerlaubten Besitzes von Munition bezahlen. Dagegen klagte er, und der Fall landete vor dem Balinger Amtsgericht. Das sah die Schuld als erwiesen an und verhängte eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen à 150 Euro.

Dem Urteil hatte der gelernte Schreinermeister widersprochen, und die Sache wurde vor dem Landgericht erneut aufgedröselt – mit dem Ergebnis, dass es bei den 25 Tagessätzen blieb. Was sich änderte, war der Betrag. Der wurde, weil der 66-Jährige mittlerweile eben von Rente lebt, in zweiter Instanz nach unten korrigiert.

Angeklagter erwartet Freispruch

Was er sich von dieser Verhandlung verspreche, erkundigte sich der Vorsitzenden Richter. Eigentlich, sagte der 66-Jährige, der ohne Verteidiger erschienen war, hätte er als unbescholtener Bürger einen Freispruch erwartet und ein Dankeschön dafür, dass er ehrlich gewesen sei und die Munition dem Ordnungsamt übergeben habe. "Hätte ich von Anfang an gewusst, was auf mich zukommt, hätte ich die Patronen im Wald entsorgt – oder sie einfach in die Eyach geschmissen", sagte er.

Seiner Argumentation, dass es sich nicht um sein Eigentum gehandelt und er die Munition lediglich im Safe verwahrt habe, konnte der Vorsitzende Richter nicht folgen. Verwahrt für wen? Der Vater, dem die Munition gehört hatte, sei vor 20 Jahren verstorben. Somit sei der jetzt Angeklagte zum Besitzer geworden. Und dass er, wie er mehrfach beteuerte, die Munition im Panzerschrank schlichtweg vergessen habe, wollte Richter Schwarz nicht gelten lassen. Man könne ein, zwei Patronen vergessen, sagte er, vielleicht auch drei. Aber keine 747. An dem Tatbestand ändere sich nichts, betonte die Staatsanwältin, wenn der Angeklagte behaupte, dass er gar nicht mehr daran gedacht habe, was in dem Tresor lag. Mehr noch: "Er zeigt keine Reue. Er erwartet Dank dafür, dass er es der Behörde gemeldet und übergeben hat."

Von einem milden Urteil im "untersten Bereich" sprach der Richter, für eine Straftat, die eher eine "Lappalie" sei, die es jedoch zu ahnden gebe. Immerhin: "Es war fahrlässig. Sie hätten genügend Zeit gehabt, sich rechtskundig zu machen", hieß es in der Urteilsbegründung.

Über den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit sinniert der 66-Jährige beim Verlassen des Gerichts. "Da rennt man als Bürger gegen Paragrafen", sagt er.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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