Abgestorbene Bäume wie dieser bleiben im Bannwald stehen – dort führt die Natur Regie. Foto: Eyrich

Seit 1939 ist "Untereck" zwischen Laufen und Meßstetten Bannwald. Nun soll er arrondiert werden – durch die Zugabe von neun Hektar Meßstetter Stadtwald. Darf der Forst dann überhaupt noch aktiv werden, wenn der Käfer kommt?

Meßstetten - Der gemeine Borkenkäfer ist das Schreckgespenst aller Waldbesitzer und Forstleute – und oft das Hauptargument der Gegner, wenn es darum geht, Bannwald auszuweisen. Was Bannwald genau bedeutet, hat Klaus Richert, Leiter der Forstamts-Außenstelle Albstadt, den Meßstetter Gemeinderäten bei ihrem jährlichen Waldbegang in wenigen Worten erklärt: Anders als beim Schonwald, wo nach bestimmten Zielvorgaben gewirtschaftet wird, ist im Bannwald gar keine Bewirtschaftung erlaubt. Der Wald wird sich selbst überlassen.

Schon früh habe die Landesforstverwaltung Bannwälder ausgewiesen, weil man wissen wollte, was passiert, wenn die Natur Regie führt. Das Gewann "Untereck" zwischen Laufen und Tieringen ist seit 1939 Bannwald und damit einer der ältesten in Baden-Württemberg. Er liegt zum größten Teil auf Laufener Gemarkung, und die Stadt Albstadt will nun weitere Flächen in den Bannwald einbringen. Der Grund: Dafür gibt’s Ökopunkte – vier pro Quadratmeter. Bei 29 Hektar kommen da 1,3 Millionen Ökopunkte zusammen.

In diesem Zuge biete sich eine Arrondierung mit Meßstetter Flächen in der Größenordnung von neun Hektar an, so Richert. Außerdem werde der Zollernalbkreis eine Fläche einbringen, und das Tieringer Unternehmen "Mattes + Ammann" eventuell auch. Nicht zuletzt besitzt der Bund Naturschutz Neckar-Alb ein Stück Fläche – auch die käme hinzu. Der bisher 86 Hektar umfassende Bannwald würde also um 40 Hektar insgesamt anwachsen – wenn alle mitmachen. Die Meßstetter Gemeinderäte haben über ihren Wald das letzte Wort.

Warntafeln an allen Wegen mahnen: Holz kann herunterfallen

Die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg werde die Entwicklung des Bannwalds dann wissenschaftlich beobachten und begleiten. Ziel sei es, die Buchen und Tannen dort zu erhalten.

Was aber passiert, wenn der gefräßige Borkenkäfer einfällt? In solchen Fällen greifen Forstleute und Waldarbeiter stets sehr zügig ein, entnehmen Schadholz und entziehen dem Schädling die Lebensgrundlage. Im Bannwald aber sind Eingriffe eigentlich tabu. "Bei Käferbefall aber sind mit Zustimmung gewisse Maßnahmen möglich", erklärte Richert den Räten. Außerdem dürfe im Bannwald auch gejagt werden. Schließlich ist es den Rehen egal, ob die jungen Triebe, die sie anknabbern, der Naturverjüngung entspringen oder den Bäumchen, die jemand gepflanzt hat.

Wichtig für Waldspaziergänger: Alle Wege, die in einen Bannwald führen, sind mit Warnschildern versehen, die Wanderer beachten müssen – und sollten. Denn wo der Wald nicht durchforstet wird, ist die Gefahr, dass ein toter Ast herunter und geradewegs auf den Kopf eines Menschen fällt, größer als im Forst.