Der Porsche 911 ist seit jeher das Markenzeichen des Sportwagenbauers. Bei seinem Börsengang soll das Grundkapital öffentlichkeitswirksam auf 911 Millionen Aktien aufgeteilt werden. Die Wertpapierkennnummer ist POR911. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Es könnte der größte deutsche Börsengang seit dem der Telekom werden. Voraussichtlich von diesem Montag an können Privatanleger Aktien der Porsche AG zeichnen. Wer sie haben will, muss wissen, wo sie oder er sie bekommt. Und sich der Risiken dabei bewusst sein.

Zwischen 7,5 und 10 Milliarden Euro soll der Börsengang des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche in die Kassen des VW-Konzerns spülen. Auch Kleinanleger sollen zum Zuge kommen. Aber wie?

 

Wie kommen private Anleger an das Papier?

Die Aktie wird im sogenannten Bookbuilding-Verfahren an die Börse gebracht. Dabei wird vorab eine Preisspanne festgelegt, zu der Volkswagen die Papiere bei den Anlegern platzieren will. Aktionäre können bei bestimmten Banken ein Gebot abgeben und ihnen den Auftrag erteilen, eine bestimmte Zahl von Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen, der innerhalb dieser Spanne liegen muss. Je höher der gebotene Preis, desto höher die Chance, zum Zuge zu kommen. Liegt das bei der Bank eingereichte Gebot über dem Ausgabepreis, der rund zwei Wochen nach Beginn der Zeichnungsfrist festgelegt wird, muss trotzdem nur der Ausgabepreis gezahlt werden. Liegt das Gebot darunter, wird es gestrichen.

Gibt es eine Garantie, die Aktien zu bekommen?

Nein. Bei Börsengängen wird die Nachfrage privater Anleger oft nicht vollständig bedient. Wer die Aktien bekommt, wenn zu dem festgelegten Preis mehr Papiere nachgefragt als angeboten werden, entscheiden die Banken zusammen mit dem Volkswagen-Konzern, der sie an die Börse bringt.

Gehen alle Papiere an private Anleger?

Nein. Knapp fünf Prozent soll das Emirat Katar erhalten; weitere Pakete gehen auch an andere Großanleger. Entsprechend weniger Papiere stehen für die freien Aktionäre zur Verfügung. Allerdings betont Porsche, dass auch Kleinanleger zum Zuge kommen sollen. „Porsche ist eine Luxusmarke. Wir wollen aber auch sozial akzeptiert sein“, erklärte Finanzchef Lutz Meschke. Man wolle eine „ausgewogene Investorenstruktur inklusive Privatanlegern“. Es ist sogar zu erwarten, dass es eine Mindestzuteilung geben wird, so dass Privatanleger, die mindestens den Ausgabepreis geboten haben, nicht leer ausgehen.

Erhält man die Papiere bei jeder Bank?

Nein. In erster Linie sind dafür die sogenannten Konsortialbanken zuständig, die mit der Platzierung der Papiere beauftragt sind. Das sind bei Porsche die BW-Bank, die Sparkassen, S-Broker, die LBBW, Comdirect, die Commerzbank, die Consorsbank, die Deutsche Bank, Maxblue, die Bank DAB BNP Paribas und Uni-Credit. Andere Banken erhalten – wenn überhaupt – nur kleinere Zuteilungen.

Welche Alternativen gibt es zur Zeichnung der Aktien?

Rund 14 Tage nach Beginn der Zeichnungsfrist sind die Aktien an der Börse handelbar. Oft steigen die Kurse gegenüber der Erstnotiz, weil Anleger, die nicht zum Zuge gekommen sind, das Papier haben wollen. Indirekt wird man auch als Aktionär des Porsche-AG-Großaktionärs Volkswagen AG und von dessen Großaktionär Porsche SE Miteigentümer des Sportwagenherstellers.

Welche Risiken hat der Börsengang?

Porsche profitiert davon, dass viele Kunden von Krisen kaum betroffen sind. „Normalbürger werden Probleme bekommen, ihre Gasrechnung zu bezahlen“, sagt Reinhard Martius, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Wer sich einen Porsche leisten kann, könne seinen Konsum dagegen aufrechterhalten. Das komme auch Porsche zugute. Rückschläge für das Unternehmen, für die Branche oder die Aktienmärkte kann allerdings niemand ausschließen. So ist Porsche mit dem Taycan spektakulär in die Elektromobilität vorgestoßen; andererseits bergen der für Porsche wichtige chinesische Markt und die hohen Investitionen in neue Technologien auch Risiken.

Welche Rolle spielt der Verkauf von Aktien an die Porsche SE?

Im Zuge des Börsengangs übernimmt die von den Familien Porsche und Piëch dominierte Porsche SE ein weiteres 12,5-prozentiges Paket, das aus stimmberechtigten Stammaktien besteht. Da das Porsche-Grundkapital je zur Hälfte in Stamm- und in stimmrechtslose Vorzugsaktien aufgeteilt ist, sichert sich die Familie damit 25 Prozent der Stimmrechte. Hinzu kommt eine weitere Aktie, so dass die Porsche SE künftig eine Sperrminorität besitzt. Mit dem Kauf der Stammaktien sichern sich die Familien wieder direkten Einfluss auf den Sportwagenhersteller. Diesen hatten sie verloren, als sie Porsche nach dem 2009 verlorenen Kampf um die Übernahme von VW durch Porsche an den Wolfsburger Konzern abgeben mussten. Beim Börsengang dagegen werden ausschließlich Vorzugsaktien ausgegeben. Diese sind dafür günstiger und werfen garantiert eine Dividende ab – ansonsten erhalten auch sie ein Stimmrecht.

Bekommen VW-Aktionäre automatisch Porsche-Aktien?

Das ist nicht vorgesehen, obwohl Anleger der Gesellschaft, die die Aktien abgibt – wie etwa beim sogenannten Spin-off von Daimler Truck vor einigen Monaten –, die Papiere oft selbst erhalten und diese dann ihrerseits an der Börse handeln. Beim Börsengang von Porsche gehen die Aktien direkt an die Börse und an Investoren. VW plant, 49 Prozent der Erlöse an seine Aktionäre auszuschütten.

Welche Interessenkonflikte gibt es beim Börsengang?

Volkswagen will die Aktien teuer verkaufen; die Familie, die 25 Prozent der Stammaktien erwerben will, ist eher an einem günstigeren Preis interessiert. Anderseits profitiert auch sie als VW-Großaktionär von einem hohen Preis und einer hohen Sonderdividende. Porsche-Finanzchef Lutz Meschke sagt dazu, man arbeite „klar in die Richtung, eine faire Bewertung zu bekommen“.