Neues Programm, neuer Direktor: Beim „Circus Paletti“ stehen einige Veränderungen an. Unsere Redaktion war bei den Proben dabei.
Bei sämtlichen Akteuren des „Circus Paletti“ handelt es sich ausnahmslos um Amateurkünstler aus der Region, die aus reiner Lust in die Manege treten. Dass dies der hohen Programmqualität keinen Abbruch tut, zeigte sich bei der Generalprobe in der Stadthalle Ettenheim. Dort entwickelte sich über Stunden ein rasant-buntes Geschehen unter den Augen einiger aufmerksamer Beobachter – darunter die schon jahrzehntelang erfahrene Regisseurin Cordula Öhler mit ihrer seit zwei Jahren hinzugestoßenen Assistentin Natascha Span.
Zur Geltung kam besonders die neue Einrad-Nummer der „Monociclio“ ebenso wie die aktuell neunköpfige Tanzmädelgruppe. Beeindruckend war auch ein „Area Loop“ am Luftring, „Jumptastic“ am Seil oder vier Mädchen der „Beam-Dreams“ auf dem schmalen Schwebebalken. Sportliche Bodenakrobatik hatten die „Tamawi“ ebenso längst perfekt einzeln eingeübt, wie andere Akteure eine Jonglage-Nummer oder Diabolo-Kunst.
Die Vereinsgeschichte geht auf das Jahr 1989 zurück
Natürlich hatten auch die Jüngsten als „Paletti-Kids“ unter kritischen Augen zu beweisen, dass auch sie premieren- und manegenfest sind – was sie erwartungsgemäß prächtig hinbekamen. Das Publikum darf sich also darauf freuen, echte Zirkusluft zu schnuppern. Clownerien sind nicht nur vom Direktor Stefan Fehrenbach geboten, sondern auch von einem seiner Söhne, der als entwickelte neue Mixtur von Clown und „dummem August“, dem im allerletzten Augenblick alles daneben geht, für künftige Lacher sorgen könnte.
1989 hatten Peter Frey und Alois Goth als Duo den Ettenheimer Zirkusverein gegründet. Frey hatte sich als örtlicher Seilerei-Firmenchef selbst auf seine hoch hängenden gedrehten Produkte begeben. Beide sind heute im vergleichsweise hohen Alter. Selbst mit 80 Jahren lässt es sich Frey nicht nehmen, trotz gesundheitlicher Einschränkung, seinen Zirkus als begeisterter Zuschauer zu besuchen. Goth ist dem nicht minder treu geblieben: Bis heute steht er dem Verein aktiv zur Verfügung. Im Gespräch mit unserer Redaktion wurde Goth nach seinem aktuellen Befinden befragt. Er habe ein gutes Gefühl, die Zirkus-Sache laufe weiterhin toll. Ihm sei froh zumute, weil: „Es geht auch ohne mich weiter. Das ist schön.“ Sein Enkel ist mittlerweile technischer Zirkusdirektor. Goth freut sich auch im Namen seines einstigen Hochseil-Kollegen Frey mit. „Es ist sehr schön, wenn man sieht, was aus den Anfängen geworden ist“, betont er.
40 Kinder und Jugendliche engagieren sich im Zirkus
Derzeit sorgen rund 100 beteiligte Helfer für den jährlichen zehntägigen Zirkusbetrieb, darunter rund 60 aktive Artisten und sportliche Künstler in der Freiluft-Manege mitsamt 40 Kindern und Jugendliche als aktivem Nachwuchs. Der Vorsitzende und aktueller Manegendirektor Fehrenbach betont: „Wir sind jung, aber kein Kinderzirkus.“ Er räumt offen ein, dass es nicht ganz einfach sei, künftige Artisten in den Zirkus hineinzukommen, trotz jährlich angebotenem Workshop zum Hineinschnuppern. „Wir sind kein Familienbetrieb, aber dennoch finden wir viele unserer jungen Nachwuchskräfte schon in den eigenen Kinder- und Enkelreihen“, erklärt Feherenbach. Jedenfalls sei und werde man kein Ausbildungsbetrieb, aber bleibe dennoch grundsätzlich für weiteren Talent-Nachwuchs offen.
Joschua Spang übernimmt die Leitung
Auf Nachfrage verriet der nun mit 58 Jahren älteste Manegen-Aktive Fehrenbach, dass er nach elf Jahren Amtszeit bald den Direktor-Frack abgeben werde. Dennoch sei er sich sicher, dass der Verein munter weiterleben werde. Warum? „Wir sind alle Rampensäue und wollen die Auftritte immer noch besser hinkriegen.“ Mit Joschua Spang als seinem bisherigen Stellvertreter und Maximilian Schmidt stünden glücklicherweise zwei Zirkus-Eigengewächse zur Kandidatur für die künftige Vereinsführung bereit.
Was die Finanzierung angeht, hat Fehrenbach nur wenig Sorgen – dank zuverlässiger acht Sponsoren und vieler weiterer Spender. Sonst wäre das Paletti-Konzept stets schwierig zu realisieren gewesen, samt kostenträchtiger Technik und manch weiterer nötiger Ausgaben. Eine Ausnahme sind die Artisten-Gagen, die es weiterhin nicht gibt.
Info – Neuer Standort
Die diesjährige Sommersaison spielt sich in Rheinhausen ab. Eintrittskarten gibt es vor Ort. Nach dem vorjährig gastgebenden Ettenheimer Stadtteil Altdorf als „Spielplatz“ hat jetzt der „Circus Paletti“ mit dem geräumigen Festplatz in Rheinhausen einen neuen Standort gefunden. „Der Ort ist größer und verfügt über mehr Infrastruktur samt Stromversorgung“, begründet der Zirkus die Platz-Entscheidung. In Rheinhausen werden dann von Samstag bis Dienstag, 2. bis 5., sowie von Donnerstag bis Samstag, 7. bis 9. August, jeweils ab 15 und 20 Uhr die Vorstellungen stattfinden. Am Montag, 4. August, beginnt hier überdies um 10 Uhr ein Workshop für interessierte Freizeitartisten. Zum Leidwesen von Fehrenbach mussten die Eintrittspreise nach 36 Jahren erstmals leicht erhöht werden. Die Karten vor Ort kosten nun für Erwachsene zehn und für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren fünf Euro. Kinder bis drei Jahren erhalten freien Zugang. Am Freitag, 8. August, wird nach der Abendvorstellung noch eine öffentliche „After-Show-Party“ gefeiert.