Torjubel: Krassimir Balakov Foto: Baumann

Der Ex-VfB-Profi Krassimir Balakov erwartet Herz und Kampf im Südderby am Samstag.

Stuttgart - Am 24. September 1999 gewann der VfB Stuttgart zum bisher letzten Mal beim FC Bayern. Krassimir Balakov verwandelte einen Foulelfmeter zum 1:0-Sieg. "Mit Herz und Kampf kann der VfB wieder gewinnen", sagt der Ex-Spielmacher vor dem Duell an diesem Samstag.

Krassimir Balakov, Sie sind der Vater des bisher letzten VfB-Erfolgs beim FC Bayern und wissen am besten, wie man in München gewinnen kann.

Wir standen damals unheimlich unter Druck, ich und die ganze Mannschaft. Wir waren nach fünf Spieltagen Tabellen-Vorletzter, und dann musst du nach München und unbedingt gewinnen.

Sie lagen im Clinch mit dem damaligen VfB-Trainer Ralf Rangnick.

Klar, Rangnick und Balakov waren damals das große Thema. Ich musste sehr viel Kritik einstecken. Jeder hat von mir Tore erwartet.

Prompt trafen Sie zum Siegtor in München.

Na ja, wenn ich es mir richtig überlege, ist das gar kein schlechtes Rezept. Man muss die Jungs heißmachen.

Sind sie das nicht ohnehin gegen die Bayern? Worauf kommt es besonders an?

Gegen die Bayern ist es immer schwer, in München ganz besonders. Und dann haben sie in Arjen Robben und Franck Ribéry zwei Ausnahmespieler, die können jeden Gegner von einer Sekunde auf die andere zerlegen.

VfB kann die Überraschung schaffen

Wozu raten Sie dem VfB?

Gegen die beiden gibt es eigentlich keine Mittel. Den VfB kann nur ein Höchstmaß an Einsatz, Kampfbereitschaft, Wille und Konzentration retten.

Ihnen fehlt der Glaube für einen VfB-Sieg?

Es muss alles passen, wirklich alles. Dann kann der VfB eine Überraschung schaffen.

Die Bayern mussten am Mittwoch beim Pokalsieg in Schalke in die Verlängerung, nächsten Dienstag spielen sie in der Champions League gegen Manchester United. Spielt das im Unterbewusstsein eine Rolle - dass sie den VfB nicht hundertprozentig ernst nehmen?

Wir kennen doch alle die Psychologie im Fußball. Natürlich denkst du an so ein großes und wichtiges Spiel wie gegen ManU. Das steckt bei den Bayern auf jeden Fall in den Köpfen. Vielleicht unterläuft ihnen gegen den VfB die eine oder anderen Unachtsamkeit - dann musst du da sein. Der VfB muss die kleinste Kleinigkeit nutzen.

Der VfB hat eine miserable Hinrunde gespielt und ist jetzt die zweitbeste Rückrundenmannschaft. Wie verfolgen Sie die Entwicklung?

Wir haben zwei Sportkanäle im bulgarischen Fernsehen, auf denen jede Woche vier Bundesligaspiele live übertragen werden. Ich sehe den VfB häufig. Und ich sage Ihnen: Es ist völlig normal, dass es immer auf und ab geht. Das kommt und geht wie die Sonne und der Regen. Gut, andere Clubs haben das vielleicht besser im Griff. Aber seit Christian Gross den VfB trainiert, ist der Erfolg wieder konstant zurückgekehrt.

Sie waren Trainer in der Schweiz. Wie gut kennen Sie Christian Gross?

Sehr gut, wir kennen uns privat und aus zahlreichen Duellen in der Schweizer Liga, er mit dem FC Basel, ich als Trainer von Grasshopper Zürich.

Gehöre noch immer zur roten Familie

Wer gewann häufiger?

Oh, daran kann ich mich nur schlecht erinnern. Jeder hat Spiele gewonnen, und wir haben auch mal unentschieden gespielt.

Was zeichnet Christian Gross aus?

Seine Ausstrahlung, sein Respekt und seine Autorität. Damit erreicht er die Spieler. Jetzt kann jeder wieder stolz auf den VfB sein - ich bin es jedenfalls.

Sie sind doch schon ein paar Tage weg.

Das spielt keine Rolle. Ich habe acht Jahre beim VfB gespielt, das ist heutzutage eine lange Zeit. Ich gehöre noch immer zur roten Familie. Mein Herz wird bis zu meinem letzten Stündchen für den VfB schlagen.

Ihr Tipp fürs Südderby?

Unser Torwarttrainer Lubo Sheitanov ist ein großer Bayern-Fan, der redet die ganze Woche von diesem Spiel, ich halte es kaum mehr aus. Ich hoffe, der VfB erwischt einen super Tag und macht den Bayern das Leben richtig schwer.