Mental voll bei der Sache: Wahl-Baiersbronnerin Laura Zimmermann Foto: ueberall.

Einfach mal abschalten, die Seele baumeln lassen, und die Füße hochlegen – kaum einer hat sich das so sehr verdient wie die Baiersbronnerin Laura Zimmermann. Doch selbst nach den Strapazen der vergangenen Wochen fällt das der 32-Jährigen schwer.

Noch Anfang Oktober stand Laura Zimmermann an der Startlinie für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Das bedeutet 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss noch einen Marathon – natürlich über die Länge von 42,195 Kilometern. Eine echte Tortur, doch für Zimmermann nicht der einzige Ironman in diesem Jahr. Auch bei der Weltmeisterschaft Anfang Mai im US-Bundesstaat Utah (Ersatztermin für die 2021 ausgefallene WM auf Hawaii) ging die 32-Jährige an den Start. Beim Ironman im August in Irland ist sie zudem Zweite geworden. "Das ist schon etwas sehr besonderes. Es sind nur zwei Profifrauen bei beiden Weltmeisterschaften gestartet. Anne Haug (Anmerkung der Redaktion: Haug ist die Top-Triathletin Deutschlands) und ich", erklärt Zimmermann im Gespräch. 

 

Ein Termin jagt den nächsten

Die Wahl-Baiersbronnerin, die seit 2016 mit ihrem Freund im Nordschwarzwald lebt, hat sich die Pause also redlich verdient. So richtig konnte Zimmermann aber noch nicht abschalten, denn Ende Oktober stand noch der Frankfurt-Marathon auf dem Plan. "Der Schuh-Sponsor hat in dem Rahmen ein Event veranstaltet. Ich bin dann bei der Staffel mitgelaufen", sagt die 32-Jährige. Kein großes Ding, wie die Triathletin auf Nachfrage erklärt. Der Ungeübte dürfte sich dennoch fragen: "Wann schaltet die Frau endlich mal ab?"

Zimmermann gibt zu: "Mir fällt es relativ schwer, nichts zu machen. Deswegen bin ich in der Zeit ohne Wettkämpfe gerne weg. Dann hab ich was zu erleben." Nach dem Ironmann auf Hawaii hat die 32-Jährige erstmal ihre Füße hochgelegt und die Inseln erkundet. "Ich hatte schon relativ lange keinen Urlaub mehr. Meine Eltern und mein Freund waren auch auf Hawaii. Big Island ist nicht wirklich eine schöne Insel. Wir waren dann aber noch eine Woche auf Kauai, die auch Garden-Island genannt wird", sagt die gebürtige Allgäuerin.

Kosten von rund 15.000 Euro

Insgesamt vier Wochen dauerte das Erlebnis für Zimmermann. Angesichts geschätzter Kosten von rund 15.000 Euro nicht leicht zu stemmen für die 32-Jährige. Hinzu kommt, dass die Wahl-Baiersbronnerin für ihren 23. Platz kein Preisgeld erhalten hat. Schon bei der Weltmeisterschaft in Utah hatte Zimmermann nur knapp den Bereich verpasst. Damals belegte die Triathletin Rang 16 - es erhalten jedoch nur die ersten 15 Preisgelder. Die Reisekosten beliefen sich Anfang Mai auf rund 8000 Euro. "Auf Hawaii ist auch alles sehr teuer. Nur das Benzin ist günstig. Es ist schon traurig, dass man für die WM ins Minus gehen muss", sagt Zimmermann so deutlich und spricht dabei von einem Armutszeugnis. 

"Mache den Sport nicht, um reich zu werden"

Sie müsse für die nächsten Jahre überlegen, ob es sinnvoll sei, noch an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Die 32-Jährige stellt aber auch klar: "Ich mache den Sport nicht, um reich zu werden. Auf anderen Wegen ist es einfacher, Geld zu verdienen beispielsweise wenn ich als Zahnärztin tätig wäre. Man muss den Sport wirklich wollen und Spaß daran haben." Zimmermann ist studierte Zahnmedizinerin, hat ihren Teilzeitjob in einer Praxis jedoch Ende 2021 an den Nagel gehängt. 

In der sogenannten Off-Season – der Zeit ohne Wettkämpfe – gehe es nun darum, die Akkus wieder aufzufüllen. "Der körperliche Aspekt ist gar nicht so wichtig, es geht eher ums Mentale. Triathlon ist bei mir 24/7 Thema. Das bestimmt mein Leben." So legt sie wichtige Termine auch gerne in diese Zeit, damit sie während des Jahres nicht das Training einschränken. Zwar sei ein Friseurbesuch natürlich auch zwischen den Wettkämpfen drin, aber auch solch ein Termin findet sich gerne in der Off-Season wieder, und in diesem Fall sei er auch nötig gewesen, wie Zimmermann schmunzelnd erzählt. 

Tests in Silverstone

Ein weiterer wichtiger Termin hat die 32-Jährige jüngst nach London geführt. "Ich war auf dem Fahrrad in einem Windkandal in Silverstone. Die Technik ist im Feld mittlerweile so ausgereift, dass man das machen muss. Man muss da schon alle Register ziehen", sagt die Wahl-Baiersbronnerin. In Deutschland habe sie dafür keine Möglichkeit gefunden, nahezu alle Termine seien vergeben. Nicht zu erwähnen, dass die Kosten von 1500 bis 2000 Euro natürlich für ein weiteres Loch in der Kasse sorgen. 

Bereits Mitte November geht es für Zimmermann dann schon wieder ins Trainigslager – in diesem Fall auf die kanarische Insel Fuerteventura. "Ab November wird es in Deutschland normalerweise ungemütlich", erklärt die 32-Jährige ihre Reise nach Spanien und sagt weiter: "Viele denken dann, es handelt sich dabei um Urlaub, aber das ist definitv nicht so." 

Laura Zimmermann ist stolz

Das turbulente Jahr der Laura Zimmermann endet nun also mit einem 16. und einem 23. Platz bei zwei WM-Starts. In Utah war die 32-Jährige gar nicht zufrieden mit ihrer Leistung – die Gründe hierfür sind bekannt. In der Folge erkrankte die Triathletin dann noch an Corona – ein Saisonstart zum Vergessen. Mit ihren Leistungen in der zweiten Hälfte ist Zimmermann dann durchaus zufrieden, auch mit ihrem Rennen auf Hawaii. "Ich bin stolz, dass ich es bei der Hitze ins Ziel gebracht hab. Ich hab viel gelernt und weiß, woran ich arbeiten muss", sagt die gebürtige Allgäuerin. Und was ist mit der Zukunft, wie geht es nun weiter?

In ihrer Brust schlagen drei Herzen

"Nächstes Jahr mache ich auf jeden Fall noch weiter. Ich möchte schauen, wozu ich imstande bin, wenn alles glatt läuft. Ich hab in diesem Jahr nicht das Optimale herausholen können", blickt die 32-Jährige voraus. Und dann? Die 31-Jährige kommt gebürtig aus Marktoberdorf nahe der österreichischen Grenze. An den Start geht sie für den SV Würzburg 05, und ihr Lebensmittelpunkt liegt in Baiersbronn. In ihrer Brust schlagen also gleich drei Herzen. "Ich weiß noch nicht genau, wo ich später leben will. Es fällt mir auch schwer zu sagen, wo ich mich am wohlsten fühle. " Am liebsten fahre sie Rad, und das gehe am besten im Nordschwarzwald. Auch der Schnee spreche für die Region, scherzt die passionierte Langläuferin. 

Bei einem ist sie sich aber sicher: "Ich will später eine Familie haben und das nicht erst mit 40. Es ist zwar auch spannend, viel unterwegs zu sein, aber ich bin dann doch auch gerne zu Hause."