Die Schauspieler proben fleißig in der Pausenhalle der Grundschule in Klosterreichenbach, auch das schlechte Wetter kann sie nicht abhalten.Foto: Braun Foto: Schwarzwälder Bote

Theater: Gruppe probt in Präsenz

Es sind noch fünf Wochen bis zur Premiere des Sommerstücks "Gretchen 89ff" der Neuen Studiobühne Baiersbronn. Zum ersten Mal gibt es nach einer langen Durststrecke wieder Präsenzproben.

Baiersbronn. Die rund 20 Laienschauspieler im Alter zwischen 20 und 75 Jahren haben sich zum ersten Intensivprobenwochenende unter der Leitung von Regisseurin Daniela Burkhardt getroffen. Bisher fanden die Proben als Web-Meeting in digitaler Form zu den üblichen Probezeiten einmal in der Woche statt.

Bei kaltem und regnerischem Wetter wurde der Pausenhof der Grundschule in Klosterreichenbach zur kleinen Bühne. "Alle sind natürlich getestet, geimpft oder genesen, und wir freuen uns, nun endlich wieder persönlich die Szenen miteinander einzustudieren", sagte Otto Gaiser, der Vorsitzende der Neuen Studiobühne.

Coronagerechte Inszenierung möglich

Das neue Sommerstück von Lutz Hübner ist eine leichte Komödie, in der die Charaktere in einer leichten und humorvollen Weise, aber durchaus auch mit Tiefgang dargestellt werden. "Wir haben das Stück auch mit Blick auf die Corona-Pandemie ausgesucht, da viele Szenen nur von zwei Schauspielern auf der Bühne gespielt werden und so auch die Online-Proben einfacher waren", erklärte Gaiser.

Zudem sollte es ein humorvolles Stück sein, das in dieser schweren Zeit die Menschen mit Spaß unterhalte, sagte er. "Wir haben noch fünf Wochen bis zur Premiere. Das ist sportlich, aber alle Schauspieler sind motiviert und bringen schon viel Erfahrung mit."

Nun gehe es darum, die Szenen miteinander zu verbinden, die richtigen Bühnenpositionen zu entwickeln und alles zu einem Ganzen zusammenzufügen. "Wir haben uns alle eine lange Zeit nicht gesehen, aber dafür läuft es heute wirklich gut", sagte Gaiser.

Regisseurin Daniela Burkhardt kam über einen Workshop zur Neuen Studiobühne. Mittlerweile inszeniert sie das dritte Stück mit ihr – nach dem Saalstück "Blütenträume" im Jahr 2018 und der Freilichtproduktion "Ronja Räubertochter" im Jahr 2019.

Mit den Mitgliedern der Neuen Studiobühne erarbeitet sie gemeinsam das Stück und hat viele Verbesserungsvorschläge. Sie gab bei der Probe klare Anweisungen und arbeitete an den Feinheiten. "Du kannst das Drama größer spielen", erklärte sie, wie die Schauspieler auf der Bühne agieren sollen. "Alle sind sehr konzentriert, und ich bin wirklich überrascht, wie gut es heute klappt“, sagte Burkhardt. Sie habe eine Katastrophe erwartet, doch dass alles trotz der langen Corona-Pause nun so gut funktioniere, damit habe sie nicht gerechnet.

Ablauf der Aufführungen noch nicht ganz geklärt

"Es ist ein Stück, das stark körperbetont ist. Man merkt die Corona-Verunsicherung, doch ich sehe, dass sich die Kreativität und die Solidarität durchsetzen", sagte sie. Alle wären mit viel Engagement bei der Sache.

Eine Herausforderung sei es auch, im Regen zu proben, aber das Ensemble würde unglaublich gut mit der ganzen Situation umgehen. "Unsere Online-Proben und dieser Kontakt haben uns über die schwere Lockdown-Zeit hinweggeholfen", so die Regisseurin.

Wie genau die geplanten sieben Aufführungen in der Glashütte Buhlbach ablaufen werden, ist noch nicht sicher, sagte der Vorsitzende Otto Gaiser. "Das Aufführungsformat wird sicher durch die dann geltenden Pandemie-Regeln bestimmt werden."

Der Kartenvorverkauf werde voraussichtlich Mitte oder Ende dieses Monats starten. "Es muss noch geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen Zuschauer eingelassen werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Zuschauerzahl deutlich begrenzt sein", sagte der Vorsitzende.

In "Gretchen 89ff" geht es um die "Kästchenszene" aus Goethes Faust, die im Reklamheft ab Seite 89 zu finden ist. Gretchen stößt auf das Schmuckkästchen, das Faust auf Zuraten Mephistos in ihrem Zimmer versteckt hat. In zehn Bildern wird die Szene mit unterschiedlichen Besetzungen geprobt. Dabei treffen verschiedene Charaktere aufeinander: die Diva, der (Text-)Streicher, die Anfängerin, der Hospitant, das Tourneepferd oder der Schauspieler an sich.

Autor Lutz Hübner ist einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker auf deutschen Bühnen. Die Neue Studiobühne spielte von ihm bereits "Frau Müller muss weg" und "Blütenträume".

Aufführungen im Kulturpark Glashütte Buhlbach: Donnerstag, 15. Juli, ab 20 Uhr, Freitag, 16. Juli, ab 20 Uhr, Samstag, 17. Juli, ab 20 Uhr, Sonntag, 18. Juli, ab 16 und ab 20 Uhr, Montag, 19. Juli, ab 20 Uhr und Dienstag, 20. Juli, ab 20 Uhr.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: