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Baiersbronn Weniger Fichten in den Hochlagen

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Im voll besetzten Seminarraum des Nationalparkzentrums präsentierten die Studenten ihre Ergebnisse. Foto: Patrick Seeger Foto: Schwarzwälder Bote

Studenten der Universität Freiburg stellten im Nationalparkzentrum Ruhestein ihre Erkenntnisse zu Fragen des Borkenkäfermanagements vor. Mehr als 60 Interessierte aus Fachkreisen und Bürgerschaft folgten der Einladung des Projekts Wissensdialog Nordschwarzwald.

Baiersbronn/Ruhestein. Die Diskussion der Ergebnisse war von großer Offenheit geprägt, heißt es in einer Pressemitteilung der Projektleitung. Genau diese Offenheit hatte Thomas Waldenspuhl der Veranstaltung in seinen Begrüßungsworten auch gewünscht. "Nur wenn wir auch kritische Themen wie die Frage des Umgangs mit dem Borkenkäfer offen miteinander diskutieren, kommen wir weiter", so der Leiter des Nationalparks Schwarzwald. Auch die Dozentin der Studenten, Regina Rhodius, lud die Gäste dazu ein, sich von den mitunter unkonventionellen Sichtweisen der Studenten mitnehmen zu lassen.

In vier Vorträgen stellten die Studenten der Studiengänge Umweltnaturwissenschaften sowie Waldwirtschaft und Umwelt die Ergebnisse ihrer Projektarbeiten vor.

Gäste arrangieren sich mit Borkenkäferschäden – auch vor dem Hotel?

So erkundeten Hannah Meyer und Adonai Knienieder den Zusammenhang zwischen Borkenkäferbefall und Tourismus. Dazu befragten sie je zwei Vertreter aus der Nationalparkregion Schwarzwald und dem seit 50 Jahren bestehenden Nationalpark Bayrischer Wald. Ihr Resümee: Befürchtungen im Schwarzwald, dass die Gästezahlen bei starken Borkenkäferschäden langfristig einbrechen, hätten sich im Bayrischen Wald nicht bestätigt. Die Gäste würden sich mit dem Borkenkäfer arrangieren und die Erneuerung des Walds auch als Chance begreifen, wenn das Thema gut kommuniziert werde.

Den Nationalpark Schwarzwald und die darin stattfindenden ökologischen Prozesse sieht auch Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf als Chance. Er betonte jedoch: Gäste könnten mit einem vom Borkenkäfer geprägten Waldbild im Nationalpark vermutlich gut umgehen, nicht aber mit geschädigten Bäumen vor dem eigenen Hotelzimmer. Mehrere Zuhörer wiesen darauf hin, dass die Auswirkungen des Borkenkäfers auf das Landschaftsbild vielleicht bald das kleinere Problem seien, da man sich im Zuge des Klimawandels an den Anblick von durch Trockenheit und Sturmschäden geschädigten Wäldern gewöhnen müsse.

Nico Binder und Melchior Schliephack stellten die von ihrer Gruppe für die Region Nordschwarzwald erstellte Borkenkäfergefährdungskarte vor. Bei dieser Aufgabe ging es vor allem darum, dass die Studenten Erfahrung mit der Auswahl von Risikofaktoren für den Borkenkäferbefall gewinnen und den Umgang mit Daten erlernen, so die Projektleiterin. Sie verdeutlichten in ihrer Präsentation, wie unterschiedliche Entscheidungen im Verlauf der Kartenerstellung das Endergebnis beeinflussen – eine Erfahrung, die Sönke Birk, verantwortlich für das Geodatenmanagement im Nationalpark Schwarzwald, unterstrich.

Gregor Sprenger, Forstbereichsleiter Baiersbronn, machte deutlich, dass eine solche Karte nicht dem aktuellen Borkenkäfermonitoring diene ("Da wissen wir selbst, wo wir nachschauen müssen"), sondern Planungsinstrument für die Zukunft sei, etwa wenn es um die künftige Baumartenzusammensetzung geht. An der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) werden im Rahmen des Wissensdialogs Karten erarbeitet, die Forstpraktikern künftig zur Verfügung gestellt werden.

Die dritte Gruppe aus Lucas Bäuerle, Lukas Lehmann, Jonas Nilsson und Maximilian Trapp verglich die Aussagen der von ihnen befragten Forstpraktiker und Wissenschaftler zur Zukunft des Fichtenanbaus miteinander. Erstaunlicherweise gingen die Ansichten von Wissenschaft und Praxis nicht weit auseinander: Statt der Fichte als früherer "Brotbaumart" brauche es eine breite Mischung an Baumarten, auch solle die Fichte auf Hochlagen reduziert werden.

Die weiteren Ausführungen der Studenten, etwa zu Umtriebszeiten oder zu an der FVA untersuchten Pheromonversuchen im Borkenkäfermanagement, wurden kontrovers diskutiert. Simon Stahl, Leiter des Forstbezirks Mittlerer Schwarzwald, brachte die Debatte auf den Punkt, als er sein Erstaunen darüber zum Ausdruck brachte, wie unterschiedlich ein und derselbe Vortrag im Publikum gehört und wahrgenommen werden könne.

Joshua Joachimsky und André Lamontain nahmen das Borkenkäfermanagement im Pufferstreifen unter die Lupe, studierten Dokumente und führten Interviews mit den vor Ort für das Monitoring Verantwortlichen. Ihr Eindruck: Das app-basierte Informationssystem hat sich eindeutig bewährt. Dagegen kämen die Aufarbeitungskapazitäten bei starkem Borkenkäferbefall mitunter an ihre Grenzen. Die Studenten sprachen sich für die Einsetzung eines Innovationsmanagers und verstärkte Kommunikation aus. Ihre Verbesserungsvorschläge würden nun in die richtigen Gremien eingespeist und diskutiert, sicherte Simon Stahl zu.

Die Veranstaltung war die letzte der Reihe "Wissensdialog vor Ort", das Projekt "Wissensdialog Nordschwarzwald" geht im Frühjahr zu Ende. Zur Abschlussveranstaltung am Montag, 2. März, in Freudenstadt sind Interessierte aus der Region eingeladen.

Der "Wissensdialog Nordschwarzwald" (WiNo) ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universität Freiburg, der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Der Verein Nationalparkregion, vertreten durch das Landratsamt Freudenstadt, ist als Praxispartner aktiv. Die Verwaltung des Nationalparks Schwarzwald sowie des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord unterstützen das Projekt als weitere Kooperationspartner.

Das Projekt ist eines von mehreren Reallaboren des Landes Baden-Württemberg und wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert. Das Besondere dieses Formats ist die enge Zusammenarbeit zwischen Forschenden und regionalen Akteuren.

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