Während die Tunnelpläne es nicht auf den Bundesverkehrswegeplan geschafft haben, zeichnet sich bei anderen Projekten Bewegung ab.
Baiersbronn - Mit den Tunnelprojekten hat es Baiersbronn zwar auch nicht auf die endgültige Liste des Landes für den Bundesverkehrswegplan 2015 geschafft, doch das bedeutet nicht Stillstand in Sachen Straßenbauprojekte. Denn bei einigen anderen Plänen zeichnet sich Bewegung ab. Zuviel Verkehr auf der Straße ist für Kommunen ja eher eine Plage, doch manchmal kann auch das Zuwenig der Knackpunkt sein – beim Tunnel für Baiersbronn zum Beispiel, der im bisherigen Bundesverkehrswegplan den Status weiterer Bedarf mit Planungsrecht hatte.
Dass Baiersbronn nicht an einer Hauptverkehrsachse liegt, das sei laut Landesregierung einer der Gründe, warum das Projekt nicht in die Landesliste aufgenommen worden sei, erklären Bürgermeister Michael Ruf und Bauamtsleiter Rolf Günther in einem Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.
Verkehrsaufkommen reicht nicht fürdie Priorisierung
Da halfen auch alle Vorstöße des Bürgermeisters nicht. Denn um alle Vorhaben umzusetzen, fehlt das Geld. Dem begegnet das Land mit einer Priorisierung. Mit einer Verkehrsbelastung nach der Straßenverkehrszählung 2010 mit 12.115 Kraftfahrzeugen und 470 Lastwagen pro Tag in Baiersbronn wird das Kriterium für eine Einzelmaßnahme nicht erfüllt. 13.000 Kraftfahrzeuge hätten es sein müssen und 1000 Lastwagen, stellt Ruf fest. Selbiges gilt – mit geringerer Verkehrsbelastung – für das Tunnelprojekt Schwarzenberg.
Positiv sieht Ruf, dass laut Aussage der Landesregierung zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in Baiersbronn zunächst die Beseitigung des Bahnübergangs am Bahnhof als vordringlich angesehen wird. Sie soll außerhalb des Bundesverkehrswegeplans weiterverfolgt werden. Über sieben Millionen Euro würde es in etwa kosten, die Bundesstraße am Ärztehaus geradeaus weiterzuführen und sie mit einer Brücke über die Bahngleise etwa 100 Meter vor der jetzigen Einmündung "Im Lehen" wieder auf die bisherige Trasse zu lenken. Ein dafür notwendiges Lärmgutachten soll bis Jahresende in Bonn vorliegen. Ruf und Bauamtsleiter Günther hoffen, dass die Zustimmung des Bundesverkehrsministeriums im nächsten Frühjahr erfolgt, sodass das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden kann. "Erst wenn das in trockenen Tüchern ist, geht es an die Ausführungsplanung und den Grunderwerb", sagt Günther. Die Kosten für die Maßnahme tragen jeweils zu einem Drittel Albtal Verkehrsgesellschaft, Land und Bund. An all dem hängt schließlich auch die prekäre Parkplatzsituation am Ärztehaus. Dort jetzt in Parkplätze zu investieren, die in wenigen Jahren wegen des Straßenbaus wegfallen, mache keinen Sinn.
Günther schätzt, dass durch die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs in dem Bereich etwa 200 Parkplätze wegfallen. Im Rahmen der Unterdorfsanierung sollen deshalb alternative Parkmöglichkeiten im Bereich der Kleingärten angegangen werden, fügt Ruf hinzu.
Bei der Beseitigung des Bahnübergangs Schindele-Boxenstop läuft das Planfeststellungsverfahren bereits. Um den Bahnübergang zu beseitigen, soll von Freudenstadt kommend die Trasse kurz vor der Tankstelle einen Linksschlenker machen, unter die Gleise geleitet werden und bei der Firma Schindele wieder auf der bisherige Straße münden. Eigentlich war alles weit gediehen. "Mit dem BUND waren wir uns einig", stellt Ruf fest. Doch nun muss umgeplant werden. Die Gründe sind unter anderem, dass der behördliche Naturschutz inzwischen – und für die Gemeinde überraschend – verlangt, dass im Bereich zwischen Sensenhammer und Königshammer die alten Bäume nicht gefällt werden, und ein angefordertes Sicherheitsaudit. "Wir müssen noch mal eine Ehrenrunde drehen", sagt Ruf. Der Grund seien Änderungen der gesetzliche Vorgaben.
Ein ganzes Stück weiter ist Baiersbronn in Sachen Bundesstraße zwischen Huzenbach (Sägewerk Gaiser) und Parkplatz Löwen in Schwarzenberg. Dort soll auf den Eingriff in die Murg verzichtet, die Straße mehr Richtung Berg verschwenkt und der Gehweg zum Teil auf eine andere Ebene als die Straße gelegt werden. Damit würde der Fußweg durchgängig bis Schwarzenberg führen. "Wir hoffen, dass der Bau im nächsten Jahr erfolgt", stellt Günther fest.
Bewegung kommt auch in das Projekt Ausbau der Landesstraße 409, Ortsdurchfahrt Klosterreichenbach. Dort ist zwar die Etappe Planfeststellung schon seit 2009 erreicht, doch eine Klage gegen die Planung bremste das Projekt aus. Eine gütliche Einigung sei bisher gescheitert. Nunmehr zeichne sich eine solche ab. Aber es gibt noch ein Problem: Das Projekt ist nicht mehr im Entwurf für den Generalverkehrsplan des Landes. "Wir versuchen, da wieder reinzukommen", sagt Ruf. Klappt alles, dann kann mit Grundstücksverhandlungen und Ausführungsplanung begonnen werden.