So soll das neue Besucherzentrum aussehen. Foto: Visualisierung: Bloomimages

Nationalpark Schwarzwald: Ministerpräsident legt Grundstein für Besucher- und Informationszentrum.

Ruhestein - Eine Spur wilder ist er schon – bald wird er auch eine Spur interessanter: 2020 soll auf dem Ruhestein das Besucher- und Informationszentrum (BIZ) des Nationalparks Schwarzwald eröffnet werden. Am Samstag wurde der Grundstein gelegt.

»Köpfe und Herzen gewinnen«

Gekonnt streicht der Ministerpräsident die Zementschicht auf dem ausgehöhlten Stein glatt. Darin verborgen liegt eine Zeitkapsel mit zwei tagesaktuellen Zeitungen, einigen Euromünzen und einem Buch über den Lebensraum Wald. Für Winfried Kretschmann (Grüne) ist der Festakt zum Baubeginn des BIZ auf dem Ruhestein bei Baiersbronn mehr als eine Grundsteinlegung, es ist ein "Meilenstein im Bereich der Umweltbildung".

Auf eine Fläche von rund 3000 Quadratmetern sollen in dem architektonisch spektakulären Holzbau mit Ausstellungen, Kino, Gastronomie, Veranstaltungsräumen und Aussichtssteg auf Baumwipfelhöhe den Besuchern Aufgaben, Ziele und Inhalte des Nationalparks nähergebracht werden. Knapp 32 Millionen Euro wird das Projekt voraussichtlich kosten – eine Summe, bei der manch einer schluckt, doch auch hier versucht Kretschmann zu glätten: "So etwas baut man schließlich nicht alle Tage. Das ist ein einmaliges Projekt, bei dem wir zeigen müssen, dass wir etwas hinkriegen, das passt", hält er den Kritikern des Baus entgegen.

Der Nationalpark Schwarzwald sei ihm ein "echtes Herzensanliegen" und dessen Gründung für ihn "ein Herzenserfolg", versichert der Ministerpräsident. Denn "die Bewahrung von Natur und biologischer Vielfalt war ja mein wichtigster Antrieb, vor mehr als 35 Jahren die Grünen in Baden-Württemberg zu gründen", sagt er.

In einer Zeit, in der alles vom Menschen beherrscht werde, sei es ein wichtiges Signal der Landesregierung, wenigstens eine kleine Fläche dem Nutzungsgedanken zu entziehen, damit die Schöpfung sich darauf frei entfalten kann, meint Kretschmann. Mit dem Nationalpark komme man dem Ziel näher, den Kindern und Enkeln ein Stück echte Wildnis zu hinterlassen und seltenen Arten neuen Lebensraum zu bieten. "Hier entsteht ja kein Freilichtmuseum, sondern lebendige Natur, die man hautnah erleben kann. Wir wollen damit die Köpfe und die Herzen der Menschen gewinnen – dafür legen wir heute den Grundstein, nicht nur für das Gebäude", sagte Kretschmann.

Nicht zuletzt eröffne das Projekt auch neue Perspektiven für den Tourismus und die Wirtschaft im Nordschwarzwald: "Das wird ein riesiger Besuchermagnet", ist sich Kretsch­mann sicher und spekuliert: "Vielleicht kommen ja sogar mehr, als wir wollen."

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat jedenfalls schon erste Hochrechnungen angestellt und erwartet jährlich rund 100 000 Gäste im neuen Besucherzen­trum, das zum Foyer des Nationalparks werden soll. "Wir wollen die Menschen hier zum Staunen bringen und sie dazu einladen, den Alltag in einer wunderbaren Natur loszulassen", kündigt er an. Herzstück des Neubaus soll eine interaktive Dauerausstellung werden, bei der die Besucher das Abenteuer Natur mit allen Sinnen erleben können.

90 Prozent des Bauholzes stammt aus heimischen Beständen

"Natur kennt keine Eile, aber mit den Bauarbeiten werden wir uns beeilen", verspricht Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne) als Bauherrin des Projekts. BIZ und Nationalpark werden weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus strahlen, ist auch sie sicher und sieht das Geld daher gut angelegt. Rund 26,5 Millionen Euro wird laut Splett der Bau des Besucherzentrums und eines 700 Quadratmeter großen Verwaltungsgebäudes für den Nationalpark kosten, rund drei Millionen Euro fließen in die Einrichtung der Dauerausstellung, und für weitere 2,2 Millionen Euro soll die Verkehrs- und Parksituation am Ruhestein neu geregelt werden.

Was Konstruktion und Gestaltung des Baus anbelangen, soll gezeigt werden, was man mit Schwarzwald-Holz alles machen kann: "90 Prozent des Bauholzes stammt aus heimischen Beständen", sagt die Finanzstaatssekretärin.

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