Nach 86 Jahren kehren die Lachse wieder zurück in die Murg und legen ihre Fischeier ab. Foto: Privat

Fisch und Eier im Fluss gefunden. Fund spricht für ökologische Verbesserung des Flusses.

Baiersbronn/Rotenfels - Da staunten die Vertreter des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg und der Umweltgruppe Mäander nicht schlecht, als sie im Kies bei Rotenfels Lachseier in der Murg fanden. Nach 86 Jahren ist der atlantische Lachs wieder zurückgekehrt.

Die Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe bestätigte zwischenzeitlich, "die orangefarbenen Eier belegen, dass atlantische Lachse sich dieses Kiesbett in der Murg eingerichtet und darin abgelaicht haben. Mit diesem Laichplatz wird die zunehmend besser werdende Qualität der Murg als Gewässerlebensraum und der gute Fortschritt beim Lachsprogramm bestätigt".

Nach der Untersuchung und Vermessung des Kieslaichplatzes prüfte die Fischereibehörde, ob sich noch Lachse in der Nähe aufhalten. Mit Hilfe der Elektrofischerei wurde dann tatsächlich ein atlantischer Lachs gefangen. Die Freude beim Wanderfischbeauftragten der Murg, Rainer Leutsch, war groß: "Unsere Arbeit zeigt jetzt die wohlverdienten Früchte und nun steht fest, dass der atlantische Lachs in der Murg wieder eine Heimat gefunden hat". Auch Udo Schmalbach und Gerd Brückel von Mäander waren erfreut. Seit vielen Jahren arbeiten Sie ehrenamtlich an der ökologischen Verbesserung der Murg zwischen Rastatt und Baiersbronn.

Bedeutender historischer Moment

Der exakt 81 Zentimeter lange Lachs aus der Murg, der wieder frei gelassen wurde, ist makellos, aber etwas mager. Für den Fischereireferenten des Regierungspräsidiums ist dies nicht ungewöhnlich. Immerhin habe der Fisch eine stramme Strecke vom Nordatlantik hinter sich. Da die Wasserführung in der Murg wieder zugelegt hat, rechnen die Fischereiexperten mit weiteren Rückkehrern. Nach Ende der Lachsfischerei vor fast 90 Jahren an der Murg ist der aktuelle Fang eines atlantischen Lachses ein bedeutender historischer Moment für die Murg.

Vor 100 Jahren zogen noch hunderte Lachse die Murg hinauf, teilweise bis nach Baiersbronn, um zu laichen. Viele tausend Kilometer sind es, die die Lachse zurücklegen, um in die heimischen Laichgewässer des Schwarzwalds zu gelangen. Die Murg wird durch viele kleine Schritte zunehmend zu dem bedeutenden badischen Lachsfluss, der sie einst mal war. Nach vorliegenden historischen Aufzeichnungen wurde im Jahr 1925 der letzte Lachs in der Murg gefangen.

Damals begann die Indus-trialisierung im Murgtal und für den Lachs war – wie in allen anderen Rheinzuflüssen – kein Platz mehr. Gewässerverschmutzung, technischer Ausbau und Wanderbarrieren waren schließlich die Gründe für das Aussterben des atlantischen Lachses am Rhein und seinen Nebenflüssen.

Jetzt ist er wieder zurück und es sollen noch viel mehr werden. Nach den Plänen der europäischen Wasserrahmenrichtline wird die Murg nach fast einem Jahrhundert wieder ein für Lachse von der Rheinmündung bis nach Baiersbronn durchgängiger und lebendiger Fluss werden.

Entlang der gesamten Murg laufen derzeit nach Vorgabe eines abgestimmten Gesamtkonzepts die Planungen und Arbeiten, die dazu führen werden, die ökologische Qualität und die Wassergüte der Murg in einen guten Zustand zu bringen. Wegen der erhöhten ökologischen Anforderungen an ein Lachsgewässer werden die Verbesserungen an der Murg nicht nur den Lachsen sondern auch anderen Arten zugute kommen.

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