Die Jugendlichen kommen auch zum Billardspielen her. Foto: Fotos: Sannert

Melanie Tzschupke ist für die Jugendlichen, die ins Baiersbronner "JiB" kommen, Vertrauensperson, Kummerkasten, beste Freundin und manchmal auch Mutterersatz – und das nun schon seit mehr als 20 Jahren.

Baiersbronn. Im September 2000 hat die Sozialpädagogin die Leitung der Jugendräume der Jugendinitiative Baiersbronn, kurz JiB, im Untergeschoss der Schwarzwaldhalle übernommen und hält sie sechs Tage die Woche offen. "Ich lebe diesen Job, sonst würde das nicht gehen", sagt Melanie Tzschupke.

Und die Jugendlichen danken es ihr. Denn für sie ist die Sozialpädagogin mit zusätzlicher Mediationsausbildung eine wichtige Ansprechpartnerin bei Problemen und Streitigkeiten im privaten Bereich – ob mit Freunden oder der Familie. "Sie erzählen mir viele Sachen, die sie zuhause nicht erzählen", so die Sozialpädagogin, die vor allem zuhört, auch Ratschläge gibt, und sogar zu schlichten versucht.

Eine große Familie

Manchmal geht es um Liebeskummer, manchmal aber auch um Drogen und Alkohol – was vor Corona kaum ein Thema gewesen sei, so Tzschupke. Doch im Lockdown, als Schulen und Treffpunkte geschlossen waren und Vereine ihren Übungsbetrieb eingestellt hatten, habe den Jugendlichen Struktur gefehlt. Während dieser vor allem für Heranwachsende schwierigen Zeit ist es Melanie Tzschupke gelungen, mit den knapp 40 Jugendlichen, die regelmäßig ins JiB kommen, Kontakt zu halten. "Die haben alle meine Nummer. Ich war für sie rund um die Uhr erreichbar, denn wir sind wie eine große Familie", macht sie deutlich.

Normalerweise hat das JiB montags, mittwochs, donnerstags und sonntags von 16.30 bis 22 Uhr und samstags von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Freitags ist Kindertag. Dann können sich hier Grundschulkinder von 15 bis 19 Uhr treffen. Bei speziellen Angeboten helfen oftmals Jugendliche freiwillig mit, worüber sich Melanie Tzschupke freut. Manchmal bekommt sie auch Unterstützung von einer Praktikantin aus der Schule. Dienstags begleitet die Sozialpädagogin ein Schulprojekt in Klosterreichenbach.

Den Kindern und Jugendlichen stehen im JiB mehrere Räume zum Spielen, Toben, Werken und Chillen zur Verfügung. Da gibt es den Werkraum in Kooperation mit der Schule, der vor Corona einmal die Woche für die Ganztagsbetreuung genutzt wurde. Der Antigewalt- oder Sportraum bietet neben einer Kletterwand und einer Schaukel auch einen Boxsack. "Der ist wichtig, um die schlechte Laune rauszulassen", so Melanie Tzschupke.

Bald wieder Ausflüge?

Ihren Rückzugsraum haben die Jugendlichen neu gestrichen und mit Paletten-Sofas und LED-Lichtern gemütlich ausgestattet. Im großen Raum davor stehen Tischkicker und Billardtisch, und eine Dartscheibe hängt an der Wand. In einem zweiten großen Raum im Eingangsbereich, zu dem eine kleine Küche gehört, stehen zahlreiche Sofas und Couchtische – allesamt Spenden, wie Melanie Tzschupke erklärt. Kommt etwas Neues dazu, werden die alten Sachen weggeräumt, und zwar von den Jugendlichen, die auch bei den vielen Renovierungen in den vergangenen 20 Jahren mit angepackt haben.

Melanie Tzschupke möchte bald wieder mit den Kindern kochen, Discoabende organisieren oder mit den Jugendlichen Ausflüge unternehmen. Bis das wieder möglich ist, können sie zu den offenen Treffs ins JiB kommen. Für die Jugendlichen seien gerade die wichtig, um ganz ohne Zwang kommen und gehen zu können. "Und es ist wichtig, dass sie hier einen Ansprechpartner haben", sagt die Leiterin der Jugendräume.