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Baiersbronn Kein Friedenssymbol vor der Kirche

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Geben nicht auf: Roland Janaczek,Johannes Heinzelmann und Marcel Sanchez (von links) vor dem Friedensbrunnen. Foto: Schwenk

Baiersbronn-Schönmünzach - Er sollte ein Zeichen setzen. An symbolträchtiger Stelle für Toleranz und ein friedliches Miteinander der fünf Weltreligionen stehen. Doch die Diözese Rottenburg-Stuttgart will ihn vor ihrem Schönmünzacher Gotteshaus nicht haben.

Die Rede ist von Roland Janaczeks Friedensbrunnen. Seit fünf Jahren verfolgt Janaczek, Mitglied Kirchengemeinderats, dieses Projekt nun schon. Zwischenzeitlich hat es Gestalt angenommen. Im Wortsinn: Vor der Kunstschmiede Heinzelmann in Klosterreichenbach steht die "Rohversion" des Brunnens. Fünf Edelstahlschalen stehen stellvertretend für die Bewohner der fünf Kontinente, die Menschheit.

Jede Schale trägt das Symbol einer der fünf großen Weltreligionen. Aus ihnen ergießt sich Wasser als Sinnbild des Lebens in eine große Schale, in deren Mitte die Erdkugel thront. Die Botschaft: Es geht nur miteinander. Janaczek und Kunstschmied Johannes Heinzelmann wollen Religion nicht als Mittel zur Ab- und Ausgrenzung verstanden wissen. Ihr Brunnen wirbt für Toleranz zwischen den Glaubensrichtungen.

Ungezählte Stunden sind bislang in Konzeption und handwerkliche Umsetzung des spendenfinanzierten Projekts geflossen. Pünktlich zum 50-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde im kommenden Mai sollte der Friedensbrunnen an dem für ihn vorgesehenen Platz stehen: vor der Schönmünzacher Kirche. Dort sollten Schautafeln neutral über die fünf Weltreligionen informieren. Und zudem Spenden für ein jährlich wechselndes Hilfsprojekt gesammelt werden.

Der Kirchengemeinderat stellte sich geschlossen hinter das Vorhaben. Und musste nun erleben, wie selbiges von der Amtskirche kurzerhand abgeschmettert wurde. Denn zur jüngsten Sitzung des Kirchengemeinderats hatte sich mit Domkapitular Uwe Scharfenecker hoher Besuch aus Rottenburg angesagt. Und der erteilte dem Friedensbrunnen kurzerhand Hausverbot. Denn vor den Augen des Monsignore, so darf sich Scharfenecker seit 2011 nennen, findet das Objekt keine Gnade. Dem Brunnen fehle schlicht der künstlerische Anspruch, lässt Scharfenecker auf Nachfrage unserer Zeitung verlauten.

Der Domkapitular spricht von "aneinander geschweißten Metallschalen", mit allenfalls "platter Botschaft". Und davon, dass man sich von Seiten der Amtskirche mit einer "weniger plakativen Symbolik" durchaus hätte anfreunden können. Freilich unter der Voraussetzung, dass ein Künstler für Konzeption und Umsetzung verantwortlich zeichnet. Kein bloßer Kunstschmied. Und die Amtskirche in den Prozess eingebunden wird. In diesem Punkt hatten sich die Brunnen-Initiatoren in der Tat einen Lapsus geleistet und beim Bischöflichen Ordinariat zu spät zwecks einer Genehmigung angefragt.

"Damit haben wir Schwierigkeiten"

Doch die Bedenken des Monsignore gehen tiefer: Die Symbole aller fünf Weltreligionen gleichberechtigt vor einer katholischen Kirche? Geht nicht, sagt Scharfen-ecker. "Damit haben wir Schwierigkeiten." Die Kirche, sorgt sich der Domkapitular, könne dann fälschlicherweise für einen multifunktionalen Gebetsraum gehalten werden. Scharfenecker lässt durchblicken, dass ihm eines der fünf Symbole besonders schwer im Magen liegt: der Halbmond, Zeichen des Islam. In Zeiten, in denen sich Christen vielerorts einer Verfolgung durch eben jenen Islam ausgesetzt sähen, "kann man nicht so tun, als sei zwischen den Weltreligionen alles Friede, Freude, Eierkuchen".

Namentlich für christliche Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak sei der Halbmond vor einem katholischen Gotteshaus ein schwer erträglicher Anblick, meint Scharfen-ecker. Vergleichbar äußerte sich der Monsignore auch in der Sitzung des Kirchengemeinderats. Johannes Smeets, bei der Sitzung als Gast anwesend, zeigt sich ob des Verhaltens des Domkapitulars zutiefst enttäuscht. Dieser sei, so Smeets, bereits mit einer "dem Kirchengemeinderat gegenüber entmündigenden, ablehnenden Einstellung angereist". "Die erlebte provinzielle Arroganz der Rottenburger Amtskirche", erklärt Smeets, könne er nur bedauern.

Allein, nützen wird es wohl wenig. Wie Pastoralreferent Dominik Weiß auf Anfrage bestätigt, "ist der Friedensbrunnen kein Projekt der Kirchengemeinde mehr". Aber eines, dass von großen Teilen des Kirchengemeinderats privat weiterverfolgt wird. "Wir geben nicht auf", streicht der zweite Vorsitzende Marcel Sanchez heraus. Und Janaczek betont: "Wir wollen mit dem Friedensbrunnen ein Zeichen setzen. Zeigen, dass wir als Katholiken Andersgläubigen die Hand ausstrecken. Daran halten wir fest."

Gesucht wird nun ein alternativer Aufstellungsort für den Brunnen. Der im Übrigen den Segen der islamischen Gemeinde in Freudenstadt hat. Dort zeigte man sich weniger kunstkritisch, dafür aber umso offener gegenüber der Botschaft. Die Vertreter der islamischen Gemeinde, erzählt Janaczek, seien vom Konzept des Friedensbrunnens begeistert gewesen. Und hätten sogar eigens ein Fest auf die Beine gestellt, um Spenden für das Projekt zu sammeln. Eine Reaktion, die sich die Initiatoren wohl auch von der eigenen Kirche gewünscht hätten.

Weitere Informationen: Für die weitere Umsetzung des Projekts suchen die Initiatoren noch Mitstreiter. Wer Interesse hat oder einen alternativen Standort bieten möchte, kann sich mit Marcel Sanchez unter Telefon 07442/811 07 in Verbindung zu setzen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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