Der Lockdown macht dem Handel in Baiersbronn schwer zu schaffen. Symbol-Foto: © Mario Hoesel – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Vor allem die Ungewissheit macht im Einzelhandel vielen zu schaffen / Stark vom Tourismus abhängig

Seit Mitte Dezember sind die Einzelhandelsgeschäfte aufgrund der Pandemie geschlossen. Mitten im Weihnachtsgeschäft mussten sie ihre Türen schließen, das hat auch in Baiersbronn viele hart getroffen, denn finanzielle Unterstützung ist bisher noch nicht geflossen.

Baiersbronn. Holger Wessinger, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins in Baiersbronn (HGV) und selbst Einzelhändler, berichtet von vielen guten Ideen, die mit fertigen Konzepten in der Schublade liegen. "Wir hatten im vergangenen Jahr so viel geplant. Das liegt alles auf Halde, und wir haben gerade keine großen Hoffnungen, dass wir in diesem Jahr groß durchstarten können."

Er gehe davon aus, dass auch im Mai kein verkaufsoffener Sonntag möglich sein wird. Vielleicht werde es ja im September besser. In Sachen Handel spricht er von desaströsen Zuständen. Selbst wenn die Geschäfte wieder öffnen dürften, würden die Touristen und Gäste fehlen, die einen Großteil des Umsatzes ausmachten. "Erst wenn auch Hotellerie und die Gastronomie wieder öffnen, sehe ich eine Entspannung."

Wessinger, der in seinem Herrenbekleidungsgeschäft Mutschler Men’s Fashion auch Anlassmode verkauft, hat es doppelt getroffen. "Der gesamte Hochzeits- und Feierlichkeitenbereich ist eingebrochen, der Schaden bewegt sich im sechsstelligen Bereich." Es gehe nicht so weiter, schließlich könne das Geld, das eigentlich für die Rente bestimmt sei, nicht aufgebraucht werden. "Die Politik hat wieder mal gezeigt, dass viel versprochen wird, aber nichts ankommt", sagt er.

Stefanie Andres, ebenfalls im Vorstand des HGV und Geschäftsführerin der Buchhandlung Osiander, ist froh, sich nicht selbstständig gemacht zu haben. "Wir erfahren viel Unterstützung von unseren Kunden vor Ort, die bei uns bestellen und die Ware dann abholen. Aber das fängt natürlich die Verluste nicht auf." Sie spricht von "wirklich ausbaufähigen" Umsätzen trotz der Loyalität und Solidarität im Ort. Die Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. Staatliche Hilfen gibt es für Osiander erstmal nicht, denn der Dezemberumsatz lag nur 28 Prozent unter dem des Vorjahrs, sodass die Vorgabe von 30 Prozent nicht erfüllt sei. "Wenn wir wieder öffnen dürfen, dann wird es vielleicht wieder ein super Sommer, aber wir brauchen dringend ein ordentliches Konzept. Was uns bisher vor die Füße geworfen wurde, ist kein Stock, das ist ein Felsen", so Andres. Die Vorgaben für die Praxis würden immer noch in der Theorie gemacht. Effizienz müsse auch in der Politik eine Rolle spielen.

Viele beteiligen sich an "Click und Collect"

Als Mitvorsitzende im HGV ist sie froh, dass viele Händler in der Gemeinde bei der Aktion "Click und Collect" mitmachen. "Wir stecken aber noch mitten in der Pandemie, Planungen für gemeinsame Aktionen gibt es nicht", sagt sie. Neben ihrem Beruf sei sie auch noch Mutter von zwei Kindern, eines vier, das anderes sechs Jahre alt. In Zeiten von Homeschooling und Kontaktverbot sei das aktuell die größte Herausforderung.

Bettina Buchthal hat sich erst vor rund einem halben Jahr mit ihrer Bonbonmanufaktur selbstständig gemacht und ihr Hobby zum Beruf gemacht. Die promovierte Naturwissenschaftlerin musste ihren Laden zwar nicht schließen, doch die Laufkundschaft fehlt fast ganz. "Zum Glück läuft der Online-Handel ganz gut, und es kommen auch hin und wieder Kunden in den Laden. Der Einbruch nach dem Lockdown war aber heftig", sagt sie. Hart trifft sie auch der Umstand, dass es für sie keine Corona-Hilfen gibt, denn ihr Geschäft öffnete erst im August. "Ich bin aber sicher, dass mein Konzept richtig ist. Und wenn die Hotels wieder öffnen, wird auch der Umsatz steigen." Sie blicke positiv in die Zukunft und freue sich auf die Zeit nach Corona, um dann richtig durchstarten zu können.

Axel Hinker von "Hinker – Beauty trifft Mode" ist gleich mit mehreren Filialen, die schließen mussten, betroffen. Zudem sind auch die Kosmetikbehandlungen zurzeit nicht erlaubt. "Die Kunden können bei uns bestellen und ihre Ware abholen, aber der Bereich Kleidung ist völlig eingebrochen", sagt er. Die Schließung mitten im Weihnachtsgeschäft habe seine Geschäfte besonders hart getroffen, und ob, wie und wann es staatliche Hilfen gibt, sei immer noch unklar. "Wir haben Verträge mit unseren Lieferanten. Gar nicht liefern geht nicht, vielleicht kann der Lieferzeitpunkt und damit das Zahlungsziel etwas verschoben werden." Die Schließung von heute auf morgen sei hart gewesen, und die Perspektive fehle nun. "Wir sind doch Unternehmer und keine Unterlasser", sagt er bitter. Bei der ganzen Misere findet Hinker doch noch etwas Gutes: Privat, sagt er, habe er schon lange nicht mehr so viel Zeit für seine Familie gehabt.

Auch Sportgeschäftehaben zu kämpfen

Mit der ganzen Situation zu kämpfen haben auch die Sportgeschäfte. Christoph Faisst aus Mitteltal hatte noch im Januar trotz der Schließung ganz gut zu tun, denn der Schnee brachte auch Umsatz mit sich. "Seit der Schließung ist nur wenig los. Aber wetterbedingt liefen der Langlauf und Winterbekleidung im vergangenen Monat gut", sagt er. Aktuell sehe es aber schlechter aus. Und was mit der vielen Winterware wird, weiß er noch nicht. "Ich muss warten, was mir die Firmen anbieten. Einige Hersteller haben aber gesagt, dass sie sich vom Design her an die Kollektion des Vorjahrs halten, sodass die Ware aktuell bleibt." Der Einbruch im Alpin-Bereich sei aber eine Katastrophe. Der Umsatzrückgang lasse sich nur schwer beziffern und sei sehr hoch. "Besonders bitter ist es, dass wir dieses Jahr einen guten Winter hatten. Letztes Jahr hat der Schnee gefehlt, und so war der Umsatz auch schlecht", so Faisst. Im Gegensatz zum ersten Lockdown sei es nun immer noch unklar, ob es staatliche Hilfen gebe. "Es ist schon eine Frechheit, wir sind keine Treiber der Pandemie. Jeder Supermarkt ist geöffnet. Ich finde das nicht in Ordnung", sagt Faisst. Platz im Laden habe er genug, wirklich bedrückend sei die Ungewissheit, wie es weitergehe.

Martin Klumpp hat mit seinem Sportgeschäft die gleichen Sorgen. Sein Umsatz ist ebenfalls eng mit dem Tourismus im Ort verbunden. "Wir haben die Gastronomie- und Hotelschließung schon im November deutlich gespürt und werden erst wieder mit der Öffnung dieser Branche einen Kundenanstieg verzeichnen", ist Klumpp überzeugt. Der Online-Handel laufe eher schleppend. Die Kunden würden nur bedarfsorientiert einkaufen. "Im Ski-Alpin–Bereich geht gar nichts, und die Schließung zwischen den Jahren war fatal."

Er sei froh, über den Intersport-Verband organisiert zu sein, aber auch von dort heiße es, dass vermutlich vor Mitte März keine Öffnung erfolge. "Ich persönlich und auch unser Verband kritisieren stark die Ungleichbehandlung des Einzelhandels. Denn der Discounter nebenan darf Nonfood-Artikel weiter verkaufen, während wir schließen müssen." Wichtig sei es jetzt aber noch durchzuhalten, um dann mit niedrigen Infektionszahlen durchstarten zu können. Von einer zu frühen Öffnung halte er nichts, denn einen erneuten Tiefschlag würden viele nicht mehr überstehen.

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