Online-Unterricht an der Jugendmusikschule Baiersbronn. Per Skype können Antje Krüger- Spindler und ihre Schüler zusammen üben. Foto: Krüger-Spindler Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Lehrer der Jugendmusikschule nutzen eine ganze Reihe von Möglichkeiten / Lernfortschritt durchaus vergleichbar

In Corona-Zeiten ist Musikunterricht nicht immer einfach. An der Jugendmusikschule Baiersbronn steckt trotz des Schließungsdurcheinanders niemand den Kopf in den Sand.

Baiersbronn. "Wir sind leider wieder im Fernunterricht, seit die Inzidenz über 100 liegt. Nur vor den Osterferien hatte die Jugendmusikschule drei glückliche Wochen im Präsenzunterricht", sagt Antje Krüger-Spindler, die Leiterin der Jugendmusikschule. Der Musikunterricht in Zeiten der Corona-Pandemie stelle viele Lehrkräfte und Schüler vor große Herausforderungen.

"Die öffentlichen Musikschulen haben hier Großartiges geleistet, so auch in Baiersbronn", so die Musikschulleiterin. Die Kinder hätten durch spontan organisierte digitale Ersatzangebote Instrumental- und Vokalunterricht erhalten, sodass zumindest ein Teil Normalität aufrechterhalten werden konnte.

Seit dem zweiten Lockdown ab 16. Dezember erfolge der Unterricht vorwiegend synchron über Videotelefonie. "Dies ermöglicht weiterhin den Kontakt zu den Schülern, und auch der Stundenplan für die Schüler bleibt gleich", erklärt Krüger-Spindler.

Die Schüler würden von ihren Lehrern angerufen, um dann mit dem Online-Unterricht zu beginnen. "Genutzt wird auch ein neues Videokonferenzsystem, das für den Musikunterricht entwickelt wurde. Dieses ist für die Übertragung authentischer Klangqualität von Musikinstrumenten und Gesang optimiert."

Bewährt hätten sich auch das asynchrone Lernen mit Podcasts, Selfie-Videos der Lehrer, Videos und Audiodateien der Schüler sowie kleine Online-Klassenvorspiele. "Diese Möglichkeit des Fernunterrichts wird vorwiegend bei jüngeren Schülern angewendet und ermöglicht zeitliche Flexibilität."

Das Verbot von Ensemblearbeit sieht Antje Krüger-Spindler mit großer Sorge. Sie hat Bedenken, dass durch den langen und "nie endenden Lockdown" die Arbeit der vergangenen Jahre zunichte gemacht wird. "Hier ist die Musik eindeutig schlechter bewertet als der Sport", bedauert sie. Im Amateursportbereich waren Gruppenangebote seit März erlaubt, dies habe aber nicht für die musikalische Gruppenarbeit gegolten. "Das mag verstehen wer will", sagt sie resigniert.

Inzwischen eine großeRoutine entwickelt

Bei aller Kritik sieht die Musikschulleiterin auch Positives. "Der Lernfortschritt im digitalen Fernunterricht ist durchaus vergleichbar mit dem Präsenzunterricht, und Lehrer wie auch Schüler haben inzwischen eine große Routine entwickelt." Es sei erstaunlich zu erleben, wie bereits die Jüngsten mit sieben Jahren die Vorzüge des Computers erkennen und nutzen würden. Da kämen auch schon mal Smileys mit, schmunzelt sie.

Die insgesamt 14 Lehrer der Jugendmusikschule seien mit neuem Know-how zur digitalen Vermittlung gut ausgerüstet und hätten ihren Unterricht neu strukturiert. "Es ist schön, mitanzusehen, wie in diesem Bereich Schwellenängste abgebaut wurden", freut sich Antje Krüger-Spindler.

Auch bei Gesangslehrerin Heidrun Hahn wird fleißig gearbeitet. Die für die Schüler vorbereiteten Noten werden eingescannt und passende Karaoke-Versionen gesucht, die dann im Unterricht dazugeschaltet werden, erzählt Heidrun Hahn aus ihrer täglichen Arbeit. "Wenn wir uns dem Gesangsstück zunächst technisch, sprachlich und rhythmisch genähert haben, können wir mitsingen." Klassik werde zunächst mit Flügelbegleitung, später auch mit Karaoke einstudiert. Beim Online-Unterricht habe es in seltenen Fällen schon Übertragungsprobleme gegeben bei sehr ungünstiger Wetterlage oder wenn der Schüler nur ein Handy zur Verfügung habe. "Oft wäre eine bessere Ausstattung wünschenswert", sagt Heidrun Hahn.

Natürlich fehle allen der persönliche Kontakt. Denn der digitale Unterricht könne den Präsenzunterricht nicht ersetzen, bedauert Antje Krüger-Spindler. Die Motivation werde durch den fehlenden Kontakt zu den Musikschülern immer schwieriger.

Aktuell gibt es ein neues Projekt der Jugendmusikschule Baiersbronn. "Ich habe meine Schüler zu einem bundesweiten Onlineorchester eingeladen. So wird gerade heftig in meiner Geigenklasse an der Ouvertüre von Wilhelm Tell, einer Oper von Rossini, geübt", sagt sie. Bis Mitte des Monats können Selfie-Videos eingereicht werden, dann werde alles zusammengeschnitten und bei Youtube veröffentlicht. "Das ist wunderbar zu sehen, wie die Schüler hier Gas geben", freut sich die Musikschulleiterin.

Die Finanzierung der Jugendmusikschule erfolgt zur Hälfte über die Gebühren der Eltern, das Land übernimmt 12,5 Prozent der Kosten des pädagogischen Personals. "Wir sind der Gemeinde Baiersbronn sehr dankbar, dass die restlichen Kosten von der Kommune finanziert werden, und auch den Eltern für ihre Treue", sagt Krüger-Spindler.

Auch bei den Jüngstengeht es weiter

Auch bei den Jüngsten der Jugendmusikschule geht es trotz der Corona-Pandemie weiter. Für die musikalische Früherziehung sind Marianne Martin und Ariane Fackel zuständig. "Die Kinder bekommen von uns wöchentlich Videos, Podcasts, also Hörstunden, und Arbeitsblätter zu den musikalischen Unterrichtsinhalten, die sie sich zu einem frei wählbaren Zeitpunkt zuhause mit den Eltern ansehen, beziehungsweise anhören können", sagt Marianne Martin. Es würden Tänze erarbeitet, Trommelgeschichten erlebt und Lieder und Verse gelernt. Ziel sei es, die Musik mit allen Sinnen zu erleben.

"Auch wenn die Erstellung dieser Medien einen deutlich größeren Arbeitsaufwand für uns Lehrkräfte bedeutet, so ist es natürlich nur ein kleiner Ersatz für die Stunden in der großen Runde", sagt Martin. Aber es helfe allen und mache vor allem eins: große Vorfreude auf das Wiedersehen im Unterricht.

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