Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Baiersbronn Gänsehautstimmung bei Schlüsselübergabe

Von
Schlüsselübergabe (von links): Christian Lindinger vom Amt für Vermögen und Bau, Minister Franz Untersteller und Nationalpark-Chef Wolfgang Schlund. Fotos: Birnbaum Foto: Schwarzwälder Bote

Die Debatte dauerte Jahre. Der Neubau des Nationalparkzentrums am Ruhestein (Kreis Freudenstadt) auch. Nun wurde das Gebäude feierlich übergeben. Pech in Corona-Zeiten: Die Öffentlichkeit kann den Festakt nur über eine Live-Übertragung verfolgen.

Baiersbronn/Seebach. Das wurde von vielen mit Spannung erwartet: Einen ersten Blick ins neue Nationalparkzentrum am Ruhestein, auf Gemarkung der Gemeinde Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) gelegen, bekam die Öffentlichkeit am Freitag bei dessen feierlicher Übergabe – aufgrund der Corona-Lage allerdings nur via Live-Übertragung im Internet. Dem Nationalpark habe bisher eine "zentrale Anlaufstelle" gefehlt, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) in seiner Ansprache, die am Anfang der Übergabe stand.

Diese Funktion werde das Besucherzentrum, das stufenweise öffnet, "trefflich erfüllen", zeigte sich Kretschmann überzeugt. Es handele sich um ein "architektonisches Highlight" inmitten von wunderbarer Natur, das das Zeug dazu habe, "zum Symbol und Aushängeschild" der Region zu werden.

"Es war in vielerlei Hinsicht das Anspruchsvollste, was wir bisher geplant haben", sagte Jörg Sturm vom Architekturbüro Sturm und Wartzeck, der in einem eingespielten Film zu Wort kam. Die Idee des Planungsteams sei gewesen, die Kräfte, die im Schwarzwald wirkten, erlebbar durch die Architektur zu machen. Sturm verwies auf die bis zu 60 Meter langen Bauriegel, die wie zufällig übereinander geworfene Baumstämme erscheinen sollen.

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) ging unter anderem auf die nachhaltige Bauweise und die Übernahme von heimischer traditioneller Bautechnik, die Verschindelung, ein. Es entstehe der Eindruck, als wachse der Schwarzwald direkt ins Gebäude hinein.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sprach vor allem über die verkehrstechnische Erschließung. Hauptgedanke sei die umweltfreundliche Anreise der Besucher gewesen. Dafür müsse der Nationalpark mit einem Bus-Liniennetz durchzogen werden, sodass der Alptraum Autoflut vermieden werden könne. Weiter sei geplant, eine digitale Abrufmöglichkeit über die Verfügbarkeit von Parkplätzen einzurichten.

"Der Besucher geht rein, bekommt Gänsehaut und geht mit Gänsehaut wieder raus", sagte Wolfgang Schlund, einer der beiden Leiter des Nationalparks Schwarzwald, über die Ausstellung. "Wir sind sehr glücklich, unseren Gästen mit dem neuen Nationalparkzentrum die perfekte Ergänzung für einen Ausflug in der Natur anbieten zu können. Hier dürfen sie Erfahrungen machen, die sie so sicher noch nie gemacht haben – wie ein Falke über dem Schwarzwald schweben oder tief in die geheimnisvolle Unterwelt des Waldes abtauchen. Und am Ende nehmen sie nicht nur viele neue Eindrücke mit, sondern auch viele Informationen darüber, warum es so wichtig ist, die natürlichen Prozesse zu schützen." Von einem neuen "Leuchtturm für den Tourismus", einer hervorragenden Attraktion, sprach auch Klaus Michael Rückert, Landrat des Kreises Freudenstadt. Er ist zugleich Vorsitzender des Nationalparkrats.

Auch der symbolischeSchlüssel ist aus Holz

Höhepunkt war die Schlüsselübergabe. Der symbolische Schlüssel, ebenso symbolisch aus Holz gefertigt, ging durch mehrere Hände: von Christian Lindinger, Leiter des Amtes Pforzheim des Landesbetriebs Vermögen und Bau, an Minister Untersteller und von diesem an Nationalparkleiter Schlund. Damit ist das Nationalparkzentrum nun an diejenigen übergegangen, die es nutzen.

Vorbild für den Neubau ist laut einer Pressemitteilung des Landes der natürliche Wald mit frei liegendem Totholz. Die acht langgestreckten, quer aufeinanderliegenden und in den bestehenden Wald eingefügten Gebäuderiegel sind Baumstämmen nachempfunden. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Sturm & Wartzeck aus Dipperz, das Anfang 2015 den Architekturwettbewerb gewonnen hatte.

Über fünf Geschosse entwickelt sich das Nationalparkzentrum das steile Hanggrundstück am Fuße des Ruhesteins hinab. Das Herzstück ist die rund 1000 Quadratmeter große Dauerausstellung über den Wald, seine Lebensphasen und seine Jahreszeiten. Die Ausstellung greift die Idee der übereinanderliegenden Gebäuderiegel auf und verbindet sie zu einem – nicht nur horizontalen, sondern auch vertikalen – Rundgang.

Die Besucher werden von der Eingangsebene beispielsweise hinunter in den unter­sten Riegel bis zu den Wurzeln einer Tanne geführt. Als weiterer Höhepunkt warten Skywalk und Turm mit einem Gang durch die echten Baumkronen. Den Skywalk einberechnet, hat das Nationalparkzentrum laut der Pressemitteilung eine Nutzfläche von 3200 Quadratmetern. Das außergewöhnlich komplexe Tragwerk habe eine besondere Planerleistung sowie ein Maximum an Präzision und Qualität in der Umsetzung erfordert. Dazu seien die großen Anforderungen einer Baustelle auf über 900 Metern Höhe mit zum Teil schwierigen Witterungsverhältnissen gekommen. Zudem sollte beim Bau der vorhandene Baumbestand bestmöglich geschützt werden.

Die Investitionen im Zusammenhang mit dem Neubau des Nationalparkzentrums belaufen sich insgesamt auf rund 50 Millionen Euro. Darin enthalten sind die Gesamtbaukosten des Nationalparkzentrums Ruhestein von rund 35,5 Millionen Euro sowie rund zwei Millionen Euro für das Nationalpark-Haus in Forbach-Herrenwies und eine Risikovorsorge von insgesamt 3,43 Millionen Euro. Weiter sind laut der Pressemitteilung die Dauerausstellung, der Ausbau der öffentlichen Erschließung und die Herstellung neuer Parkplätze am Ruhestein enthalten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die bei der Übergabe von Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) vertreten wurde, fördert die Dauerausstellung mit rund einer Million Euro.

Fotostrecke
Artikel bewerten
13
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Premium-Artikel lesen und Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren richtigen Namen (Vor- und Nachname), Ihre Adresse und eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link.

Ihr Passwort können Sie frei wählen. Der Benutzername ist Ihre E-Mail-Adresse.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

loading