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Baiersbronn Ein Hauch von China weht durch Obertal

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Wenhong Yu. Foto: Fritsch

Baiersbronn - "Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen" heißt ein chinesisches Sprichwort. In Obertal, einem Ortsteil der Tourismusgemeinde Baiersbronn (Kreis Freudenstadt), werden zwar keine Windmühlen gebaut, doch der kleine Schwarzwaldort ist offen für Neues - offen für China.

Das deutsch-chinesische Märchen begann, nachdem bei einer anderen Geschichte das letzte Kapitel zugeklappt worden war - mit der Insolvenz des Schwarzwald Medical Resorts. Im Januar 2014 schloss die renommierte Privatklinik; rund 100 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit.

Monatelang stand das Gebäude leer. Und dann kam sie: Wenhong Yu, eine chinesische Milliardärin, und kaufte die Klinik. Als bekannt wurde, dass der Kaufvertrag unterschrieben ist und die erste Gespräche mit der Geschäftsführung folgten, war das für Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf fast "zu schön, um wahr zu sein".

Elfengleich ist die 43-Jährige, so höflich, so mädchenhaft und doch eine taffe Geschäftsfrau. Wenhong Yu ist der Kopf der Young Merry Real International Group, in China ein Star, hat dort ein Schönheitsimperium aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Die Kunden der zu der Gruppe gehörenden Kosmetikstudios können nun in den Schwarzwald kommen, um sich zu erholen und fernab vom smoggeplagten China wirklich frische Luft tanken.

Seitdem ist in Obertal alles ein bisschen anders. Ein Hauch von China weht durch den heilklimatischen Kurort. Ausflüge zum Beispiel zu Weingütern, Shopping, Fahrten mit Segways - all das steht für die chinesischen Gäste auf dem Programm, die nun regelmäßig anreisen. Und die finanzkräftigen Gäste lassen sich beim Shoppen nicht lumpen. In Baden-Baden und Stuttgart sollen sie innerhalb einiger Stunden für rund zwei Millionen Euro eingekauft haben, sagt Klaus Krüger, Geschäftsführer der HG Health GmbH, vor laufender Kamera. Denn seit Wenhong Yu regelmäßig mit dem Hubschrauber in Obertal einfliegt, ist der kleine Schwarzwaldort vermehrt im Fokus der Medien.

Neugier prägt Einkaufsverhalten

Zurzeit ruht der Betrieb. Es werden Arbeiten für den Brandschutz fertiggestellt. Die Geschäftsführung und der Koch sind gerade aus China zurückgekehrt. Die nächste Gruppe wird am 11. Juli erwartet. Dann soll auch Wenhong Yu wieder mit von der Partie sein, die diesmal mit ihrem Sohn, ihrer Mutter und ihrer Tante anreisen will.

Von einem Beitrag zur Völkerverständigung, den guten deutsch-chinesischen Beziehungen und weiteren Möglichkeiten der Zusammenarbeit sprechen die Politiker beim VIP-Opening im Mai. Die Menschen in Obertal leben das bereits, seit die erste Gruppe im Herbst vergangenen Jahres das Haus besucht hat. Angenehm seien die chinesischen Gäste und neugierig, sagt Maike Weiss, Bezirksbeiratsvorsitzende in Obertal. Für die Menschen, die dort leben, sei es positiv, dass das Klinikgebäude wieder belebt ist.

Von der Neugier erzählt auch Jochen Günther, der direkt in der Nachbarschaft des Sanatoriums lebt. Die chinesischen Gäste würden schon mal in den Hof laufen, um zu schauen, wie es da aussieht. Als nett und freundlich beschreibt Günther die Chinesen. "Sie winken immer, wenn wir auf dem Balkon sitzen." Und im Supermarkt, da würden sie ganze Einkaufswagen voll Haribo und Toblerone kaufen.

Noch mal zurück zur Neugier. Dass die Einwohner Obertals der gegenüber offen sind, hat Frank Klumpp, Inhaber des Lebensmittelgeschäfts Klumpp, bewiesen: Bei der ersten Reisegruppe hat eine Dame ihn gefragt, ob eine Hausführung möglich sei. "Sie wollte sehen, wie wir leben." Seine Tochter hat die Frau und eine Freundin durchs Haus geführt. Die Neugier prägt auch das Einkaufsverhalten, wenn die chinesischen Gäste in Klumpps Laden kommen. Da werde alles mögliche gekauft. "Sie probieren alles mal durch."

Ein Kenner der Materie ist Gemeinderat Gerhard Gaiser. Er pflegt enge Kontakte mit der Geschäftsführung des Sanatoriums und schmiedet gemeinsam mit ihr Visionen für die Zukunft. Alltäglich sei das Ganze für Obertal noch nicht. Die Gäste aus Fernost seien viel im Ort unterwegs. "Da ist sehr viel Aufgeschlossenheit da - auf beiden Seiten. Die Leute in Obertal freuen sich, dass die Chinesen da sind", sagt Gaiser. Er sieht in der Klinik für die Zukunft viel Potenzial, auch zum Ausbau der wirtschaftlichen Kontakte zwischen Deutschland und China. Vor Ort wird das schon ein wenig greifbar. Denn bei Renovierungsarbeiten werde hauptsächlich auf Firmen aus der Region zurückgegriffen, so Gaiser. Er will auf jeden Fall am Ball bleiben und wollte sogar schon einen Chinesisch-Kurs belegen. Doch: "Es gab keinen für Anfänger."

Gäste aus dem Reich der Mitte vertragen deutsches Essen nicht

Einen Chinesisch-Kurs ganz anderer Art hat der Koch Philippe Frickert hinter sich. Frickert betreibt mit seiner Firma "Aufgetischt" die Küche des Sanatoriums. Am Anfang war der Plan, für die Gäste aus China hauptsächlich europäische Küche auf den Tisch zu bringen. Doch dann habe sich herausgestellt: Für die Gäste aus dem Reich der Mitte ist das auf Dauer nicht so verträglich. Frickert reiste kurzerhand nach Berlin, um ein Praktikum in einem Restaurant zu machen, das original chinesisch kocht. Jetzt gibt es im Schwarzwald Sanatorium beim Büfett sechs bis sieben Gerichte, zum Teil deutsch, zum Teil chinesisch. Immer, bevor eine Gruppe anreist, fährt Frickert nach Straßburg, um in einem speziellen Asiashop einzukaufen. Für den Koch ist es interessant, für eine ganz andere Klientel zu kochen. "Das ist eine Herausforderung."

Eugen Holzmann, Inhaber des Landgasthofs Murgcafé in Obertal, setzt auch bei den Gästen aus China auf deutsche Küche. "Wenn ich ins Ausland gehe, dann will ich ja auch die dortige Küche kennenlernen", sagt er. Und für die Verständigungsprobleme hat Holzmann schon eine Lösung: Er will seine Karte - zumindest die Speisen - ins Chinesische übersetzen lassen. Doch mit Händen und Füßen und dem Smartphone geht vieles trotz unterschiedlicher Sprachen: Holzmann erzählt von Gästen, die mittags da waren, einen Eiskaffee tranken und ihn fotografierten, um das Bild weiterzuschicken. Später kam ein anderer Gast und hat mit dem Foto bestellt.

Zurzeit läuft der Antrag auf die erneute Zulassung des Schwarzwald Sanatoriums als Privatklinik. Hendrik Schöbe, Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Sportmedizin, der eine Praxis in Baden-Baden besitzt, betreibt inzwischen in den Räumen des Sanatoriums eine Teilpraxis für Kunden der Young Merry Real International Group. Ist die Zulassung zur Privatklinik da, soll er die ärztliche Leitung übernehmen. Die Inhalte sollen dann ganz ähnlich sein wie beim früheren Schwarzwald Medical Resort - nur eben mit chinesischen Patienten: Anti-Aging und Revitalisierung. Dabei setzt Schöbe unter anderem das Sauerstofftherapieverfahren ein.

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